Verklärungskirche (Wien)

Verklärungskirche, Wien 2., Am Tabor 5
Tafel an der Fassade

Die Verklärungskirche ist ein lutherisch-evangelisches Kirchengebäude im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Architektur

Das freistehende Bauwerk befindet sich Am Tabor 5 in der Nähe der Bezirksgrenze zum 20. Gemeindebezirk Brigittenau. Etwa hundert Meter weiter östlich steht die römisch-katholische Pfarrkirche Am Tabor.

Der aus dem eigentlichen Kirchengebäude und dem angeschlossenen Pfarrhaus bestehende Gebäudekomplex der Verklärungskirche ist ein Werk der Architekten Siegfried Theiss und Hans Jaksch. Die 1912 begonnene, unter Denkmalschutz stehende Kirche wurde erst über ein Jahrzehnt später fertiggestellt und 1926 ihrer Bestimmung übergeben. Die Fassade der in ihrer Wucht an eine mittelalterliche Trutzburg erinnernden Verklärungskirche ist weitgehend schmucklos. Außen über dem Hauptportal befindet sich eine reliefartige Kreuzigungsgruppe. Im schlicht gestalteten Kircheninneren ist über dem Altarraum ein Fresko mit einer Darstellung der Verklärung des Herrn aufgebracht, das vom der Gemeinde nahestehenden Künstler Adolf Wolf-Rothenhahn stammt. Die Verklärungskirche stellt im evangelischen Kirchenbau im Österreich der Ersten Republik gemeinsam mit der Kreuzkirche und der Zwinglikirche den Höhepunkt der Entwicklung dar, auf althergebrachte kirchenarchitektonische Gliederungsprinzipien zu verzichten und die Funktionalität des Bauwerks zu betonen.[1]

Geschichte

Die Wiener evangelisch-lutherische Pfarrgemeinde erwarb 1909 nach längeren Verhandlungen das Grundstück für den Kirchenbau von der Stadt Wien. An der Ausschreibung für die Errichtung der Kirche nahmen 130 Architekten und Architektengemeinschaften teil. Die lange Bauzeit der Verklärungskirche resultierte aus Bauunterbrechungen, die wegen des Ersten Weltkriegs entstanden waren.[2] Die Verklärung des Herrn, nach der die im November 1926 geweihte Kirche benannt ist, wird in der christlichen Überlieferung mit dem Berg Tabor in Israel in Verbindung gebracht. Nach einem Tabor als Wehranlage ist der Straßenzug Am Tabor benannt, wo sich die Kirche befindet. Ein solcher Tabor wurde in Österreich häufig um Wehrkirchen („Taborkirchen“) errichtet – und die Architektur der Verklärungskirche ist wiederum nicht frei von Anklängen an eine Taborkirche. Die Theologen Werner Horn und Fritz Zerbst absolvierten beide ihr Vikariat in der Verklärungskirche. Die in der Kirche beheimatete Pfarrgemeinde Leopoldstadt und Brigittenau wurde 1949 selbstständig und gehört zur Evangelischen Superintendentur A. B. Wien.

Literatur

Die Mahn- und Gedenktafel am Portal der Verklärungskirche
  • Alexander Grabner: Die Kirchenbauten und Kirchenentwürfe der Architekten Siegfried Theiß und Hans Jaksch. Diplomarbeit, Universität Wien 2002

Einzelnachweise

  1. Herbert Unterköfler: Zwischen zwei Welten – Anmerkungen zur kulturellen Identität der Evangelischen in Österreich. In: Geistiges Leben im Österreich der Ersten Republik. Hrsg. von Isabella Ackerl. Oldenbourg, München 1986, ISBN 3486537318, S. 357
  2. http://www.evang-wien.at/pages/1_news/news_arch/nl_2006_41.html, abgerufen am 15. Jänner 2009

Weblinks

 Commons: Verklärungskirche (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.22507716.38528Koordinaten: 48° 13′ 30″ N, 16° 23′ 7″ O