Fiaker #

Fiaker. Foto: Doris Wolf
Fiaker. Foto: Doris Wolf

Eine zweispännige Lohnkutsche heißt in Wien Fiaker. Der Name wurde aus Paris übernommen, wo sich an der Rue de Saint Fiacre (1662) der älteste Standplatz befand. In Wien wurde die erste Fiakerlizenz 1693 erteilt. Durch die zunehmende Zahl der Wagen, die meist auf der Freyung auf Passagiere wartete, fühlten sich die Bewohner der dortigen Palais gestört. Sie erwirkten eine Regelung, nach der Ross und Wagen in den eigenen Stallungen bleiben und die Fiaker, die nicht unterwegs waren, eine Tafel vor die Tür hängen sollten. Die Fahrgäste mussten sich zu deren Häusern begeben, bei Antritt der Fahrt wurde die Tafel abgenommen. Im Biedermeier gab es fixe Standplätze in der Stadt und in den Vorstädten, wo die Fuhrwerke von 7 bis 22 Uhr in Bereitschaft waren. 1846 waren in Wien fast 700 Lohnkutscher tätig, über die berichtet wurde: "Die Wiener Fiaker sind die kühnsten und geschicktesten Kutscher und voll schlagfertigen Humors, echten Mutterwitzes und origineller Ideen. Doch sind sie hin und wieder auch die Rohheit selbst, besonders in der Behandlung ihrer Pferde. Noch auffallender ist die Frechheit des Schnellfahrens, denn sie kommen darin den Herrschaftskutschern gleich." Die Wagen waren mit Nummern versehen und unterstanden amtlicher Kontrolle. Unnummerierte Fiaker galten als besonders nobel, fast einer eigenen Kutsche gleich. Als Porzellanfuhr bezeichnete man die Fahrt mit einem Liebespaar, das nicht gestört werden wollte. Die Kutscher galten als "Original" und "Wiener Type", die Künstlern und Karikaturisten Stoff boten. 

Der Fiakerball wurde bis 1913 jeweils am Aschermittwoch gefeiert und erfreute sich - ähnlich wie die Wäschermädelbälle - auch bei Angehörigen der gehobenen Gesellschaftsschichten großen Interesses. 1937 schuf Josef Engelhart (1894-1941) das Fiakerdenkmal. Es zeigt einen Fiaker, vermutlich den Schusterfranz, in typischer Kleidung, der zum Gruß den Hut hebt. Seit 1991 ziert die Bronzeplastik den Fiakerplatz in Erdberg, zuvor stand sie im Genosssenschaftshaus (Wien 17, Veronikagasse 12). Dort ist dem Berufsstand auch ein Museum gewidmet. Das Fiakerlied von Gustav Pick (1832-1921) wurde anlässlich eines Praterfestes 1885 von Alexander Girardi (1850-1918) erstmals gesungen und fand viele bekannte Interpreten, wie Paul Hörbiger. Der Text beginnt: "Mei Stolz is, i bin halt an echt's Weaner Kind / an Fiaker, wie man net alle Tag find't /und mei Bluat is so lüftig, so leicht wia da Wind, / i bin halt an echt's Weana Kind!"

Ende Mai ist Sankt Leonhard am Walde (Niederösterreich) seit 1973 wieder Ziel der Wiener Fiakerwallfahrt. An die Messe schließt sich ein gemütliches Beisammensein, ehe man in die Wachau weiterfährt. Bis zur Jahrhundertwende kamen die Fiaker am Vorabend mit einem Schiff, auf dem Ross und Wagen aufgeladen waren bis Pöchlarn und kutschierten von dort mit ihren "Zeugln" zum Gotteshaus. Im 19. Jahrhundert hatten sie der - dem Tierpatron Leonhard geweihten - gotischen Kirche sechs goldene Leuchter, eine Fahne und eine Glocke gestiftet.

Fiakerunternehmen fallen unter die konzessionierten Gewerbe. Die rechtlichen Grundlagen finden sich im Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz (2013).


Quellen: 
Gerhard Robert Coeckhelberge zu Dützele ("Realis") Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Wien 1846. I/432
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2/S. 294
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 92
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