Barbara Rosenkranz

Rosenkranz bei einem Wahlkampfauftritt 2008 in St. Pölten

Barbara Rosenkranz (geb. Schörghofer[1]; * 20. Juni 1958 in Salzburg) ist eine österreichische Politikerin (FPÖ) und Landesrätin für Baurecht und Tierschutz in Niederösterreich. Rosenkranz war Kandidatin der FPÖ für die Bundespräsidentenwahl 2010.[2][3]

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Familie

Barbara Rosenkranz besuchte zwischen 1964 und 1968 die Volksschule und absolvierte von 1968 bis 1976 ein neusprachliches Gymnasium. Nach der Matura begann sie 1976 ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Universität Wien, das sie nicht beendete. Sie ist mit Horst Rosenkranz verheiratet, mit dem sie zehn Kinder hat, sechs Töchter und vier Söhne.[4][5] Rosenkranz gibt als Beruf offiziell „Hausfrau“ an.[6]

Politische Laufbahn

Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer.

Ihre politische Karriere begann Rosenkranz im Jahr 1993 als Abgeordnete im niederösterreichischen Landtag, dem sie zunächst bis 2002 angehörte. Vom Jahr 2000 an stand sie dem FPÖ-Klub Niederösterreich als Klubobfrau vor. Am 20. Dezember 2002 wechselte Rosenkranz vom Landtag in den Nationalrat, wo sie die FPÖ in den Ausschüssen Familie, Gesundheit, Innere Angelegenheiten und Unterricht vertrat. Bei den niederösterreichischen Landtagswahl 2008 trat Rosenkranz als Spitzenkandidatin an – die Partei konnte ihren Stimmenanteil bei dieser Wahl mehr als verdoppeln. Sie schied in der Folge am 9. April aus dem Nationalrat aus und wurde am 10. April 2008 zur Landesrätin für Baurecht und Tierschutz der niederösterreichischen Landesregierung gewählt.

Barbara Rosenkranz übt verschiedene Funktionen in der FPÖ aus. Sie war bereits 1996 Landesparteiobmann-Stellvertreterin der FPÖ Niederösterreich, 1998 wurde sie zusätzlich zu dieser Funktion Landesparteisekretärin für ein Jahr. Seit 2003 ist sie Landesparteiobfrau, seit April 2005 auch stellvertretende FPÖ-Bundesobfrau.

Bis 2006 war sie neben Reinhard Eugen Bösch eine von zwei freiheitlichen Abgeordneten im Parlament, die nach der Abspaltung des BZÖ unter Jörg Haider die neue Gruppierung offen ablehnte, ihr Stimmverhalten nicht dem der Mitglieder des neuformierten Freiheitlichen Parlamentsklubs anpasste und bei der FPÖ verblieb. In Folge der Nationalratswahl 2006 zog sie erneut für die FPÖ in den Nationalrat.

Am 2. März 2010 wurde Barbara Rosenkranz seitens der FPÖ offiziell als Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl präsentiert. Unterstützt wurde sie dabei in einzelnen Artikeln der Kronen Zeitung, wobei der Herausgeber Hans Dichand unter seinem Pseudonym Cato erst offen für sie Partei ergriff,[7][8] dies aber am darauffolgenden Tag deutlich relativierte.[9] Rosenkranz erhielt 15,2 % Stimmen bei dieser Wahl und unterlag damit dem Amtsinhaber Heinz Fischer, der mit 79,3 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 53,6 Prozent für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt wurde.[10]

Positionen und Kritik

Rosenkranz selbst bezeichnet sich als „nationalkonservativ“.[11] In den Medien wird sie als streng konservativ, „heimattreu“ und äußerst EU-kritisch,[12] als „Galionsfigur der Rechten“, für ihre „erzkonservativen und extremen Ansichten“[13] sowie ihre „erzkonservative Familienpolitik“ und „beinharte Linie“ in der Ausländerpolitik[14] bekannt beschrieben.

