Esel#

Weisse Esel in Schlosshof. Foto: Doris Wolf
Weisse Esel in Schlosshof. Foto: Doris Wolf

Der Hausesel (Equus asinus asinus) ist ein weltweit verbreitetes, und das erste domestizierte Lasttier. 4000 v. Chr. machten die Ägypter den nubischen Wildesel zum Haustier. Ihr Gott Seth trug den Kopf eines Esels. Im Buch Numeri des Alten Testaments (Num. 22,28) ist von einer sprechenden Eselin die Rede, die anders als ihr Herr, der Seher Bileam, einen Engel Gottes erkannte. Jesus ritt am Palmsonntag auf einer Eselin in Jerusalem ein (Mt 21,1-11). Hölzerne Palmesel oder Prozessionen mit lebenden Eseln waren und sind zum Teil noch am Palmsonntag Brauch. 

Legendär sind Ochs und Esel an der Weihnachtskrippe und der Esel als Reittier auf der Flucht nach Ägypten. „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe des Herrn ...“ heißt es bei Jesaja (Jes 1,3). Diese Stelle aus dem Alten Testament wurde von den Christen so interpretiert, dass sich Juden und Heiden gleichberechtigt als Volk Gottes an der Krippe des Erlösers finden. Unterschiedlich verlief die Deutung der Tiere. Einmal hieß es, der Esel stehe für die Juden und zugleich für die Demut Jesu. Andere meinten, der Ochse symbolisiere die Juden, auf denen das Joch des Gesetzes laste. Einmal wurde der Esel, dann wieder das Rind als Allegorie des heidnischen Götzendienstes verstanden. In der christlichen Ikonographie taucht der Esel unter anderem als Begleiter des Heiligen Nikolaus auf. Als Attribut sieht man ihn auf Bildern der Heiligen Florentius von Strassburg, Germanius von Auxerre, Hilarion und besonders Antonius von Padua. Vor dem Heiligen mit der Hostie fällt der Esel auf die Knie. 

In Fabeln und sprichwörtlichen Redensarten kommt der Esel nicht gut weg. Er gilt als störrisch und dumm. Andererseits ist er der Klügste der Bremer Stadtmusikanten, der die Initiative ergreift und den bekannten Satz „Etwas besseres als den Tod findest du überall“ ausspricht. Hinweise auf eine "Eselsmesse" (La Fête des Fous, Asinaria festa) gibt es in Frankreich. Die Messparodie war im Mittelalter ein Narrenfest des niederen Klerus. In Art der "verkehrten Welt" trugen die Teilnehmer Tierkostüme und antworteten dem "Segen" des für diesen Tag ernannten Narrenbischofs mit Tierlauten und zweideutigem "Messgesang". 

In Wien-Hernals wurde bis ins 18. Jahrhundert ein Eselsritt veranstaltet. Die Ordnung des ihm zugrunde liegenden religiösen Umgangs war um 1770 in der Sakristei der Kalvarienbergkirche zu sehen. Die ursprünglich ernste Prozession, die von Bruderschaften veranstaltet wurde, wandelte sich im Lauf der Jahre zu einem feucht-fröhlichen Heischeumzug. Die Figuren veränderten ihre Bedeutung. Die heilige Maria der Flucht nach Ägypten war zur Prinzessin geworden, König Herodes zur Karikatur eines Sultans. Das Gefolge bestand nicht mehr aus biblischen Gestalten, sondern aus Janitscharen und christlichen Sklaven. 1783 fand der Brauch zum letzten Mal statt. Im Rechtsbrauch bedeutete der Eselsritt eine Schandstrafe, bei dem der Übeltater - verkehrt auf einem Esel sitzend herumgeführt oder auf einem hölzernen Esel thronend - von den Zuschauern verspottet wurde.


Quellen: 
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1929/1987. 2/Sp. 1016.
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 76 f.
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 108 f.
Wikipedia: Hausesel (Stand: 13.5.09)
Wikipedia: Eselsmesse (Stand: 13.5.09)
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