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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 693 -
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6931. Dezember 1853 Beduinen aus tunis, tripolis etc. durch schönheit und edle haltung auf, in beydem war der contrast mit der ägyptischen Bevölkerung auffallend. meine gesundheit ist bedeutend besser, obwohl noch immer so, daß ich vorsicht haben muß, ich curire mich, ganz in meiner gewohnten europaei- schen Weise, mit gutem Bordeauxweine. ich habe wieder mit meinem dragoman mehrere längere Wanderungen durch die stadt gemacht, in der es des interessanten und Bemerkenswerthen so viel gibt, wenn nur der entsetzliche schmutz und gestank nicht wäre, ich sah mir einige moscheen an, worunter mir die el-Azhar besonders ge- fiel, alle andern sehen sich, wenigstens von Innen, mehr oder weniger gleich, die mehemet Alis in der citadelle ausgenommen, welche einen ganz aparten mehr europäischen styl (à la Pantheon) hat, dann sah ich mehrere khans, Bazaars, die Wohnung des cadis etc. mohammed scheint ein sehr orthodoxer türke zu seyn (er war 2mal in mecca) und will mich nicht in die moscheen hineinlassen wie sein vorgänger hassan effendi, der ein glatter spitzbube war. Auch sonst scheint er etwas schwerfällig und langsamen verstandes, so daß er meine Ungeduld sehr häufig reizt, wie dieß überhaupt meine schwa- che seite ist, es ist überhaupt eine gewohnheit der Araber, in Allem sehr langsam und weitschweifig zu seyn und auf nichts eine bestimmte positive Antwort zu haben, und mir ist nichts unerträglicher als gerade dieses. meine reiseangelegenheit hat wenig fortschritte gemacht, soviel weiß ich, daß in Bulek über 20 Barken bereit liegen, und daß bey der sehr gerin- gen Anzahl reisender, welche wenigstens bis jetzt hier sind (und die sich bey den politischen constellationen wie sie sind, schwerlich sehr vermeh- ren dürfte) die Preise niedriger stellen dürften als in andern Jahren, einen reisegefährten habe ich wahrscheinlich schon gefunden, ein mr. freeman, ein ganz wohlerzogen aussehender junger engländer, der hier im hôtel wohnt, auch mit einem zweyten habe ich gesprochen, einem französischen schriftsteller m. charles didier, der mir aber unentschlossen, knauserig und dabey geneigt scheint, praepotent zu werden. Jedenfalls will ich gerne den 12.–15. dieses monats abreisen. neulich besuchte ich den sklavenmarkt, ein scheußlich ekelhaftes Zeug. seit gestern ist es in diesem hôtel außerordentlich belebt, da die rei- senden aus indien angelangt sind und morgen weiter gehen. das ist eine kleine Abwechslung, bewunderungswürdige kerle sind diese engländer, die ganze Welt ist ihnen wie ein schachbrett, diese thätigkeit, dieser un- ternehmungsgeist, da ist ein leutnant Burton hier, kaum 30 Jahre alt, war als Pilger mit der caravane in mecca, mußte daher als mohamedaner rei- sen und kennt ihre sprache und sitten aus dem grunde, will nun zu fuße nach dem sinai wandern und dann mit einer englischen expedition quer durch Africa ziehen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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