Familien-, Sozial- und Migrationspolitik

Rosenkranz vertritt eine sehr konservative und restriktive Politik in Einwanderungs-, Sozial- und Familienfragen. Den Feminismus betrachtet Rosenkranz, die für sich selbst als Berufsbezeichnung gerne „Hausfrau“ angibt, als „Irrweg“,[15] Gender Mainstreaming beschreibt sie in ihrem im Ares Verlag erschienenen Buch MenschInnen als den Versuch nicht die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen, sondern deren Aufhebung und die Schaffung eines „geschlechtslosen Menschen“. Gleichzeitig tritt sie in ihrem Buch für die Gleichberechtigung der Frau ein: „Es ist klar, dass der Rang der Frau in unserer Gesellschaft ein gänzlich gleichberechtigter sein muss, da kann es keine Abstriche geben. Ebenso aber ist es eine Tatsache, dass erfolgreiche Weiblichkeit und Mütterlichkeit nicht auseinanderfallen dürfen, wenn wir im Gesamten eine Zukunft haben wollen.“[16]

Die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle als eheähnliche Einrichtung lehnt sie ab, da es im § 44 ABGB (Begriff der Ehe) nicht nur um Liebe gehe, sondern auch um die vorweggenommene Absicht, gemeinsame Kinder zu zeugen, sie zu erziehen und ihnen und dem Ehepartner gegenseitigen Beistand zu leisten. Darin liege auch das hohe Interesse des Staates und damit der Öffentlichkeit am Institut Ehe, nämlich das Interesse an der Sicherung der Existenz des Staatswesens, des Volkes durch die Schaffung neuer Generationen. Es gehe dem Staat primär um die nächste Generation im sogenannten Generationenvertrag, die die Aufgabe habe, die als Umlageverfahren organisierten Sozialleistungen des Staates und auch das Steueraufkommen in der Zukunft zu gewährleisten. Sie tritt auch gegen das Recht homosexueller Paare ein, Kinder adoptieren zu dürfen.[17]

Fragen der Migrationspolitik betrachtet Rosenkranz vor allem in Verbindung mit Kriminalität. So sprach sie etwa im Wahlkampf zur Landtagswahl in Niederösterreich 2008 von einer „ungezügelten Massenzuwanderung“ und „importierter Kriminalität“ und forderte, keine Einbürgerungen mehr zuzulassen.[18] Auch im Zuge ihrer Kandidatur zur Wahl des Bundespräsidenten ist einer ihrer Programmpunkte die Frage „wieweit Einwanderung im Land überhaupt möglich sein soll“ und ob „die Österreicher das überhaupt wollen“.[19]

EU und Europa

Der Europäischen Union steht Rosenkranz weitgehend kritisch bis ablehnend gegenüber. Statt einer engen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf europäischer Ebene strebt sie ein Europa an, das „im Inneren möglichst föderativ und dezentral organisiert ist, […] ein Europa der sich ihrer Identität gewissen Völker und der miteinander verbündeten Nationalstaaten, […] das sich gegen unlebbaren Multikulturalismus, gegen Massenzuwanderung und gegen einen ‚melting pot‘ wendet.“[20] Sie tritt für eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen an den seit Inkrafttreten des Schengener Abkommens in weiten Teilen Europas offenen Grenzen ein.[21]

Im Dezember 2003 stimmte sie gemeinsam mit Bösch wegen der Haltung Tschechiens zum Kernkraftwerk Temelin und den Beneš-Dekreten gegen die Ratifizierung der Beitrittsverträge der zehn neuen EU-Mitglieder im Rahmen der EU-Erweiterung 2004 im Nationalrat.[22] Sie war auch die einzige Nationalratsabgeordnete, die am 11. Mai 2005 gegen die Ratifizierung des Vertrags über eine Verfassung für Europa stimmte. Zum bereits ratifizierten Vertrag von Lissabon möchte sie, wie von der FPÖ gefordert, auch nachträglich noch eine Volksabstimmung abhalten.[19]

Verhältnis zum Nationalsozialismus

Der Publizist Hans-Henning Scharsach bezeichnete Barbara Rosenkranz im Magazin News 1995 als Beispiel für einen „Kellernazi“. Der Autor und das Magazin wurden von ihr wegen Verleumdung verklagt und in Österreich zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) sah dieses Urteil aber als Verletzung des Rechtes auf freie Meinung, da es sich nur um ein Werturteil Scharsachs handle und Rosenkranz’ Einstellung zum Thema Nationalsozialismus durchaus als zwiespältig angesehen werden könne; u. a. wurde angemerkt, dass sie in der Vergangenheit öffentlich das Verbotsgesetz kritisierte und sich nie von den Ansichten ihres Ehemannes Horst Rosenkranz distanzierte, der als rechtsextremistischer Aktivist bzw. Herausgeber in Erscheinung getreten ist. Sowohl Scharsach als auch News erhielten Schadenersatz von der Republik Österreich.[23] 2007 erwiderte Rosenkranz, dass sie aus Gründen der Selbstständigkeit und der Persönlichkeit einer Frau in der Politik Wert darauf lege, nach ihren eigenen politischen Aussagen und Handlungen beurteilt zu werden.[4] 2010 gab Rosenkranz in einer Stellungnahme zu Fragen von orf.at-Lesern im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl an, dass sie die politischen Ansichten ihres Ehemannes „natürlich nicht“ teile und der Meinung wäre, man könne „eine Ehe führen, ohne dass man sich in allen Dingen einig ist“.[24]

Bei der Abstimmung über die Lex Kampl, eine Änderung der österreichischen Bundesverfassung im Juni 2005, um den Vorsitz von Siegfried Kampl (FPÖ bzw. BZÖ) nach dessen umstrittenen Aussagen zum Nationalsozialismus im Bundesrat zu verhindern, verließ sie vor der Abstimmung den Nationalrat.[25]

Das Verbotsgesetz wird von Rosenkranz in den Teilen betreffend das Bestreiten und Verharmlosen des Holocausts (Holocaustleugnung) abgelehnt, weil es der „freien Meinungsäußerung“ widerspreche[22] und daher nicht mit der Verfassung im Einklang stehe.[26] Gefragt, ob sie selbst Zweifel an der Existenz von Gaskammern in den Konzentrationslagern in der Zeit des Nationalsozialismus habe, antwortete sie im ORF-Radio, sie habe das Wissen eines Österreichers, „der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war – das ist also mein Wissen von der Geschichte, und daran habe ich überhaupt keine Änderung vorzunehmen“.[11] Da diese Antwort als „ausweichend“ kritisiert wurde, stellte Rosenkranz gegenüber der „Presse“ fest, dass keine Zweifel daran bestehen könnten, dass in der NS-Zeit schwerste Verbrechen geschehen sind.[27]

Bundespräsidentenwahl 2010

Anlässlich der Bekanntgabe ihrer Kandidatur erklärte sie in einem ORF-Interview auf die Frage, ob sie sich in dem rechtsextremen Umfeld wohl fühle, in dem sie sich bewege, und wie sie zu ihrem Mann stehe, dass sie Freiheitliche sei, aus einem bürgerlichen Haushalt komme und sich in der Mitte sehe. Die Kreise, in denen sie sich bewege, seien nicht rechtsextrem. Außerdem sei ihr Ehemann ein unbescholtener Bürger und solle nicht „in einem falschen Licht“ dargestellt werden.[11]

Die Israelitische Kultusgemeinde Wien kritisierte Rosenkranz für ihre Haltung zum Verbotsgesetz. Ihre Forderung sei eine „Verhöhnung der 65.000 in der Schoah ermordeten österreichischen Juden“.[28] Ebenso bezeichnete der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, Rosenkranz als „nicht wählbar“.[29] Auch von Teilen der sie nominierenden FPÖ kam Ablehnung.[30][31] Internationale Beobachter wie die Neue Zürcher Zeitung bescheinigten ihr „rechtsradikale Ansichten“.[32]

Auf Grund der massiven Kritik und der Forderung von Krone-Herausgeber Hans Dichand unterschrieb Rosenkranz am 8. März 2010 im Rahmen einer Pressekonferenz eine eidesstattliche Erklärung, in der sie sich „aus Überzeugung von den Verbrechen des Nationalsozialismus und entschieden von dieser Ideologie“ distanzierte. Zu keinem Zeitpunkt habe sie die Grundwerte der Republik – und so auch das Verbotsgesetz als Symbol für die Abgrenzung vom Nationalsozialismus – infrage gestellt und werde es auch nicht infrage stellen.[33] Rechtlich hatte diese Erklärung allerdings keinerlei bindende Wirkung.[34] Rosenkranz selbst sprach von einer „bedauerlichen Aufregung“ und dass die „Österreicher selbst bestimmen“ würden, wer gewählt wird.[19] Zehn Tage nach der eideststattlichen Erklärung äußerte sich Rosenkranz „erstmals eindeutig zum Holocaust“: „Selbstverständlich hat es Gaskammern gegeben. Selbstverständlich hat es schreckliche Verbrechen gegeben. Kein vernünftiger Mensch stellt das in Frage.“

