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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 689 -
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68922. November 1853 nirt mir die englische gesellschaft im ganzen besser, was mich aber vor- nehmlich anlockte, war das vorhandenseyn eines salons und readingrooms mit Zeitungen. denn da es hier nur ein (wie ich höre) äußerst schlechtes italienisches theater und gar keine sonstigen ressourcen gibt, so blieb mir im hôtel d’orient meistentheils nichts Anderes übrig, als mich gleich nach tische, also um etwa 7 uhr Abends, in mein Zimmer zurückzuziehen und da bis zum schlafengehen zu verbleiben. überhaupt kann man eben nicht sagen, daß ein längerer Aufenthalt in cairo zu den angenehmeren dingen gehöre. Abgesehen davon, daß man eine menge dinge entbehren muß, daß man bey aller möglichen sorgfalt dennoch immer von ungeziefer und unreinlichkeit geplagt wird, daß der intelligenteste arabische Bediente dennoch immer ein halber Wilder bleibt, hat man auch, wie ich glaube, sehr wenige ressourcen des geistes und der gesellschaft, man müßte denn sich für ägyptische Alterthümer und ge- schichte interessiren, wie es die meisten der gebildeteren hier lebenden europäer thun, theils weil sie diese liebhaberey aus der heimath mit sich brachten, theils weil sie sie aus langer Weile etc. hier ergriffen. nun muß ich sagen, daß ich für dergleichen nicht das geringste interesse habe. ich tauge überhaupt nicht zum geschichtsforscher, am allerwenigsten aber für solche antediluvianische Epochen, deren praktischer Einfluß auf die Ge- genwart nicht abzusehen ist, mich interessiren die politischen momente und resultate, und da ist allerdings vieles merkwürdige zu beobachten. mit Ausnahme jener gebildeteren aber ist die hiesige europäische gesell- schaft, wie mir scheint, wenig der mühe werth, sie kennen zu lernen. ich brachte ein paar Abende bey champion zu und lernte unter Anderem eine tochter desselben, welche in Alexandria verheirathet ist, kennen, eine sehr liebenswürdige geistreiche hübsche frau. vorgestern aß ich bey ihm mit huber und marinelli, einem Priester aus s. florian, welcher von einer Pil- gerfahrt nach Jerusalem heimkehrt, und es wurde da außer der meinigen auf die gesundheit der zukünftigen kaiserinn getrunken. Abends führte mich champion in das haus eines vetters von ihm, ein obristleutnant und leibarzt cuggini, wo musik gemacht und getanzt wurde. huber kam den tag nach meiner zweymahligen visite zu mir, um sich zu entschuldigen, und wir sind seitdem sehr gute freunde geworden. er ist ein mensch von geist, kenntnissen und sehr vielen Worten, cyniker im Ausdrucke, oft unüberlegt in seinen reden, der aber seine stellung voll- kommen ausfüllt, der vormärzlichen liberalen schule angehörend. Wir un- ternahmen neulich mit marinelli einen ritt nach den herrlichen chalifen- gräbern, in folge dessen ich ein paar tage meine Beine nicht spürte, sonst habe ich von merkwürdigkeiten bisher die citadelle, einige moscheen, etc. gesehen. viel ist nicht zu sehen. die excursion zu den Pyramiden hebe
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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