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Region von Hochschwab
Landschaft Tragöß
Landschaft Laming
Landschaft Sackwiesensee
Landschaft Trenchtling
Landschaft Wasserboden mit Brandstein
Landschaft Wald um den Grünen See
Landschaft Kirche von Tragöß
Landschaft Grüner See
Landschaft Herbststimmung am Grünen See
Landschaft Sonnschienalm
Landschaft Brucker Fasching

Das Tor zum Hochschwab#

Mut zum Müßiggang: der Rennfeldbahn
Mut zum Müßiggang: der Rennfeldbahn

Wir möchten Ihnen, lieber Leser, eine Gegend vorstellen, die Sie zum Verweilen und zum Wandern anregen soll. Begleiten Sie uns bei Wanderungen auf schöne Almen und Berge, aber wandern Sie mit uns auch durch die reiche Geschichte dieses Gebietes, die von frühester Zeit, über römische Besiedlung hinauf ins Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart Spannendes, Interessantes und bisweilen auch Unterhaltsames zu bieten hat. Wir werden uns, von Bruck an der Mur ausgehend, über St. Dionysen den Zugang zum Lamingtal suchen, aber auch über Berndorf und Arndorf, Schörgendorf, Stegg bis St. Katharein und Oberdorf den Weg bis Tragöß erkunden und schließlich über die Almen bis auf den Hochschwab gelangen. Lassen Sie sich mit uns auf diese Reise ein und suchen Sie für sich das Richtige aus!

Das Rennfeld
Mit dem Brucker Hausberg wollen wir beginnen.#

Wir versetzen uns über 100 Jahre zurück in die Vergangenheit und lassen Peter Rosegger ausführlich von einem seiner Lieblingsberge berichten:

Von Bruck aus ist als dankbarer Berg das 5132 Fuß hohe Rennfeld zu besteigen. "Segne Gott den Sterz! Und ich tat' bitten um einen Trunk Wasser!" So grüßen wir oben die Schwaigerin in der Almhütte.

"Bedanken uns, und wenn der Herr essen will, der Löffel wär' sauber." So von ihrer Seite die freundliche Einladung zum Mahle. Die Schwaigerin sitzt auf einem Holzblock und ihr Schoß ist der Tisch, auf welchem ein Milchtopf und eine Schüssel mit Sterz stehen - eine Lieblingsspeise aus Mehl und Schmalz. Den Sterz überlassen wir dem ältlichen Mann, der vor der Schwaigerin hockt und mit Bedacht und Ausdauer die Himmelsgab' genießt. Wir setzen uns vor der Hütte auf einen Stein und laben uns an der Milch, wie Gott auf der Alm sie fließen lässt. Dabei bewundern wir den Speisesaal. Fünf Täler ziehen sich da unten in der Tiefe: die waldschattige Schlucht gegen Pernegg hin; der lichte, ätherübergossene Murboden gegen Leoben und Knittelfeld; das freundliche Wiesental der Laming gegen die Bergriesen von Tragöß; das enge Waldtal des Thörlbaches gegen Aflenz und das liebliche, grüne Gelände der Mürz bis hinan gegen den Felskoloss der Rax. Das Städtchen Bruck streckt sich auf der sonnigen Au, sein Haupt an den Schlossberg gelehnt, seine Füße badend in der Mur - hält es sein Mittagsschläfchen.

Der alte Mann macht Anstalten zu einer Pfeife Tabak, 's ist überall dasselbe Lied, auf der Höhe wie in der Tiefe, die Leute werden alt, ehe sie's glauben, und seitdem das "Bergkraxeln" Mode geworden, werden ältere Sennerinnen nicht mehr ausgetauscht gegen jüngere.

Endlich brennt die Pfeife; der Halter hält seine Rast ein Stündchen; er hat keine Uhr, er misst die Zeit nach Pfeifen-Tabak. - Und zu plaudern muss man auch was dabei haben.

"Nau", sagt er zu uns, "geht ihr Schwert suchen?"
Wie reich ist Steiermarks Vorzeit! Von Hang zu Hang, von Schanz zu Schanz rankt sich der Sagenkranz. - "Weil daß noch begraben liegt auf diesem Berg", setzt der Halter bei. "Nun, was ist's mit dem Sehweite des Stubenbergers?"
Das Schutzhaus am Rennfeld, Blick zum Hochschwab
Das Schutzhaus am Rennfeld, Blick zum Hochschwab


"Jaah!", zieht der Alte seine Stimme selbstgefällig in die Länge, "das ist kurios. Auf diesem Berg da ist's geschehen. - Vor alter Zeit, da sind unten an der Mürz im Kapfenberger Schloss und an der Mur in der Pernegger Burg die Ritter gewesen. Der Wulf und der Kuenring - junge Kreuzteufel und von Stahl und Eisen über und über. Der Wulf, der hat die schöne Agnes vom Pernegger Schloss gern gesehen, und der Kuenring, der hätte sie gern gehabt. Angehalten hat der Wulf um die Jungfrau, hätte sie auch kriegt und - hilf uns Gott der himmlische Herr!" - Der Alte bekreuzt sich, denn ein Blitz ist niedergefahren vor unseren Augen und ein wilder Krach zerreißt die Luft. - Die Schwaigerin nimmt ein hölzernes Kruzifix von der Wand, um das Gewitter zu bekreuzen und zu beschwören, denn der Mensch glaubt es gar nicht, wie viele Wetter gehext sind.

