Liste der Bundespräsidenten der Republik Österreich

Der seit 2004 amtierende österreichische Bundespräsident Heinz Fischer mit seiner Frau Margit
Präsidentschaftskanzlei im Leopoldinischen Trakt der Hofburg

Die Liste der Bundespräsidenten Österreichs zeigt alle zehn Präsidenten (Bundespräsidenten und ein Staatsratspräsident) der Republik Österreich.

Seit 2004 ist der langjährige Erste und Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer Bundespräsident. Seine Wiederwahl fand im April 2010 statt.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Staatsoberhaupt der Ersten und der Zweiten Republik waren die Bundespräsidenten sowie der Präsidenten der Nationalversammlung und des Staatsrates, Karl Seitz, der seit 5. März 1919 als Staatsoberhaupt fungierte und vom 10. November bis zum 9. Dezember 1920 die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten führte.

Vom 30. Oktober 1918 bis zum 5. März 1919 hatten die drei Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung Deutschösterreichs, Seitz, Dinghofer und Johann Nepomuk Hauser, gemeinsam als Staatsspitze fungiert; der von ihnen präsidierte Staatsrat übernahm mit Gesetz vom 12. November 1918 auch formal alle Funktionen, die zuvor dem Kaiser zugestanden waren. Die Provisorische Nationalversammlung legte nach Jahresbeginn 1919 fest, dass als Staatsoberhaupt nach Wahl und Konstituierung der Konstituierenden Nationalversammlung deren Präsident allein fungiert.

Seitz kamen daher als am 5. März 1919 gewähltem Vorsitzenden der Konstituierenden Nationalversammlung und des deutschösterreichischen Staatsrates die Rechte des Staatsoberhauptes zu, nach Inkrafttreten des am 1. Oktober 1920 beschlossenen Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG) am 10. November 1920 noch bis zur Wahl Michael Hainischs zum Bundespräsidenten. Seitz war somit als Einzelperson das erste Staatsoberhaupt der Ersten Republik, trug jedoch nicht die Funktionsbezeichnung Bundespräsident.

Die ersten drei Bundespräsidenten, Hainisch, Miklas und Renner, wurden gemäß B-VG 1920 von der österreichischen Bundesversammlung gewählt. Mit der Novelle des Bundes-Verfassungsgesetzes im Jahr 1929 wurde in Artikel 60 B-VG[1] die Amtszeit des Bundespräsidenten von vier auf sechs Jahre verlängert und die Direktwahl durch das Bundesvolk eingeführt. Diese Bestimmung wurde jedoch bis zur Wahl Körners 1951 sistiert, sodass noch zwei Bundespräsidenten mit den 1929 erweiterten Kompetenzen, jedoch ohne Volkswahl im Amt waren. Die Amtszeit Miklas' wurde im diktatorischen Ständestaat, dessen Einführung er toleriert hatte, 1934 undemokratisch verlängert.

Seit 1951 wird der Bundespräsident nach Artikel 60 B-VG vom Bundesvolk gewählt. Treten zur Wahl mehr als zwei Kandidaten an, ergibt sich in der Regel ein zweiter Wahlgang für die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen, da zur Wahl mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen benötigt werden. Der Bundespräsident kann nach sechs Jahren Amtsdauer einmal wiedergewählt werden.

Bundespräsidenten

Folgende elf Personen waren von der Nationalversammlung, seit 1920 von der Bundesversammlung, seit 1951 vom Bundesvolk gewählte Staatsoberhäupter.

