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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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64120. April 1853 rutscht war, erst um 7 ankam, und brachte den Abend bey fidel Palfy zu. tags darauf um 10 uhr fuhr ich weiter. emil desseöffy war mit mir. Zwi- schen 5 und 6 uhr waren wir in Pesth, wo ich in der europa abstieg. in Pesth blieb ich nun vom 11. bis zum 17. bey fast fortwährend schlech- tem Wetter, regen und theilweise schnee, so daß die Berge um ofen ganz weiß waren. dabey war es grimmig kalt und windig, kurz ein sehr un- freundliches Wetter, nur am letzten tage heiterte es sich einigermaßen auf. ich verbrachte meine Zeit größtentheils bey gabrielle und im casino, er- stere führt in ihrer einsamkeit in der todten und entfernten festung ofen allerdings ein langweiliges leben, würde sie anstatt dort oben in Pesth woh- nen, so wäre es bedeutend erträglicher, aber auch dann eben nur erträglich, denn erstlich ist Pesth doch immer nur eine kleine, und zwar exclusiv unga- rische Provinzstadt, in der nebstdem die aristokratische farbe immer mehr ab- und der handelsstand zunimmt, und dann ist ihr in ihrer stellung selbst von dieser aristocratischen Welt nur ein theil, nämlich der sogenannt gut- gesinnte zugänglich, welcher hier wie überall weder der brillantere noch der interessantere ist. die Anderen erscheinen bey hofe bey großen gelegenhei- ten, sind höflich, aber dabey bleibt es. Ich machte ein paar Soiréen dieser Art mit, die eine bey forray, die andere bey cziráky, und hatte gelegenheit, mich davon zu überzeugen. Alles ist gedrückt, eingeschüchtert, tief verletzt, man spricht nicht mehr viel von dem, woran, wie man deutlich sieht, Alle fortwährend denken, aber man wartet auf bessere Zeiten. Alle früheren mei- nungsunterschiede sind verwischt und haben sich in haß gegen das Beste- hende und gegen dessen urheber aufgelöst, was die ungarn am tiefsten ver- letzt hat, ist die theilung des landes in 5 statthaltereybezirke, welche mit 1. may ins leben treten soll, um drey Jahre zu spät. dabey ist die gesammte Administration, sowie die gerichtsverfassung, in der größten unordnung, durch die unzahl der eine auf die andere folgenden, sich widersprechenden verordnungen, organisationen und reorganisationen, alle kerker sind voll von politischen gefangenen, deren Zahl sich mit jedem tage mehrt, und die standgerichtlichen executionen wider die räuber und (oft gezwunge- nen) unterschleifgeber, wider die übertreter von oft beynahe unmöglichen standgerichtlichen verordnungen, z.B. sättel- und reitverbothe etc., sind manchmal von einer entsetzlichen härte. um von einem comitate in das andere zu gelangen, daher noch weit mehr um nach Wien oder gar ins Aus- land zu gehen, braucht man Pässe, Plackereyen und monatlanges Warten, ungerechnet die grobheiten mancher militärischer Autoritäten etc. dabey geht es den leuten materiell schlecht, die gutsbesitzer sind trotz al- ler glänzenden Aussichten einzelner in die Zukunft für den Augenblick in einer übergangsperiode und ohne geld, die wenige industrie und der Bürgerstand z.B. in Pesth leiden unter denselben ursachen wie hier, und noch manchen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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