Tragöß

Tragöß
Wappen von Tragöß
Tragöß (Österreich)
Tragöß
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Bruck an der Mur
Kfz-Kennzeichen: BM
Hauptort: Oberort
Fläche: 110,21 km²
Koordinaten: 47° 30′ N, 15° 4′ O47.515.066666666667793Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 15° 4′ 0″ O
Höhe: 793 m ü. A.
Einwohner: 1.005 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 9,12 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8612
Vorwahl: 0 38 68
Gemeindekennziffer: 6 02 20
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Pichl-Großdorf 41
8612 Tragöß
Website: www.tragoess.at
Politik
Bürgermeister: Rudolf Treutler (GfT „Gemeinsam für Tragöß“)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
7
5
2
1
Von 15 Sitzen entfallen auf:
  • GfT Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel: 7
  • ÖVP: 5
  • SPÖ: 2
  • FPÖ: 1
Lage der Gemeinde Tragöß im Bezirk Bruck an der Mur
Aflenz Kurort Aflenz Land Breitenau am Hochlantsch Bruck an der Mur Etmißl Frauenberg Gußwerk Halltal Kapfenberg Mariazell Oberaich Parschlug Pernegg an der Mur Sankt Ilgen Sankt Katharein an der Laming Sankt Lorenzen im Mürztal Sankt Marein im Mürztal Sankt Sebastian Thörl Tragöß Turnau SteiermarkLage der Gemeinde Tragöß im Bezirk Bruck an der Mur (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Tragöß Oberort am Fuß der Meßnerin (unterhalb des Gipfels sichelförmig nach links gewandt die Abrisskante des prähistorischen Bergsturzes)
Tragöß Oberort am Fuß der Meßnerin (unterhalb des Gipfels sichelförmig nach links gewandt die Abrisskante des prähistorischen Bergsturzes)
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Tragöß ist eine Gemeinde mit 1005 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Nordwesten von Bruck an der Mur in der Steiermark (Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Bruck an der Mur).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Tragöß liegt im Tal der Laming, die bei Bruck an der Mur in die Mürz mündet. Bruck an der Mur ist 24 Straßenkilometer entfernt. Tragöß-Oberort liegt am Talschluss; die umgebenden Berge Trenchtling (2081 m ü. A.), Pribitz (1579 m ü. A.) und Meßnerin (1835 m ü. A.) gehören zur Hochschwab-Gruppe.

Gliederung des Gemeindegebiets

Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften Oberort (415 Einw.), Pichl-Großdorf (470), Tal (145) und Unterort (123).

Katastralgemeinden sind Oberort, Sonnberg und Schattenberg. Nachbargemeinden: Wildalpen, Sankt Ilgen, Etmißl, Sankt Katharein an der Laming, Hafning bei Trofaiach, Vordernberg und Eisenerz (im Uhrzeigersinn).

Geschichte

Vermutlich war Tragöß bereits von den Kelten bewohnt. Nach der Völkerwanderung wurde das Gebiet im 6. Jahrhundert durch Slawen besiedelt, die ihre Häuser nicht auf dem Talboden, sondern an den Hängen darüber errichteten. Auch der Name ist vermutlich slawischen Ursprungs: „tre“ für drei und „gozd“ für Wald; „Dreiwald“ bezieht sich möglicherweise auf die drei markanten Gipfel von Trenchtling, Meßnerin und Pribitz. Bis in das 19. Jahrhundert wurde das Gebiet von Tragöß-Oberort In der Lasnitz genannt. Dieser Name kommt aus dem Slawischen und wird mit „Waldbach“,[1] „Wiesenbach“ oder als Hinweis auf Gewässer in einem Rodungsgebiet übersetzt.[2] [3] [4]

Die im 9. Jahrhundert folgenden Bajuwaren und Franken besiedelten dagegen hauptsächlich den Talboden.

Zum ersten Mal wird der Ort in einer Urkunde vom 16. Mai 1023 erwähnt, die eine Schenkung des Kaisers Heinrich II. an das Frauenkloster Göß betrifft.

1210 wurde Tragöß eine eigene Pfarre. Es handelte sich um eine Lehenspfarre des Stiftes Göß; der Pfarrer war zugleich Verwalter für die Grundherrschaft. Die Konflikte, die sich daraus mit der Bevölkerung häufig ergaben, gipfelten 1493 in der Ermordung des Pfarrers Melchior Lang. Diese Tat wurde zur Grundlage des Romans „Die Gottsucher“ von Peter Rosegger. Der Totenschädel des Priesters mit der Wunde der Mordwaffe war auch noch nach 2000 in einem Glaskasten im Pfarrhof zu sehen. Die Säulen des Galgens, an dem die Täter hingerichtet wurden, sind im Galgenwald zwischen Großdorf und Tragöß/Oberort noch erkennbar.[5]

1654 erwarb das Stift Göß auch das Landgericht von der Stadt Bruck. Im 17. Jahrhundert wurde Tragöß von der Pest heimgesucht.

1816 und 1817 kam es zu schweren Missernten. Um Hilfe zu leisten, besuchte auch Erzherzog Johann das Lamingtal.

Religion

92,0 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 3,2 % evangelisch, 4,2 % ohne religiöses Bekenntnis. Tragöß ist Sitz einer römisch-katholischen Pfarre.

