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Hochschwab-Pionier Sebastian "Wost" Lechner#

Jahrgang 1928#

'Wost'
"Wost"

"Zuerst geht's amol a Drum aufi, dann kummt a Wuchtl, do muasst umaschlupfn, jo und dann wird's ganz schön schwer."

Diese Routenbeschreibung war eine Standardbeschreibung, die man von "Wastl" Lechner bekam, wenn er nicht zugeben wollte, die Tour nicht zu kennen. Er ist ein Mann, der für die Berge sozusagen lebt. Seit 1953 gehört er der Bergrettung an und unter ihm wurde auch die Alpen-vereins-Zweigstelle Tragöß gegründet. Bedingt durch seinen Wohnort in Tragöß waren es natürlich die umliegenden Berge, die ihn herausforderten, neue Routen zu finden.

'Wost' beim Klettern mit seiner einzigartigen, Schürhakentechnik
"Wost" beim Klettern mit seiner einzigartigen
Schürhakentechnik

So wie auf der einen Seite immer versucht wurde, neue Routen bis zu ihrer Durchsteigung geheim zu halten, versuchten auch viele Bergsteiger, immer neue technische Hilfsmittel zu erfinden und auszuprobieren. Eine kleine Episode aus dieser Zeit soll hier zu Papier gebracht werden: 1963 wurde die Schartenspitze über die Felsenfenster-Nordwand von der Seilschaft Lindner, Rogina und Demi erstbestiegen. Diese Tour "reizte" sowohl Lechner als auch Nestler. Um die enormen Schwierigkeiten dieser Wand leichter zu überwinden, hatte sich Lechner für die mit Haken gespickte Tour ein besonderes Hilfsmittel zurechtgelegt. Aus einem 6 mm Rundeisen wurde ein so genannter "Schürhagl" gebogen, oben mit einem einserförmigen Haken und in der Mitte sowie am unteren Ende mit einer Öse zum Einhängen der Trittleiter versehen. So musste in den senkrechten Passagen nicht jeder Haken angeklettert werden, sondern man konnte damit kostbare Meter darübergreifen. Und damit befanden sich am 26. Juni 1963 Lechner Wastl und Fritz Nestler in den letzten Seillängen dieser Tour über dem Felsenfenster, als aus dem unteren Schuttkar folgender Ruf zur Seilschaft heraufklang:

Fragender: "Was is denn das für a Tour?"
Wastl: "Na jo, die direkte Nordwand!"
Fragenden "Wer hat denn die g'macht?"
Wastl: "Da Lindner!"
Der Fragende war Lindner selbst. Dieser fragte weiter: "Wos hast denn dofüran Hagl?"
Wastl: "Kumm aufi, dann zoag i ihn dir!"

Tatsächlich war Lindner in kürzester Zeit links daneben im "Bruckerweg" als Sologeher unterwegs. (V. Schwierigkeitsgrad!!!) Als sich die drei Bergsteiger später am Grat zur Schartenspitze trafen, war der "Schürhagl" längst zusammengerollt und im Rucksack verstaut. Kein Wort wurde mehr darüber verloren.

Zurück zu den Erstbesteigungen, die Lechner für sich beanspruchen kann: Durch die Westwand auf den großen Ebenstein, über die Südwestwand auf den Großen Griesstein, durch die Südwand auf die Schaufelwand und sowohl über Westgrat, Direkten Westgrat und Westwand auf die Meßnerin.

Dass sich sein gesamtes Leben in den Bergen abgespielt hat, beweist auch der Umstand, dass er zwischen 1964 und 1967 Hüttenwirt auf der Sonnschienalm war, ein Jahr das Schiestlhaus betreut und zwei Jahre die Leobner Polizeihütte bewirtschaftet hat.


© Bild und Text Fritz Bayerl, Karl und Inge Friedl