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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band III
Seite - 154 -
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Tagebücher154 gottfried war die feyertage über hier, ein ganz vortrefflicher aber etwas sehr monotoner Bursche, am heiligen Abende war ich eine halbe stunde bey einem christbaumfeste bey … der Jüdinn todesco – ! – und am tage vorher bey einer ähnlichen Weihnachtsbescheerung (die mich sehr interessirte) in der mädchenschule am hundsthurm, deren vorsteherinn die schöne frau v. neuwall ist. [Wien] 4. Jänner 1855 das neue Jahr begann mit einem fürchterlichen sturme, welcher 2–3 tage währte und besonders am 1. viele unglücksfälle herbeyführte. dazu und seitdem vermischter schnee und regen, dabey aber noch immer warm, koth, schmutz, aber kein Winter. gabrielle ist schon seit 8 tagen wieder krank und bettlägerig, einen Au- genblick ängstigte sie mich durch ihre furcht vor dem nervenfieber, doch ist sie jetzt gottlob in der reconvalescenz. die Alliirten, namentlich die engländer, deren Anstalten miserabel zu seyn scheinen, leiden entsetzliches ungemach vor sebastopol, die russen nicht minder, daher nun schon seit 6 Wochen beyderseits ziemlicher still- stand. Am 29. hat gortschakoff mit Buol und den gesandten der Westmächte eine conferenz gehabt, worin ihm die friedensbedingungen, respective die diessei- tige interpretation der 4 Punkte mitgetheilt wurden, il a jeté les hauts cris und hat trotz seiner pleins pouvoirs die sache ad referendum genommen und 14 tage frist verlangt, nun schwanken natürlich die gerüchte und meinungen hin und her, ich glaube fest an nichtannahme und krieg. An intriguen aller Art fehlt es natürlich nicht, und die geschichte mit dem lloyd war eine solche. die eisenbahnpacht ist unterzeichnet, und die erste rate von 30 millio- nen franken wurde gestern gezahlt, ein tropfen ins meer. nichts hat mehr eine Wirkung oder macht auch nur eindruck. Aber was für eine herrliche Wirksamkeit wäre es, an der spitze der Administration dieser gesellschaft zu stehen! [Wien] 9. Jänner Abermals eine neue Phase. rußland hat nun auch die interpretation der 4 Punkte, wie sie dem fürsten gortschakoff am 29. vorigen monats mitge- theilt worden war, als Basis der zu eröffnenden friedensverhandlungen an- genommen, und es wird daher nur noch auf die Zustimmung englands und frankreichs gewartet, um diese unterhandlungen aufzunehmen. An dieser Zustimmung aber (wenn auch vielleicht mit einigem vorbehalte) ist nach dem, was bisher vorgegangen, nicht zu zweifeln, um so weniger als wir uns officiell in diesem sinne ausgesprochen haben. ich halte das für nicht mehr
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band III
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
III
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
476
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1854–1858 7
  2. Literatur 359
  3. Kommentiertes Personenregister 373
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