  • Nr.: chronologische Reihenfolge
  • Bundespräsident: Name[2]
  • Lebensdaten: Geburts- und Sterbedatum[2]
  • Partei: Die Partei, der der Präsident angehört (hat).
  • Periode: Anzahl der Perioden, die der Präsident im Amt war (maximal zwei Amtsperioden).
  • Amtszeit: Die jeweilige Amtsperiode.[3]
  • %: Prozentsatz der gültigen Stimmen für die Person (ggf. im zweiten Wahlgang).[3]
  • Wahlgang: Anzahl der Wahlgänge bis zur Entscheidung (maximal zwei).[3]
  • Im Amt verstorben: Ja, wenn der Präsident während seiner Amtszeit verstorben ist.
Nr. Bundespräsident Lebensdaten Partei Periode Amtszeit[3]  %[3] Wahlgang[3] Im Amt
verstorben
Erste Republik (1918–1938)
1 Karl Seitz [Anm. 1] * 4. September 1869 in Wien
† 3. Februar 1950 in Wien
SDAPÖ 1. 5. März 1919 –
9. Dezember 1920 [Anm. 2]
Nein
Karl Seitz absolvierte nach der Schule die Lehrerbildungsanstalt in St. Pölten. Nachdem er 1897 aus dem Schuldienst entlassen wurde, war er im Bildungsbereich der SDAPÖ tätig. Er kandidierte 1901 erstmals für die SDAPÖ und wurde in das Abgeordnetenhaus des Reichsrates als erster sozialdemokratischer Abgeordneter der 4. Kurie gewählt. Ein Jahr später zog er auch in den Niederösterreichischen Landtag ein. Zwischen 1920 und 1934 war er Vorsitzender der SDAPÖ. Der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich stand er als einer der drei Präsidenten und Vorsitzender des Staatsrates vor und als Präsident der Konstituierenden Nationalversammlung war er bis zur Wahl Hainischs Staatsoberhaupt. Zwischen 1923 und 1934 war Seitz Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. 1934, zur Zeit des Ständestaates, sowie 1944/45 war er in Haft und zur Zeit des Zweiten Weltkrieges musste er in ein Konzentrationslager. 1945 kehrte er nach Wien zurück.
2 Michael Hainisch * 15. August 1858 in Aue bei Schottwien
† 26. Februar 1940 in Wien
parteilos 1. 9. Dezember 1920 –
9. Dezember 1924 [Anm. 3]
Nein
2. 9. Dezember 1924 –
10. Dezember 1928 [Anm. 3]
Der parteilose Michael Hainisch folgte Karl Seitz 1920 als Staatsoberhaupt nach und war der erste offizielle Bundespräsident. Nach seiner juristischen Ausbildung in Leipzig und Wien absolvierte er seine Gerichtspraxis und verbrachte einige Jahre im Staatsdienst. Danach war er als Volksbildner tätig und ein Mitbegründer der Wiener Zentralbibliothek. Er war aufgrund seiner Amtsführung bei allen politischen Lagern anerkannt und war ein Förderer der Landwirtschaft, der Elektrifizierung der Eisenbahnen, des Fremdenverkehrs, des österreichisch-deutschen Handels, des ländlichen Brauchtums und der Schaffung eines Denkmalschutzgesetzes. 1938 sprach er sich für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich aus.
3 Wilhelm Miklas * 15. Oktober 1872 in Krems
† 20. März 1956 in Wien
CS/VF 1. 10. Dezember 1928 –
10. Dezember 1934 [Anm. 3]
Nein
2. 10. Dezember 1934 –
13. März 1938 [Anm. 3]
Nach seinem Studium an der Universität Wien war er Hilfslehrer an verschiedenen Gymnasien der Monarchie. Danach startete seine politische Karriere 1907 mit der Funktion des Reichsratsabgeordneten. 1908 war er Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag. Zwischen 1918 und 1920 war er sowohl Mitglied der Provisorischen als auch der Konstituierenden Nationalversammlung. Zwischen 1923 und 1928 war Miklas dann Präsident des Nationalrates. Danach, am 10. Dezember 1928, wurde er von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten Österreichs gewählt. Er war der erste und bisher einzige Bundespräsident, in dessen Amtszeit der Nationalrat von der Bundesregierung lahmgelegt wurde. Durch seine Passivität als Präsident ermöglichte es Miklas Engelbert Dollfuß, den austrofaschistischen Ständestaat zu errichten und die autoritäre Maiverfassung zu proklamieren. Miklas wurde von Dollfuß im Amt belassen. Postum entdeckte Notizen Miklas' zeigten seine Abneigung Dollfuß gegenüber allerdings deutlich. Im Zuge des „Anschlusses“ trat er am 13. März 1938 auf Druck der Nationalsozialisten zurück, da er das Anschlussgesetz nicht unterzeichnen wollte.
