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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 697 -
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69716. Dezember 1853 die Wärme bis gegen 20° r. Auffallend ist der unterschied in der tages- länge gegen unsere länder, wir zünden jetzt die lichter kaum vor 6 uhr des Abends an, obwohl die dämmerung höchstens eine halbe stunde dau- ert. in diesen tagen wurde hier eine türkinn, welche vor 2 Jahren von ihrem Manne (einem angesehenen Beamten, glaube ich) entflohen war und seit jener Zeit bey einem hiesigen griechen verborgen lebte und von ihm ein kind hatte, von der egyptischen Polizey, welche sie durch diese 2 Jahre ver- gebens gesucht hatte, in dem Augenblicke ergriffen, als sie beym griechi- schen consulate sich zum übertritte zum christenthume meldete, in einen 4spännigen Wagen gesetzt und abgeführt. niemand weiß seitdem, was mit ihr geschehen. das gesetz ist, daß sie in einem sacke in den nil geworfen werden soll. An Bord der victoria, 12 englische meilen südlich von cairo 16. december unsere Abreise, welche am 12. statthaben sollte, wurde bis vorgestern ver- schoben. Zuerst war es die festlichkeit des doseh und dann die conträren Winde, welche uns dazu bewogen. Am 12. mittags fand nämlich unter großem Zusammenlaufe von men- schen das berühmte doseh fest, d.i. die feyer des geburtstages des Pro- pheten, statt, auf der ezbekieh, wenige schritte von meinem hôtel, ich sah es ganz nahe und bequem von dem dache eines niedrigen stalles an, nur gênirte mich die sonne und die furcht vor dem einsturze des sehr baufäl- ligen gebäudes. gegen 2 uhr erschien der scheik des betreffenden der- wischordens der saadieh, und da warfen sich viele hunderte mit einer Art Wuth auf den Boden, wurden von ein paar sachverständigen in die rechte lage gebracht, worauf der scheik ebenfalls in einem Zustande von rausch oder Begeisterung über sie weg ritt, einige wurden hinweggetragen, doch schien keinem viel geschehen zu seyn, was auch bey der Art, wie das Pferd auftrat, mit dem einen fuße auf die schultern, mit dem Andern auf die Hintern tretend, begreiflich ist. Mir erschien die Sache weniger widerlich als der Zikr der derwische in Altcairo. die ganze ceremonie wurde nachher im kleineren maaßstabe im hofe des hauses des scheik el Bekri wiederholt. dieser letztere ist das haupt der familie Abebekrs und nebst einem anderen ähnlichen familienhaupte die einzige erbliche illustration in Aegypten, er ist sehr reich und so ange- sehen, daß ihn sogar der Pascha fürchtet, und er keine dienste, und wären es auch die höchsten, annimmt. Bey gelegenheit der doseh war schon seit 8 tagen eine Art volksfest in der nähe unseres gasthofes, daher hütten, Zelte etc. aufgeschlagen, und da gab es Abends immer allerhand zu sehen: Zikrs, tänze, musik, schlan-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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