"Er hätte sie kriegt, der Wulf", fährt der Erzähler fort, "da muss er mit dem Kreuzzug ins Land Jerusalem." "Ins Heilige Land," verbessern wir, allein er bleibt bei seinem Land Jerusalem. "Auch der Kuenring ist mitgereist. Und jetzt schaut einmal: ist euch nach Jahr und Tag der Kuenring wieder heimgekommen und hat gesagt, den Stubenberger Wulf, den hätten sie erschlagen, und nachher wollt' er die Jungfrau Agnes haben."

Die Schwaigerin schießt zur Tür herein: "Ich bitte euch, liebe Leute, lasst die sündhaften Geschichten jetzt sein und betet lieber."

Wir blicken hinaus. Die Täler sind verschwunden, dichte Nebel und Regenmassen brechen in dieselben nieder. Die Bäume des nahen Waldes schlagen mit ihren Ästen aufeinander los, die Wipfel machen hohe Rücken. Ein paar Dachbretter fliegen in der Luft, von der Wandbank kollern die Melkzuber, das kleine Haus auf der Bergeshöhe stöhnt in Todesangst. Blitz, Donner, Wasserstürze und Hagel umbrausen die Hütte.

"Wie bin ich froh, dass Leute da sind", sagt die Schwaigerin, "zu Tod' fürchten müsst' sich eins allein!"

"Zwei Wetter sind zusammengekommen", meint der Alte, "und jetzt raufen sie miteinander. - Die zwei Ritter haben es auch so gemacht. - Jetzt, wie der Kuenring die Jungfrau schier gehabt, wie schon die vornehme Hochzeit ist gewesen im Pernegger Schloss - ist auf einmal auch der Wulf da. Du, Kuenring, sagt er, du bist ein Wicht und wir zwei sind für eine um halben Teil zu viel, einer von uns muss sterben. Kuenring, wo willst mit mir den Zweikampf halten? - In meinem Hochzeitshaus nicht. Lieber da oben auf dem hohen Berg. - Ja, weil er eine Hexe hat gewusst, die hier oben in einer Felsenhöhle hat gewohnt und auf die er hat vertraut - Und der Stubenberger nimmt sein Schwert, das bei Christi Grab das Heidenblut hat vergossen.- Das Herz mitten durchstochen, ist der Kuenring hingefallen zur Erden. Der Stubenberger hat sein Schwert genommen und gesagt: Du meines Vaters Schwert hast für den Heiland gestritten und den ehrvergessenen Mann besiegt, du sollst ruhen in der Erden auf diesem Berg. Du wirst nimmer verrosten und dereinst, wenn die wilden Zeiten kommen, wird dich ein Edelmann finden und mit dir den Feind vertreiben. - So hat der Stubenberger gesagt, hat sein Schwert vergraben. Alte Leute aber haben erzählt, er hätte nicht gesagt ein 'Edelmann', sondern ein 'Bettelmann' sollt' das Schwert finden. - Jetzt, Bettelleute sind schon viel da heroben gewesen - keiner hat's troffen. - Leicht, dass ich dazukommen."
Kunst am Berg
Kunst am Berg


Wie aus der Pfeife hat der Alte die Geschichte gesogen, und als jene verloschen, ist diese verstummt.
Das Gewitter hat sich verzogen und in wunderschöner Gestalt steht die Schwabengruppe da, aber auf mehreren Höhen des Murtales liegt die weiße Hülle des Hagels.

"Wie ich mein Kreuz nicht zur Hand hab", meint die Schwaigerin, "so fährt das grobe Wetter auf uns los!"

"Dirn!", sagt der alte Halter, "das Kreuz mag gut sein, aber dem Stubenberger sein Schwert wäre mir noch lieber."
Wir rüsten uns zum Aufbruch; da ruft der Halter: "Ihr geht gleich so davon und fragt nicht, wie es ausgegangen ist? Geheiratet hat er sie nachher, der Wulf die Agnes."
Mit dieser schönen Befriedigung kehren wir nach Bruck zurück......