Ungebetene Unterstützung hatte Rosenkranz zuvor auch durch verschiedene rechtsextreme Gruppierungen und Personen gefunden.[35][36][37]

Auszeichnungen

Publikationen

Weblinks

 Commons: Barbara Rosenkranz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kurzbiografie von Barbara Rosenkranz PDF) auf den Seiten des niederösterreichischen Landtags
  2. Rosenkranz wird für FPÖ kandidieren
  3. FPÖ: Offizielle Bekanntgabe der Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl, 2. März 2010
  4. a b Profil: FPÖ: Ikone der Rechten, 5. November 2007
  5. Der Standard: Hausfrau im Kampf gegen Ausländer, 5. Februar 2008
  6. oesterreich.orf.at: FPÖ-Spitzenkandidatin Barbara Rosenkranz, 8. September 2006
  7. Printausgabe der Kronenzeitung vom 1. März 2010, S. 3.
  8. diepresse.com, 1. März 2010
  9. derstandard.at am 5. März 2010: Cato missbilligt Rozenkranz-Äußerungen
  10. Österreich: Amtsinhaber Fischer deklassiert Rechtspopulistin Rosenkranz. In: Spiegel Online, 25. April 2010. Abgerufen am 11. Juni 2011.
  11. a b c Ö1 Mittagsjournal: FP-Rosenkranz für Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes, 3. März 2010. Abgerufen am 4. März 2010.
  12. Ein Angebot aus dem rechten Eck, der Standard, 28. Februar 2010
  13. Die Welt: Zehnfache Mutter will Österreich führen, 2. März 2010
  14. Salzburger Nachrichten: Die Welt der Barbara Rosenkranz, 28. Februar 2010
  15. Die Presse: Barbara Rosenkranz: „Der Feminismus ist ein Irrweg“, 2. März 2010
  16. Barbara Rosenkranz: MenschInnen. Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen. Ares-Verlag, Graz 2008
  17. meinparlament.at: Fragen an Barbara Rosenkranz, 27. August 2008. (Seite nicht mehr erreichbar, 11. Juni 2011.)
  18. Zur Zeit: „Die Einbürgerungen stoppen!“, Februar 2008
  19. a b c Die Presse: Rosenkranz: „Über Identität des Landes diskutieren“, 2. März 2010
  20. meinparlament.at: Fragen an Barbara Rosenkranz, 26. September 2008. (Seite nicht mehr erreichbar, 11. Juni 2011.)
  21. FPÖ-NÖ: LR Rosenkranz: Grenzkontrollen sofort wiedereinführen, 26. November 2009
  22. a b Kleine Zeitung: Barbara Rosenkranz – Zehnfache Mutter will Hofburg bevölkern. 27. Februar 2010
  23. Humanrights.is: Scharsach and News Verlagsgesellschaft v. Austria 2003 - Final; abgerufen am 26. März 2011
  24. orf.at – Stellungnahme zu Fragen der ORF.at-Leser, 13. April 2010
  25. ots.at: Strache: Lex-Kampl ist reine Anlaßgesetzgebung und daher äußerst bedenklich =
  26. Vorarlberg online: Rosenkranz steht weiterhin zu umstrittenen Aussagen, 3. März 2010
  27. Martina Salomon: Rosenkranz: „Kein Zweifel“ an Gaskammern. In: Die Presse, 6. März 2010. Abgerufen am 11. Juni 2011.
  28. Kritik-Kultusgemeinde-gegen-Kellernazi-Rosenkranz
  29. Österreich: Schönborn gegen Rosenkranz. In: Radio Vaticana, 6. März 2010. Abgerufen am 11. Juni 2011.
  30. Website der Tiroler Tageszeitung: Hauser: Verbotsgesetz darf nicht in Frage gestellt werden
  31. ORF Vorarlberg: Vorarlberger FPÖ stimmt Rosenkranz nicht zu
  32. NZZ
  33. orf.at
  34. Der Standard: Die Nullnummer des Onkel Hans, 12. März 2010
  35. Der Standard, 4. März 2010
  36. „Rosenkranz ist eine nationale Sozialistin“ Der Standard, 19. März 2010
  37. Die Presse, 3. März 2010
  38. Parlamentskorrespondenz: Ehrenzeichen für verdiente Abgeordnete, 19. Juni 2007. Abgerufen am 4. März 2010.
  39. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952