Zweite Republik (seit 1945)
4 Karl Renner * 14. Dezember 1870 in Untertannowitz, Mähren
† 31. Dezember 1950 in Wien
SPÖ 1. 20. Dezember 1945 –
31. Dezember 1950 [Anm. 3]
Ja 
Karl Renner war einer der einflussreichsten Politiker Österreichs. Der ausgebildete Jurist war nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1920 als Staatskanzler maßgeblich am Entstehen der Ersten Republik beteiligt. Er leitete auch die österreichische Delegation bei den Verhandlungen in Saint-Germain und war von 1931 bis 1933 Präsident des österreichischen Nationalrates. Sein Rücktritt löste eine Geschäftsordnungskrise aus, die die Bundesregierung Dollfuß nutzte, um das Parlament auszuschalten. So wie zahlreiche andere Sozialdemokraten wurde er 1934 vorübergehend inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er wiederum Kanzler der provisorischen Staatsregierung. Am 20. Dezember 1945 wählte ihn die Bundesversammlung einstimmig zum ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik. Er bekleidete das Amt bis zu seinem Tod am 31. Dezember 1950.
5 Theodor Körner * 24. April 1873 in Új Szőny, Komorn
† 4. Jänner 1957 in Wien
SPÖ 1. 21. Juni 1951 –
4. Jänner 1957
52,1 %
39,2 %
2
1
Ja 
Nach dem Besuch der Technischen Militärakademie in Wien konnte sich Körner für die Ausbildung zum Generalstab qualifizieren. Nach seiner Tätigkeit im Ersten Weltkrieg war er maßgeblich am Aufbau des österreichischen Bundesheeres beteiligt, 1924 wurde er pensioniert und zum General befördert. Im selben Jahr trat er in die SPÖ ein und startete seine politische Karriere. Körner war auch Mitglied der Zentralleitung des Republikanischen Schutzbundes. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er am 17. April 1945 Bürgermeister von Wien und 1950 wurde er von den Sozialdemokraten für die erste Volkswahl des Bundespräsidenten 1951 nominiert, die er im zweiten Wahlgang gewann.
6 Adolf Schärf * 20. April 1890 in Nikolsburg, Südmähren
† 28. Februar 1965 in Wien
SPÖ 1. 22. Mai 1957 –
22. Mai 1963
51,1 % 1 Ja 
2. 22. Mai 1963 –
28. Februar 1965
55,4 % 1
Nach dem Ersten Weltkrieg war Adolf Schärf Sekretär der sozialdemokratischen Parlamentspräsidenten Seitz, Eldersch und Renner sowie des sozialdemokratischen Abgeordnetenklubs und 1933/34 war er Mitglied des Bundesrates. Nach der Errichtung der Ständestaatsdiktatur durch Engelbert Dollfuß 1934 legte der promovierte Doktor der Rechtswissenschaften die Rechtsanwaltsprüfung ab, um als Anwalt arbeiten zu können, was er während des Zweiten Weltkrieges auch tat. Als Mitglied der Widerstandsgruppe O5 war er 1944, wie auch 1934 und 1938, kurzzeitig in politischer Haft. Nach dem Krieg wurde er wie Leopold Figl und Johann Koplenig politischer Staatssekretär der Provisorischen Staatsregierung unter Karl Renner. Nach den ersten Nationalratswahlen im November 1945 war Schärf bis 1957 SPÖ-Parteivorsitzender, Vizekanzler der Koalitionsregierungen von ÖVP und SPÖ und Abgeordneter zum Nationalrat. Nach den Bundespräsidentenwahlen 1957 wurde Schärf dritter Bundespräsident der Zweiten Republik. 1963 wurde er als erster Präsident wiedergewählt.
7 Franz Jonas * 4. Oktober 1899 in Wien
† 24. April 1974 in Wien
SPÖ 1. 9. Juni 1965 –
9. Juni 1971
50,7 % 1 Ja 
2. 9. Juni 1971 –
24. April 1974
52,8 % 1
Franz Jonas war gelernter Schriftsetzer. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre fungierte er als Sekretär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nach der Ausschaltung des Parlaments 1933 und dem Verbot der Sozialdemokratie durch Dollfuß wurde Jonas arbeitslos. Zeitweise arbeitete er als Zeitungssetzer. Nachdem er 1945 an der Gründung der SPÖ teilnahm, war er von 1948 bis 1949 Stadtrat für Ernährungswesen in Wien. Danach war Jonas bis 1951 Stadtrat für Bauwesen und nach der Wahl von Bürgermeister Theodor Körner zum Bundespräsidenten war er 1951–1965 Bürgermeister von Wien. Zugleich war er Präsident des Österreichischen Städtebundes. Franz Jonas war von 1952 bis 1953 auch Mitglied des Bundesrates und danach bis 1965 auch Abgeordneter zum Nationalrat. Nach dem Tod Adolf Schärfs trat er für die SPÖ bei den Bundespräsidentenwahlen 1965 an. Nach seiner ersten Amtsperiode wurde er 1971 wiedergewählt.
8 Rudolf Kirchschläger * 20. März 1915 in Niederkappel
† 30. März 2000 in Wien
parteilos 1. 8. Juli 1974 –
8. Juli 1980
51,7 % 1 Nein
2. 8. Juli 1980 –
8. Juli 1986
79,9 % 1
Rudolf Kirchschläger begann nach seiner Matura 1935 das Studium der Rechtswissenschaften, das er 1940 abschloss. Jedoch musste er nach dem Anschluss Österreichs 1938 das Studium kurzfristig abbrechen. Während eines zweimonatigen Fronturlaubes bereitete er sich auf sein Staatsexamen vor und erhielt sein Rigorosum mit Auszeichnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst Lehroffizier an der Theresianischen Militärakademie. Zwischen 1947 und 1954 war er Richter am Bezirksgericht Langenlois, danach arbeitete er als Rechtsexperte im Außenministerium. 1954 war er Landesgerichtsrat am Bezirksgericht Wien-Innere Stadt. 1963 war er Kabinettchef bei den Außenministern Bruno Kreisky und Lujo Tončić-Sorinj, danach war er von 1967 an österreichischer Gesandter in Prag bis zu seiner 1970 erfolgten Berufung als Parteiloser zum Außenminister der Bundesregierung Kreisky I. Nach dem Tod von Franz Jonas wurde er von der SPÖ unter Bruno Kreisky als Parteiloser für die Bundespräsidentenwahlen 1974 nominiert, die er gewann. 1980 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
9 Kurt Waldheim * 21. Dezember 1918 in St. Andrä-Wördern
† 14. Juni 2007 in Wien
ÖVP 1. 8. Juli 1986 –
8. Juli 1992
53,9 %
49,6 %
2
1
Nein
Der promovierte Doktor der Rechtswissenschaften arbeitete nach dem Krieg als Sekretär von Außenminister Karl Gruber, danach war er als Diplomat in Paris von 1948 bis 1951, in Toronto von 1956 bis 1960 und Botschafter in New York von 1964 bis 1968 sowie 1970 bis 1971 tätig. Von 1968 bis 1970 war er österreichischer Außenminister. 1971 kandidierte er für die ÖVP bei den Bundespräsidentenwahlen, doch der SPÖ-Kandidat Jonas konnte die Wahl für sich entscheiden. Zuvor arbeitete Waldheim als ständiger österreichischer UN-Beobachter von 1955 bis 1956. Von 1964 bis 1968 und von 1970 bis 1971 war er ständiger österreichischer Vertreter bei den Vereinten Nationen. Nach der Wahlniederlage bei den Bundespräsidentenwahlen 1971 wurde er im selben Jahr zum UN-Generalsekretär gewählt und übte dieses Amt zwei Amtsperioden bis 1981 aus. Nach seiner Gastprofessur an der Georgetown University in Washington D. C. bis 1983 kandidierte er 1986 für die ÖVP neuerlich bei den Bundespräsidentenwahlen und setzte er sich im zweiten Wahlgang gegen Kurt Steyrer (SPÖ) durch. Die Wahlen wurden durch die sogenannte Waldheim-Affäre überschattet; sie führte dazu, dass Bundespräsident Waldheim in den Vereinigten Staaten unwillkommen war. Sie nahmen ihm übel, dass er bei seiner Bewerbung bei der UNO seinen Lebenslauf geschönt hatte, was seine Tätigkeiten in der NS-Wehrmacht betraf.