Da sowohl Peter Rosegger als auch Ottokar Kernstock oft Gast auf dem Rennfelde waren, war man bestrebt, mit dem Schutzhaus beiden Dichtern ohne Bevorzugung ein bleibendes Dankeschön zu vermitteln. Das erste Haus am Rennfeld, das durch einen Brand leider zerstört wurde, war in dem Stile eines steirischen Bauernhauses erbaut, und zwar jenes Bauernhauses, welches die Stätte der Kindheit des verehrten steirischen Dichters Peter Rosegger war (Kluppeneggerhof am Alpl bei Krieglach) und dessen genaue Nachbildung es war. Indem die Sektion Bruck an der Mur dem Schutzhaus den Namen des Dichters Kernstock gab, hat sie in sinniger Weise beiden Dichtern ein gemeinsames Denkmal gesetzt. Ottokar Kernstock war bei der Eröffnung am 30. Juli 1911 persönlich anwesend.

Heute ist das beliebte Schutzhaus, das sich unter bester Führung befindet, Ausflugsziel für Wanderer, Mountainbiker und, wie unser Bild vermittelt, auch für Musikliebhaber. 

Ur- und früheste Geschichte des Raumes#

Steinbeil vom Pischkberg (Schlegelbauer)
Steinbeil vom Pischkberg (Schlegelbauer)

Allgemein wird die Urgeschichte des Menschen in zwei große Kulturperioden unterteilt: in die Steinzeit und in die Metallzeit. Die Steinzeit gliedert sich in die Altsteinzeit (Paläolithikum), die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und die Jungsteinzeit (Neolithikum). Die Metallzeit wird in Bronzezeit, Urnenfelderzeit, die ältere und jüngere Eisenzeit (Hallstattzeit und La-Tene-Zeit) unterteilt. Der jüngeren Eisenzeit und damit verbunden am Ende der Urzeit folgt schließlich in unserem Raum die römische Kaiserzeit, in der auch unser Gebiet Teil des Römischen Weltreiches sein sollte. Mit der einsetzenden Völkerwanderungszeit und der slawisch-bayrischen Landnahme öffnet sich das Tor zum frühen Mittelalter und damit zur allmählichen Landwerdung.

Funde aus den Höhlen des mittleren Murtales, des Mürztales und des Salzkammergutes lassen auf die Anwesenheit des Menschen auch im Gebiete der Einmündung der Mürz in die Mur zur Zeit des Paläolithikums schließen. Die Funde weisen deutlich auf die Begehung unserer Täler bereits in dieser frühen Zeit hin.

Aber steinzeitliche Funde sind uns auch aus der näheren Umgebung bekannt. Zu den bekanntesten und wohl auch bedeutendsten Funden zählen die Objekte aus der Drachenhöhle bei Mixnitz und aus der Repolusthöhle bei Peggau. Im Kapfenberger Raum sind uns Funde sowohl aus der Rettenwandhöhle als auch aus der Offenberghöhle bei St. Lorenzen bekannt. Auch aus der Tonionhöhle zwischen Seeberg und Mariazell gibt es steinzeitliche Funde zu vermelden. Wir aber richten unser Augenmerk auf das Gebiet zwischen Bruck und Tragöß.

Blick vom Schlegelbauer am Pischkberg, (Fundstelle des Steinbeiles) auf Bruck an der Mur
Blick vom Schlegelbauer am Pischkberg
(Fundstelle des Steinbeiles) auf Bruck an der Mur

Auf einer Anhöhe des Pischkberges tritt als erstes Zeugnis von menschlicher Besiedlung und Kultur im Brucker Raum ein Steinbeil zutage, das 1935 auf einem Acker des "Schlegelbauern" gefunden wurde. Im Stadtgebiet von Bruck wurde ein Bruchstück eines Hammerbeiles mit ovaler, aufgerauter Schlagfläche entdeckt. Beide Einzelfunde stammen aus dem Neolithikum, also aus dem Zeitraum ab ca. 4000 v. Chr.. Die vorhin genannte Rettenwandhöhle weist Funde aus der Bronzezeit und damit aus einem neuen Zeitalter auf. Im Dezember 1953 konnte einige hundert Meter unterhalb der Kletschachalm beim Bau einer Forststraße von dem "Steinerbauern" und dem Baggerfahrer Stadiober eine bronzene Lanzenspitze mit Tülle geborgen werden. Sie dürfte schon als urnenfelderzeitlich einzuordnen sein und damit in die Zeit um ca. 1000 vor Christus hineinfallen. An anderer Stelle wollen wir auf diesen doch bedeutsamen Fund noch näher zu sprechen kommen.

Zu Beginn unserer historischen Reise aber soll Bruck im Mittelpunkt stehen, das nicht nur städtisches Flair bietet, sondern sich auch als Ausgangspunkt für die Entdeckungsfahrten in die umliegende Berglandschaft anbietet.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl