Schloss Schönleiten

Schloss Schönleiten von 1888 (Zeichnung von Pater Ilge)
Schloss Schönleiten: Rest des ursprünglichen Schlosses
Schloss Schönleiten: Rollwerkkartusche auf dem alten Schloss

Das Schloss Schönleiten, auch Heilmayergut genannt, war ein Gutshof im Ortsteil Liefering von Salzburg und ist heute ein Missionshaus und Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In den Jahren 1645, 1647 und 1650 kaufte der Salzburger Advokat Andreas Weikh und seine Frau Maria Wiserin drei aneinander liegende Bauernanwesen (Surheimergut, Esterergut und Schintlergütl) in Liefering; dazu gehörten auch noch Waldungen am Walserberg und am Krüzersberg (das ist ein Waldstück am Fuße des Untersbergs zwischen Glanegg und Fürstenbrunn). Am 14. April 1655 erstanden die Salzburger Domherren Johann Dietrich und Karl Ferdinand, Grafen von Muggental, diesen Besitz, ließen die alten Gebäude niederreißen und errichteten einen Schlossbau mit einer etwa 2 m hohen Mauer und je einem Bogentor nach der Stadt- und der Dorfseite. Die zum Schloss gehörende Landwirtschaft wurde einem Meier zur Bewirtschaftung übergeben. Ein Vogelherd gehörte dazu, auf dem u.a. Krammetsvögel gefangen wurden. Die Domherren vertraten den Bischof auf Reichstagen, zudem sammelten sie eine Reihe weiterer Pfründen, die ihnen großzügige Einkünfte garantierten.

Johann Dietrich starb 1678, an ihn erinnert noch eine Rollwerkkartusche (Aufschrift: „Johann Dieterich Graf von Muggenthall, Herr zu Waal, des Hochlöbl. Ertzstifft Saltzburg Thumbherr und Scholasticus Ihr. Rom. Kayserl. May. Rath Anno 1655“) mit zwei Cherubsköpfen auf dem Turm des Gebäudes. Sein Bruder Karl Ferdinand verkaufte im folgenden Jahr den Besitz an die Salzburger Landschaft und von dieser ging es an den Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg. Im Zuge eines Dreiecksgeschäfts wurde das Johannesschlössl vom Domkapitel an den Erzbischof abgetreten und das Schloss Schönleiten gelangte in den Besitz des Domkapitels. Die Nutznießung des Schlösschens war dem jeweiligen Domdechanten eingeräumt. Unter diesen befanden sich bedeutsame Persönlichkeiten, so etwa Wolfgang Hannibal Graf Schrattenbach (1699–1711), Leopold Anton E. Freiherr von Firmian (1713–1718), Siegmund Felix Graf Schrattenbach (1718–1728), Andreas Jakob Graf Dietrichstein (1729–1730), Leopold Ernst von Firmian (1733–1739) oder Franz Karl Eusebius von Waldburg-Friedberg und Trauchburg (1739–1746). Die vier Ecktürme des Schlosses wurden 1752 wegen Schadhaftigkeit entfernt.

Nach 1767 kam das Schlösschen in weltliche Hände. Zuerst kaufte der hochfürstliche Hofrat und Bibliothecarius Johann Franz Thaddäus von Kleimayern das Schloss. 1806 verkauften die Kleymeirerschen Erben das Gut an die Eheleute Kajetan und Magdalena Heilmayer, Besitzer der Heilmayerschen Mühle in Mülln. Mitte des 19. Jahrhunderts diente das Schlösschen einem spanischen Prinzen als Exil.

Missionshaus der Herz-Jesu-Missionare (MSC) und Privatgymnasium

Schloss Schönleiten: Neuer Eingang zur Schule
Schloss Schönleiten: Rückseite des ehemaligen Schlosses
Schloss Schönleiten: Eingang zur neuen Kirche

Die Herz-Jesu-Patres Peter Barral (ein Franzose) und Johannes Ilge (ein Rheinländer) erwarben 1888 das Gut als erstes Haus des Missionsordens der „Genossenschaft der Missionare vom Allerheiligsten Herzen Jesu“ und wandelten es in ein Kloster um. Am 20. Mai 1888 feierte man die erste Messe in der Hauskapelle; weshalb dieser Tag als Gründungstag des Missionshauses in Liefering gilt. 1895 wurde eine im Renaissancestil gehaltene Klosterkirche erbaut und 1909 mit einer Orgel ausgestattet. 1904 erfolgte der Schulbau und 1914 die Eröffnung des Internats als Nachwuchsschule des Ordens, 1929 noch ein weiterer Bau (Lyceum). Die Patres wurden noch lange Zeit als „Heilmayerherrn“ und die Schüler als „Heilmayerbuam“ bezeichnet.

1938 schlossen die Nationalsozialisten die Schule. Ein Teil der Gebäude wurden mit Betonmauern und Betondecken verstärkt, das Gebäude mit einem Tarnanstrich versehen und Reste der alten Schlossmauer zugunsten einer Remise und eines Pferdestalls abgerissen. Auf einem Teil des Geländes und weiteren Grundstücken wurde ein Barackenlager für Flüchtlinge aus der Ukraine errichtet, auch im Schulgebäude wurden Ukrainer untergebracht. Aufgrund eines Namensirrtums der Amerikaner wurde nach dem Krieg dieses Lager unter dem Namen „Lager Lexenfeld“ für Flüchtlinge weiter verwendet.

Ab 1946 wurde das Gymnasium, das 1956 das Öffentlichkeitsrecht erhielt, wieder eröffnet und 1950 das Schulgebäude wieder bezogen. Die Baracken des „Lagers Lexenfeld“ wurden abgerissen und der Platz dient seitdem als Sportplatz. Im Schulgebäude wurden die Luftschutzdecken wieder entfernt. An der Stelle der Remise und des Pferdestalls errichtete man 1955/56 einen Internatsbau. 1995/96 wurde das alte Domhernnschlössl zu einem Mutterhaus für alle Herz-Jesu-Missionare umgebaut, auch für solche, die aus Altersgründen aus der Mission zurückkehren. Die Eingangspforte der Schule wurde 1972 von der Schönleitenstraße in Richtung Gartenfront verlegt.

1972/73 wurde in Verkennung der zukünftigen Entwicklung ein weiterer Internatsbau errichtet; der Internatsbetrieb wurde aus Mangel an Nachfrage zwischenzeitlich eingestellt. Bereits in den 1960er Jahren verzichtete man auf die Bedingung, dass alle Schüler einmal als Herz-Jesu-Missionare tätig würden. Auch auf das Prinzip der Selbstversorgung aus der klostereigenen Landwirtschaft wurde aus Mangel an Klostermitgliedern verzichtet und die von den Klosterbrüdern betriebenen Werkstätten wurden aufgegeben. Hingegen errichtete man für MC-Schwestern Unterkünfte und Fremdenzimmer. Im Kloster befindet sich das „Bondeko“ (Akronym aus der Lingála-Sprache für „Bund, Geschwisterlichkeit, Freundschaft“), eine österreichweite Verbindungsstelle mit der Dritten Welt.

Die ursprüngliche Klosterkirche von 1895 wurde 1967 niedergerissen zugunsten eines modernen und im Kircheninneren sehr düsteren Betonkirchenbaus der Salzburger Architektin Ingeborg Kromp-Schmidt, der nach sechsmonatiger Bauzeit am 1. April 1967 durch Erzbischof Andreas Rohracher eingeweiht wurde.

Literatur

  • Rudolf Besel, MSC: Der Hof Schönleiten. In: Kuratorium der Peter-Pfenninger-Schenkung Liefering (Hrsg.), Liefering. Das Dorf in der Stadt (S. 298–301). Salzburg 1997: Peter-Pfenninger-Schenkung.
  • Gustav Clemen, MSC: Das Missionshaus der Herz-Jesu-Missionare mit Privatgymnasium. In: Kuratorium der Peter-Pfenninger-Schenkung Liefering (Hrsg.), Liefering. Das Dorf in der Stadt (S. 470–301). Salzburg 1997: Peter-Pfenninger-Schenkung.

Weblinks

 Commons: Schloss Schönleiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.81627413.012956Koordinaten: 47° 48′ 58,6″ N, 13° 0′ 46,6″ O