Walter Nowotny

Walter Nowotny (* 7. Dezember 1920 in Gmünd, Niederösterreich; † 8. November 1944 in Epe) war ein in Österreich gebürtiger Jagdflieger, der im Zweiten Weltkrieg in der deutschen Luftwaffe diente. Er zählt zu den erfolgreichsten Jagdpiloten dieses Krieges.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach der Versetzung seines Vaters übersiedelte die Familie nach Mistelbach, wo Nowotny seine Jugendzeit verbrachte. Er besuchte die Realschule in Laa an der Thaya, wo er 1938 die Reifeprüfung ablegte. Im selben Jahr trat er der NSDAP bei (als Aufnahmedatum wurde der 1. Mai 1938 eingetragen). Er war ab 1936 Mitglied der pennalen Burschenschaft Vandalia Laa, später der Tafelrunde Deutscher Studenten Wartburg zu Mistelbach, zweier schlagenden Schüler- bzw. Studentenverbindungen. Nach deren Zwangsauflösung war er Mitglied bei der örtlichen Hitlerjugend.

Walter Nowotny meldete sich als Offizieranwärter zur Luftwaffe. Während seiner Ausbildung in der Jagdfliegerschule C (FFS C, später FFS C8), die auf dem Flugplatz Wiener Neustadt/West stationiert war, stand er unter dem Kommando von Ex-k.u.k.-Fliegerass Hauptmann Julius Arigi. Am 1. Oktober 1939 wurde er nach Breslau-Schöngarten einberufen. Zuerst flog er Jagdschutz für die Leunawerke, danach wurde er zum Jagdgeschwader 54 unter Major Johannes Trautloft versetzt.

Zum Leutnant wurde er am 1. April 1941 befördert. Am 19. Juli des gleichen Jahres schoss er seine ersten zwei Feindflugzeuge (Polikarpow I-153) an der Ostfront ab.[2] Er flog damals eine Messerschmitt Bf 109 E-7. Zwei Tage später erhielt er im Luftkampf über der Insel Ösel Kanonentreffer eines sowjetischen Jagdfliegers. Es gelang ihm, diesen Gegner abzuschießen, allerdings musste er wegen Motorausfall in der Ostsee notwassern. Er trieb drei Tage in einem Schlauchboot auf See und wurde schließlich von Letten gerettet. Im August, nachdem ihm der 10. Abschuss gelang, erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse, ein Jahr später, am 14. September 1942, für den 54. Abschuss das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Im Januar 1943 wechselte sein Geschwader auf die Focke-Wulf Fw 190. Am 3. September, nach seinem 191. Abschuss, erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz und am 22. September für seinen 220. Luftsieg die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub. Nach seinem 225. Abschuss wurde er zum Hauptmann befördert. Er war der erste Jagdflieger, der 250 Luftsiege erreichte (in 421 Einsätzen) und bekam dafür die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Von Seiten der Flieger der sowjetischen Armee erhielt er, wie sein Bruder in der Biografie Walter Nowotnys schreibt, den Beinamen „Tiger vom Wolchowstroj“.

Im Februar 1944 wurde er zum Kommodore des JG 101 (ehemalige Jagdfliegerschule 1) in Pau ernannt. In Achmer stellte Nowotny Mitte 1944 das nach ihm benannte Erprobungskommando Nowotny oder Kommando Nowotny auf. Dieses erste Düsen-Jagdgeschwader weltweit testete die Flug- bzw. Luftkampfeigenschaften der Me 262 und führte Abfangeinsätze gegen alliierte Bomberverbände durch. Am 8. November wurde Nowotny beim Landeanflug auf den Flugplatz Achmer von einer Staffel Mustangs abgefangen und abgeschossen. Es gelang ihm zwar noch, seinen Fallschirm zu öffnen, dieser verfing sich jedoch am Leitwerk seiner Maschine und riss ihn in den Tod. An der Absturzstelle in Malgarten befindet sich noch heute ein Gedenkstein mit Überresten der Absturzmaschine und folgendem Text:

„Hier fiel am 8.11.1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten Major Walter Nowotny für [Führer (später entfernt)] Volk und Vaterland.“ [3]

Insgesamt hatte er bei seinen 443 Feindflügen 258 Feindflugzeuge abgeschossen, die fünftgrößte Zahl unter den Jagdfliegern der Luftwaffe.[4] Bis heute wird er deshalb als Fliegerass bezeichnet. Nowotny wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien beerdigt. Dem Grab wurde 2003 der Status als Ehrengrab aberkannt und in ein Soldatengrab umgewandelt.[5] Am Friedhof der Stadt Mistelbach befindet sich eine Ehrentafel.