10 Thomas Klestil * 4. November 1932 in Wien
† 6. Juli 2004 in Wien
ÖVP 1. 8. Juli 1992 –
8. Juli 1998
56,9 %
37,2 %
2
1
Ja 
2. [Anm. 4] 8. Juli 1998 –
6. Juli 2004
63,4 % 1
Nach der Matura studierte Thomas Klestil an der Hochschule für Welthandel und schloss er sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Handelswissenschaften 1957 ab. Danach startete er seine Diplomatenlaufbahn im Bundeskanzleramt in der Sektion, die die Außenbeziehungen Österreichs wahrnahm. Von 1959 bis 1962 war er Mitglied der österreichischen Delegation bei der OECD in Paris. 1962 wurde er an die österreichische Botschaft in Washington versetzt. 1966 wurde er Sekretär bei Bundeskanzler Josef Klaus. Später wurde Klestil UNO-Botschafter Österreichs in New York. 1989 kehrte er nach Österreich zurück und wurde unter Alois Mock Generalsekretär des Außenministeriums. Bei den Bundespräsidentenwahlen 1992 kandidierte er für die ÖVP und konnte sich im zweiten Wahlgang gegen den SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher durchsetzen. In seine zweite Amtszeit nach den Wahlen 1998, bei denen auch SPÖ und FPÖ seine Wahl empfahlen, fiel das Novum, dass sich 2002 mit der ÖVP-FPÖ-Regierung erstmals eine Regierung bildete, die vom Bundespräsidenten nicht gewünscht war, aber die Mehrheit des Nationalrats hinter sich hatte. Bekannt wurde Klestils steinerne Miene bei der Angelobung dieser Regierung, die zum Bruch mit seiner Partei führte. Am 5. Juli 2004 erlitt Klestil zwei Herzinfarkte, an deren Folgen er einen Tag später, also zwei Tage vor Ende seiner zweiten Amtsperiode, starb.
11 Heinz Fischer * 9. Oktober 1938 in Graz SPÖ[Anm. 5] 1. 8. Juli 2004 –
8. Juli 2010
52,39 % 1 -
2. 8. Juli 2010 –
dato
79,33 % 1
Der in Graz geborene Heinz Fischer wuchs in Wien auf, wo er seine Schullaufbahn absolvierte. Nach der Matura 1956 studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und 1961 promovierte er. Nach seinem Studium war Fischer als Klubsekretär der SPÖ tätig, 1971 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er, mit einer dreijährigen Unterbrechung, bis 2004 angehörte. Neben seiner politischen Tätigkeit in der SPÖ wurde er 1978 habilitiert und 1993 zum Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck berufen. 1975 wurde er Klubobmann der SPÖ, 1977 stellvertretender Parteivorsitzender. Zwischen 1983 und 1987 war er Wissenschaftsminister in der Bundesregierung unter Fred Sinowatz, danach war er wieder Klubobmann der SPÖ. 1990 wurde Fischer zum Präsidenten des Österreichischen Nationalrates gewählt und übte dieses Amt bis 2002 aus. Von 1992 bis 2004 war Fischer stellvertretender Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Europas. Von 2002 bis 2004 war er Zweiter Nationalratspräsident. Bei den Bundespräsidentenwahlen 2004 setzte sich Fischer gegen die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner durch. Mit Amtsantritt am 8. Juli 2004 stellte Fischer seine Parteimitgliedschaft bei der SPÖ ruhend, da er erklärte, als Bundespräsident über den Parteien stehen zu wollen.