Einwohnerentwicklung

Nach 1869 nahm die Bevölkerung (damals 1.033 Personen) kontinuierlich ab und erreichte 1910 mit nur 856 ihren niedrigsten Stand. Bis zur darauf folgenden Volkszählung 1923 erfolgte dagegen ein Zuwachs um +29,3 % auf 1.107, auf den bis 1934 ein weiterer Zuwachs um +7,0 % auf 1.184 folgte. Danach pendelte die Bevölkerung zwischen 1.100 und 1.180. Seit der Volkszählung 1991 ist ein Rückgang zu verzeichnen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Grüner See gegen Meßnerin im Mai 2007. Rechts ansteigend ist die Bergsturzmasse zu sehen
  • Heimatmuseum
  • Pfarrkirche St. Magdalena sowie Pfarrhof in Oberort
  • Filialkirche in Pichl
  • Ehemaliger Galgen im Galgenwald zwischen Pichl-Großdorf und Oberort-Tragöß

Naturdenkmal:

  • Grüner See: Dieser See füllt sich mit Einsetzen der Schneeschmelze mit kristallklarem, smaragdgrünem Wasser, wobei das Wasser farblos ist und durch die Brechung des Lichtes und die vorhandenen Gesteine in seiner grünen Farbe schimmert. Er trocknet im Herbst fast völlig aus. Aufgestaut wird der Grüne See von einer Bergsturzmasse, die in prähistorischer Zeit von der Südflanke der Meßnerin Richtung Tragöß abrutschte.[6]

Bildung

  • Gemeindekindergarten
  • Volksschule
  • Öffentliche Bücherei der Pfarre und Gemeinde

Politik

  • Gemeinderat: Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:
  • 5 ÖVP
  • 7 GfT - „Gemeinsam für Tragöß“ (stellt seit der Wahl im April 2010 den Bürgermeister Rudolf Treutler)
  • 2 SPÖ
  • 1 FPÖ

Wappen

Die amtliche Wappenbeschreibung (Blasonierung) lautet: Im blauen Schild über grün geflutetem Schildfuß ein dreispitziger silberner Berg, belegt mit einem schwarzen Kesselhaken. Der Schildfuß mit seiner grünen Flutung (Wellen) bezeichnet den Grünen See, der dreizackige Felsen den Gebirgsstock der Meßnerin. Der Kesselhaken stammt aus dem Wappen des Kanonissenstiftes Göß bei Leoben, dem das Tragößtal seit dem Mittelalter bis zur Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahre 1848 zugehörte.

Historische Landkarten

Literatur

Peter Rosegger: Roman „Der Gottsucher“. Auch sein Roman „Jakob der Letzte“ beschreibt die Gegend.

Einzelnachweise

  1. Werner Tscherne: Von Lonsperch zu Deutschlandsberg. Herausgeber und Verleger: Stadtgemeinde Deutschlandsberg 1990. Keine ISBN. Seite 40. (ursprünglich z. B. „Lieznica“, „Luosniza“).
  2. An den Beispielen („Gereutbach“, „Rodebach“ usw.): Manfred Trummer: Slawische Steiermark = Leicht erweiterte Fassung des gleichnamigen Vortrags am Symposium „Fremd sein – beinander bleiben. Die slowenische Volksgruppe in Österreich“ im Rahmen der „Slowenischen Tage“ an der Karl-Franzens-Universität in Graz, 25.–28. März 1996. Aus: Christian Stenner (Hg.): Slowenische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten. Schriftenreihe Zur Kunde Südosteuropas II/23. Herausgegeben vom Institut für Geschichte der Universität Graz, Abteilung Südosteuropäische Geschichte, Univ.-Prof. Dr. Karl Kaser. Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar 1997, Seiten 15-34 (Beispiele: Seiten 21, 22 und 24). ISBN 3-205-98690-3.
  3. Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil I: Die Siedlungsgeschichte Kärntens von der Urzeit bis zur Gegenwart im Spiegel der Namen. Klagenfurt 1956. Herausgegeben vom Geschichtsverein für Kärnten in der Reihe Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie, Band 50. Abgeleitet aus altslowenisch *lo(n)č(i)níca. Seiten 113, 158. Zitiert nach: Monika Voggenberger. Die slawischen Ortsnamen in Osttirol. Stichwort „Lasnitzen“.
  4. Monika Voggenberger. Die slawischen Ortsnamen in Osttirol. Salzburg 1983. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg. Kein Verlag, keine ISBN. Stichwort „Lasnitzen“.
  5. Willi Senft: Pfarrermord in Tragöß. In: Wochenzeitung Neues Land („Österreichische BauernZeitung“) vom 4. April 2003. 63. Jahrgang Nr. 14 Seite 21.
  6. Gerhard Abele: Bergstürze in den Alpen. Ihre Verbreitung, Morphologie und Folgeerscheinungen. München 1974. Habilitationsschrift der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften der Universität Karlsruhe. (Wissenschaftliche Alpenvereinshefte, gemeinsam herausgegeben von den Hauptausschüssen des Deutschen und des Österreichischen Alpenvereins, Heft 25).

Weblinks

 Commons: Tragöß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien