Florian Klenk

Florian Klenk (r.) mit Armin Wolf bei einer Präsentation von Klenks Buch „Früher war hier das Ende der Welt“ – Reportagen (Wien 2011)

Florian Klenk (* 23. Juni 1973) ist ein österreichischer Jurist, Enthüllungsjournalist und Buchautor. Seit Anfang Juni 2012 ist er Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung Falter.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Klenk ist promovierter Jurist. Er studierte Rechtswissenschaft in Wien und den Niederlanden und strebte ursprünglich an Strafverteidiger zu werden. Seine Dissertation „Pressefreiheit und Unschuldsvermutung“ (2000) hatte die Rechtsprobleme der Kriminalberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Mediengesetzes zum Inhalt.

Während des Studiums war Klenk bei helping hands engagiert, einer im Bereich der Rechtsberatung zum Fremdenrecht tätigen NGO. Viele der Fälle betrafen in dieser Zeit, den Jahren des Bosnienkrieges, Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Daneben arbeitete er auch als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitung Kurier, wo er vorwiegend mit Gerichtsreportagen befasst war. Die Möglichkeit, auf diese Weise auf Vorgänge und Missstände hinweisen zu können und mitunter mehr bewegen zu können als in der Funktion des Rechtsberaters, führte dazu, dass er ganz zum Journalismus wechselte.

Er wurde freier Mitarbeiter und Redakteur der Wiener Wochenzeitung Falter. Von November 2005 an war er als Redakteur für Die Zeit in Hamburg tätig und kehrte im Mai 2007 als Politikchef und stellvertretender Chefredakteur zum Falter zurück. Seit August 2004 betreibt er „Klenks Watchblog“. An der FHWien unterrichtet er am Institut für Journalismus & Medienmanagement Recherche[1]. Im Sommersemester 2010 hatte Klenk die Theodor Herzl-Dozentur für „Poetik des Journalismus“ an der Universität Wien inne.

Bekannt ist Klenk als investigativer Journalist, u. a. in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Menschenhandel oder Missstände im Justiz- und Polizeiapparat. Seine Recherchen über Wiener Frauenhändler waren Grundlage für Elfriede Jelineks Stück „Über Tiere“. Besondere mediale Aufmerksamkeit fanden Klenks Recherchen zum Fall des im Juli 2003 bei einem Polizeieinsatz in Wien ums Leben gekommenen Exil-Mauretaniers Seibane Wague und des erstickten Schubhäftlings Marcus Omofuma. Er deckte auch menschenunwürdige Haftbedingungen in österreichischen Gefängnissen auf, etwa in Krems Stein. Bei der Zeit dokumentierte er Missstände sowie die Verwicklungen deutscher Behörden in das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base.

2005 kritisierten einige Anti-Rassismus-Initiativen[2] und die Zeitschrift malmoe[3] Klenk wegen einer Reportage[4] über Drogenkriminalität. Sie warfen ihm vor, er habe in seiner Argumentation zum Teil Stereotype verwendet, die auch von Rassisten verwendet werden. Klenk und die Chefredaktion des Falter wiesen diese Vorwürfe zurück. Auch die Zeitschrift der Initiative Minderheiten verteidigte den Journalisten gegenüber der Art der Angriffe.[5]

Im Herbst 2007 war Klenk an der Aufdeckung der Amtsmissbrauchaffären in der Wiener Polizei im Zusammenhang mit dem Verein der Freunde der Wiener Polizei beteiligt. Im August 2009 veröffentlichte er vertrauliche Akten aus der Weisungsabteilung des Bundesministeriums für Justiz, die den Verdacht politischer Einflussnahmen in sensiblen Strafverfahren gegen Politiker, Richter und Polizisten nahelegten. Die Enthüllungen lösten eine breite Debatte über das Weisungsrecht des Justizministers aus. Kurz nach Erscheinen der Artikelserie wurde Klenks Weblog vom Justizministerium kurzzeitig blockiert, sodass die Mitarbeiter im Ministerium keinen Zugriff mehr darauf hatten. Klenk warf dem Ministerium Zensur vor. Die Justizministerin wies die Vorwürfe zurück und berief sich auf einen automatisch, anhand von Stichworten arbeitenden Filter.[6]

In der Spenden- und Spesenaffäre des ehemaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser enthüllte er immer wieder verschiedene Vorgänge und Machenschaften. Im Dezember 2010 publizierte er Auszüge aus ihm zugespielten Telefonüberwachungsprotokollen von Gesprächen Grassers mit mehreren Beratern und Geschäftspartner[7]. Die Kabarettisten Florian Scheuba, Robert Palfrader und Thomas Maurer inszenierten mit den Protokollen unter Klenks Regie eine Lesung im Audimax der Universität Wien, die von Hans Rauscher als „neuer österreichischer Nationalepos“ bezeichnet wurden.

Im März 2011 erschien Florian Klenks erstes Buch, „Früher war hier das Ende der Welt“, mit 16 zuvor bereits zum Teil im Falter publizierten Reportagen.

Auszeichnungen

Werke

  • Dissertation: Pressefreiheit und Unschuldsvermutung – Rechtsprobleme der Kriminalberichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Mediengesetzes (2000)
  • Florian Klenk: „Früher war hier das Ende der Welt“ – Reportagen. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2011. ISBN 978-3-552-05528-5.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. FHWien: Lehrende am Institut für Journalismus & Medienmanagement
  2. no-racism.net: Rassismus in der Wiener Stadtzeitung Falter, 9. Februar 2005
  3. malmoe: Der Falter und die Wut, 11. Februar 2005
  4. Falter (3/2005): Im verlorenen Paradies, 19. Jänner 2005
  5. Initiative Minderheiten - Stimme von und für Minderheiten, Nr. 54/Frühjahr 2005: "Affäre Klenk" und der Antirassismus
  6. heise online: Österreichs Justizministerium blockiert Website eines kritischen Journalisten, 18. August 2009
  7. Falter (51/2010): „Ich hob mitkassiert, oder?“, 22. Dezember 2010
  8. Österreichischer Journalisten Club: Claus-Gatterer-Preis 2002
  9. Kurt-Vorhofer-Preis 2005
  10. ORF: Florian Klenk ist Journalist des Jahres, 19. Dezember 2005
  11. Internationaler Journalistenpreis "Writing for CEE" geht an Österreicher Florian Klenk, 18. November 2009