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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 679 -
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6798. Oktober 1853 daß, wenn es auch nominell zum kriege kommen sollte, sich dieser doch auf gegenseitiges observiren und harceliren beschränken würde, da die donau bey jetziger Jahreszeit fast unmöglich zu überschreiten ist. da könnte man aber doch die rechnung ohne den Wirth gemacht haben, denn ist einmahl der krieg erklärt, so hängt der Weltfriede an einem haare, die politischen flüchtlinge allenthalben rüsten schon, um der türkey zuzuziehen, zugleich führen england und frankreich, namentlich ersteres, eine sehr entschie- dene und gereizte sprache gegen rußland, sie beschuldigen es mehr als jemals der Zweydeutigkeit und falschheit, da die letzte note nesselrode’s Alles, was man durch die Wiener conferenzen erreicht zu haben glaubte, wieder in Abrede stelle und sich wieder auf den Boden der ursprünglichen menzikoffschen forderungen stelle, nämlich das directe Protektorat über die griechen in der türkey zu begehren. ich glaube noch immer an keinen krieg, obwohl ich einsehe, daß er dieß- mal an einem faden hängt, und die leidenschaft und der fanatismus der türken (welcher übrigens jetzt ein sehr berechtigter ist) ganz unberechen- bar sind, von ihnen allein könnte eine kriegserklärung erfolgen, weder rußland noch viel weniger die Westmächte werden einen solchen schritt thun. kommt es aber zum kriege, so werden wir gegen unsern Willen und noch weit mehr gegen unser interesse in kurzem zur theilnahme (in ir- gend einer form) gezwungen werden. rußland hat uns nach und nach sehr geschickt eingefädelt, die leitung unserer politischen Angelegenheiten ist, seitdem seine majestät der kaiser dieselbe in so besondere Affection ge- nommen haben, eine misérable, schwankend und ganz von persönlichen gefühlen abhängig, man hat sich hier überreden lassen, daß der kampf gegen die türkey ein kampf gegen das revolutionäre Prinzip sey, und da sind natürlich alle leidenschaften los, weder ruhe noch einsicht genug, um unsere wahren interessen zu erkennen. unsere lage ist wahrhaftig weder im inneren noch nach Außen geeignet, einen krieg wagen zu dürfen. Auf Preußen zähle ich à la longue nicht, mit Piemont und der schweiz sind die differenzen im Zu- anstatt im Abnehmen, und wenn unsere gegner die ideen des Jahres 1848 zu Bundesgenossen nehmen, so kann es uns schlecht ergehen. die Papiere fallen ungeheuer, ebenso die Wechselcourse, für mich wieder eine ursache, um meine reise in den orient aufzuschieben, die nun wohl im günstigsten falle kaum vor dem 10. kommenden monats erfolgen wird, ich schrieb gestern an grünne, der vorgestern mit dem kaiser von War- in olmütz ende september 1853 eingeleitete letzte vermittlungsversuch österreichs blieb erfolglos.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

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