Heinz Fischer Thomas Klestil Kurt Waldheim Rudolf Kirchschläger Franz Jonas Adolf Schärf Theodor Körner (Bundespräsident) Karl Renner Wilhelm Miklas Michael Hainisch Karl Seitz


Fußnoten:

  1. Seitz war als Einzelperson das erste republikanische Staatsoberhaupt Österreichs, führte aber nicht die Bezeichnung Bundespräsident.
  2. Wurde von der Nationalversammlung zu ihrem Präsidenten und damit zum Staatsoberhaupt gewählt.
  3. a b c d e Wurde von der Bundesversammlung gewählt.
  4. Bei der Wahl 1998 wurde Klestil von ÖVP, SPÖ und FPÖ unterstützt.
  5. Fischer stellt seine SPÖ-Mitgliedschaft während der Zeit als Präsident ruhend.

Interimistische Funktionsausübung

Bis 1977 übte gemäß der damals gültigen Fassung des Artikels 64 B-VG[4] der Bundeskanzler nach dem Tod oder der Amtsunfähigkeit des jeweiligen Bundespräsidenten interimistisch dessen Funktionen bis zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes aus. Seit der Änderung des Art. 64 Abs. 1 im Jahr 1977[5] gehen die Amtsgeschäfte des Bundespräsidenten bei dauernder Erledigung des Amtes bis zur Angelobung eines neugewählten Bundespräsidenten auf das Kollegium der drei Nationalratspräsidenten über.

  • Nr.: Chronologische Reihenfolge
  • Name: Die Funktion ausübende Person/en
  • Partei: Partei(en), der (denen) die Person(en) angehört hat (haben)
  • Amtszeit: Dauer der interimistischen Amtsausübung
  • BP: Zuvor verstorbener Bundespräsident
Nr. Name Partei Interimistische Amtszeit BP
1 Leopold Figl ÖVP 31. Dezember 1950 –
21. Juni 1951
Karl Renner 
2 Julius Raab ÖVP 4. Jänner 1957 –
22. Mai 1957
Theodor Körner 
3 Josef Klaus ÖVP 28. Februar 1965 –
9. Juni 1965
Adolf Schärf 
4 Bruno Kreisky SPÖ 24. April 1974 –
8. Juli 1974
Franz Jonas 
5 Andreas Khol
Barbara Prammer
Thomas Prinzhorn
ÖVP
SPÖ
FPÖ
6. Juli 2004 –
8. Juli 2004
Thomas Klestil 

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Artikel 60 B-VG
  2. a b Biografische Details stammen von der Website des Parlament bzw. aus den Wikipedia-Stichwörtern über den Betreffenden (siehe Weblinks).
  3. a b c d e f Wahlergebnisse auf der Homepage des BMI
  4. Ehemals gültige Fassung des Artikels 64 B-VG
  5. Aktuell gültige Fassung des Artikels 64 B-VG

Weblinks

Diese Seite wurde als informative Liste oder Portal ausgezeichnet.
Diese Seite wurde in die Auswahl der informativen Listen und Portale aufgenommen.