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Freisen #

Der volksmedizinische Sammelbegriff (ahd. vreisliche - furchtbar) bezeichnet eine Reihe von Krankheiten, die man nicht unterscheiden konnte. Symptome waren furchterregende Anfälle wie z.B. bei  Epilepsie. Diese zählt, so eine Information der oberösterreichischen Ärztekammer, zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Die - oft minutenlangen - Anfälle werden durch eine plötzliche extreme Aktivitätssteigerung des Zentralnervensystems hervorgerufen und sind Symptome einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns. Dabei kann es zu heftigen Zuckungen, Stürzen und Bewusstlosigkeit kommen. 

Da man die Ursachen nicht kannte, hoffte man auf die Hilfe von Amuletten und Devotionalien. Freisketten sind Universalamulette, bei denen Heilsteine, Reliquien, Kreuze, Wolfgangihackel, Neidfeige, Korallen, Münzen, Spiegel und anderes an einer Kette aufgehängt sind. Durch die Vielzahl der Einzelteile hoffte man, zumindest einen gegen die entsprechende Krankheit zu finden. Für Kinder gab es Freisenhäubchen sowie von den Kapuzinerinnen des Salzburger Loreto-Klosters genähte Freisenhemdchen. 

Als Patrone galten, wie bei der Fallsucht (Epilepsie) wegen des Namensanklangs St. Valentin und St. Veit. "Veitstanz" nannte man die unheilbare Chorea Huntington, die zu unwillkürlichen Bewegungen und letztlich zur Demenz führt. Der Chronist Sebastian Franck (1499-1542) berichtete vom Huhnopfer bei Freisen. Dieses war in der Pfarre St. Veit (Wien 13) am Tag des Heiligen, dem 15. Juni noch Ende des 18. Jahrhunderts üblich.
Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 233
Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste. Wien 1949. Bd. 1/S. 316 f.