Auszeichnungen

Gedenkstein in Epe

Nachwirkung

Das Grab Walter Nowotnys auf dem Wiener Zentralfriedhof

In vergangenen Jahren rief unter anderem der rechtsextreme[7] Bund freier Jugend (BfJ) zu Gedenkfeiern am Grab Nowotnys auf, um dort „stellvertretend für alle, im heldischen Ringen um des Vaterlandes Ehre und Freiheit, Gefallenen, Major Walter Nowotnys zu gedenken und ihm die zustehende Ehre zu erweisen“. Auch die FPÖ-Jugendorganisation Ring Freiheitlicher Jugend Österreich und der Ring Freiheitlicher Studenten organisierten Kranzniederlegungen.

Mit den Stimmen von SPÖ und Grünen wurde im Jahr 2003, nach jahrelangen Diskussionen im Wiener Gemeinderat, die Aberkennung des Ehrengrabes für Walter Nowotny beschlossen. Im Oktober 2007 bekräftigte Wiens Bürgermeister Michael Häupl die Entscheidung über die Aberkennung ein weiteres Mal, da Nowotny ein eindeutiger Anhänger der NS-Ideologie gewesen sei.[8]

Noch im Juli desselben Jahres wurde von dem Wiener Stadtrat Johann Herzog (FPÖ), ORF-Chefredakteur Walter Seledec und Hans-Jörg Jenewein (FPÖ) der „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“ gegründet. Der Verein organisiert seither alljährlich zu Nowotnys Todestag eine Kranzniederlegung an dessen Grab,[9] an der auch Burschenschafter, Vertreter des Österreichischen Kameradschaftsbundes, sowie rechtsextreme Skinheads von Blood and Honour[10] teilnehmen. Auch Gottfried Küssel, seines Zeichens "Schlüsselfigur der österreichischen und deutschen Neonaziszene",[11] war in der Vergangenheit Gast beim Nowotny-Gedenken.[12] Der Obmann des Vereins, Gerhard Pendl, wurde nach einer Rede am 12. November 2006 auf Drängen der Leitung der Medizinischen Universität nach anfänglichem Zögern von der zuständigen Ministerin Elisabeth Gehrer als Universitätsrat abberufen,[13] da seine unkritische Haltung zum Nationalsozialismus, die in der Rede zum Ausdruck kam, eine „schwere Pflichtverletzung“ darstellte.[14] Anfang 2011 wurde bekannt, dass das für den Erhalt von Soldatengräbern zuständige Innenministerium aus Kostengründen die Verlegung von Nowotny auf einen Soldatenfriedhof überlegt. Die FPÖ protestierte dagegen unter anderem mit einer von Johann Gudenus und Johann Herzog unterzeichneten ganzseitigen Anzeige in der Kronen Zeitung.[15]

2003 und 2011 wurde Nowotnys Grab geschändet.[16][17]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Anm.: Nowotny erzielte insgesamt 258 bestätigte Abschüsse. Zweimal gelangen ihm 10 Abschüsse an einem einzigen Tag. Er ist damit der fünfterfolgreichste Jagdflieger der Geschichte.
  2. Aces of the Luftwaffe - Biographie und vollständige Abschussliste
  3. Auf www.bunkergeschichten.de
  4. Nicholas Hobbes: Essential Militaria - Facts, Legends, and Curiosities About Warfare Through the Ages, Seite 90
  5. NS-Grab ohne Pflege. Der Standard, 2. Juli 2003, abgerufen am 1. Jänner 2012.
  6. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S.573
  7. Heribert Schiedel: Der rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft. Edition Steinbauer, Wien 2007, S. 92ff, ISBN 978-3902494252
  8. Die Presse: Jährliche Ehrenbekundung für NS-Offizier Nowotny, 11.11.2007
  9. Der Standard: Aufmarsch am Wiener Zentralfriedhof für NS-Offizier Nowotny, 12. November 2006
  10. HochschülerInnenschaft an der Universität Wien: Völkische Verbindungen. Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich. Wien 2009, S. 75 f
  11. orf.at - Küssel: Schlüsselfigur der NS-Szene
  12. DÖW: Neues von ganz rechts - September 2007
  13. Der Standard: Med-Uni-Rat Pendl wird abberufen, 14. November 2006
  14. Ö1: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/oe1.orf.atFPÖ-Protest gegen Abberufung Pendls, 22. November 2006
  15. Der Standard: FP-Politiker bestreiten NSDAP-Mitgliedschaft von Jagdflieger – trotz klarer Beweise, 4. Mai 2011
  16. Nowotny-Grab geschändet. wienweb.at, 25. Juli 2003, archiviert vom Original am 8. Februar 2005, abgerufen am 1. Januar 2012.
  17. Grab von Weltkriegs-Kampfpilot Nowotny beschädigt. Der Standard, 1. Februar 2011, abgerufen am 1. Januar 2012.

Weblinks