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Palmsonntag#

Palmesel

Der Palmsonntag, an dem des Einzugs Jesu in Jerusalem und des Pascha-Mysteriums gedacht wird, eröffnet die Karwoche. Die Messe kennzeichnet diesen Sonntag als Tor zur Osterfeier. Die Liturgie beginnt mit der Palmweihe und der Prozession in die Kirche. Um das Jahr 400 gab es in Jerusalem Umgänge, bei denen Kinder Palm- und Olivenzweige trugen. Im 8. Jahrhundert ist der Brauch vor der Messfeier in Gallien und Spanien, bezeugt. Im Lauf des Mittelalters kamen spielerisch-dramatische Elemente zur Prozession. Die Gläubigen tragen Zweige, in südlichen Ländern von Palmen oder Ölbäumen, bei uns meist Weiden (Palmkätzchen). Die so genannten Palmbuschen oder -stangen können auf kunstvolle Art gebunden sein und regional unterschiedlich auch anderes enthalten, z.B. Buchs, Obst, Brezel oder Säckchen mit Saatgut (in Kärnten). In Wallsee-Sindelburg (Niederösterreich) trägt man lange Stangen, die mit Buchs, bunten Maschen und Ketten aus ausgeblasenen Eiern verziert sind. Als Sakramentalien sollten die Palmbuschen in Haus und Hof Segen bringen und Unheil abwehren.

Da nach dem biblischen Bericht (Joh 12, 12-19) Jesus auf einem Esel einritt, wurde diese Szene nachgespielt. Seit dem 13. Jahrhundert waren geschnitzte, reich geschmückte Esel mit einer Jesusfigur Teil der Prozession. Kinder durften nach der Feier auf dem Palmesel reiten, wovon man sich Gesundheit versprach. 160 Exemplare haben sich in Mitteleuropa in Museen und Kirchen erhalten, u.a. in Puch bei Hallein (Salzburg) in 3/4 der natürlichen Größe, Hall und Thaur (Tirol). Vernichtet werden musste 1782 der berühmte Nonnberger Palmesel (Salzburg, von dem es heißt, dass er mit Gold, Silber und Edelsteinen im Wert von 800 Gulden behängt war. Ein Modell davon bewahrt das Klostermuseum. Legendär war der Pfarrer von Thomatal, Salzburg, Valentin Pfeifenberger (1914-2004), der auf einem Esel reitend die Palmprozession anführte. 2013 veranstaltete die Pfarre Maria Namen in Wien 16 eine Palmweihe und -prozession, in deren Verlauf ein Esel mitgeführt wurde

Vor der Palmweihe, Pfarre Maria Namen, Wien 16
Vor der Palmweihe, Pfarre Maria Namen, Wien 16
Palmweihe Pfarre Maria Namen, Wien 16
Palmweihe Pfarre Maria Namen, Wien 16
Palmesel Pfarre Maria Namen, Wien 16
Palmesel Pfarre Maria Namen, Wien 16

Um 1580 begannen die Zeremonien der Karwoche im Wiener Stephansdom mit dem Palmesel-Umzug, danach wurden die Zweige geweiht und ausgeteilt. Auf dem "Palmbühel" vor dem Dom befanden sich ein großes Kruzifix (mit blauem Messgewand bekleidet), ein Teppich und ein Kissen. An der Prozession nahmen Sänger (Diskantisten) in schwarzen Kutten und mit weißen Chorröcken, Domherren und andere Kleriker teil. Beim Palmbühel angekommen, sangen die Diskantisten und streuten Palmzweige, danach hoben die Priester das Kruzifix unter dreimaligem Singen des "Ecce lignum crucis" hoch. Nach dem Niederwerfen (Prostratio) der Geistlichkeit wurde die Prozession fortgesetzt und das Hochamt zelebriert. Dieser Ritus ist bereits 1290 im Kloster St. Gallen bezeugt.

In der Pfarre Döbling St.Paul findet die Weihe vor der Villa Wertheimstein statt. Bemerkenswert sind die verschiedenen Formen der "Palmen": von der Pfarre verteilte echte Palmwedel und Ölzweige, sowie mitgebrachte Weidenzweige und geschmückte Palmbuschen. Danach gehen die Teilnehmer zur Kirche auf dem Kardinal-Innitzer Platz, wo sie mit Pfarrmoderator Walter Mick den Gottesdienst feiern.

Bild 'Palmweihe1'
Bild 'Palmweihe2'
Bild 'Palmweihe3'


Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 64% an, die Segnung der Palmbuschen zu kennen und 29%, selbst teilzunehmen.


Quellen: 
Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 392 f.
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 113 f.
Johann Ev. Schlager: Wiener Skizzen aus dem Mittelalter. 3 Bde. Wien 1836-1846, 1836/12
Schott-Messbuch für die Sonn-und Festtage. Freiburg/Br. 1983
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 61 f.
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972

Bild oben: Palmesel. Puch bei Hallein (Salzburg). Foto: Alfred Wolf, 2005
Fotos Maria Namen, Wien 16: Doris Wolf, 2013
Fotos Döbling, Wien 19: Doris Wolf, 2014