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Gebäckmodel#

Gebaeckmodel

Model, meist geschnitzte Formen, dienten zur Verzierung des hinein gepressten Teiges. Dadurch war eine Herstellung gleich aussehenden Gebäcks in großen Stückzahlen möglich. Geformt wurde damit Lebkuchen ("gesottener Teig" aus Honig, Wasser, Milch, Mehl, der längere Zeit lagern muss, um zu gären und dann mit weiteren Zutaten verfeinert wird), Spekulatius (Mürbteig aus doppelt so viel Mehl wie Fett und wenig Ei, ohne Treibmittel), Springerle (Eier-Zucker-Masse) und Marzipan.

Die Motive sind äußerst vielfältig: Herzen, Wickelkinder, Reiter, Darstellungen aus dem Oster- und Weihnachtsfestkreis, Krampus, Nikolaus, Wappen, Fabelwesen, Gestalten aus dem Alten Testament, Heilige, Tiere, Pflanzen, Liebespaare, Musikanten, Glücksbringer, ABC-Täfelchen.

Der Begriff "Printen" (Abdruck, vgl. engl. to print - drucken) verrät die Verwandtschaft zum Bilderbogen. Model wurden auch "hölzernes Bilderbuch" genannt. Mit ihrer Hilfe ließen sich Heiligenlegenden ebenso wie die aktuelle Mode oder Sensationen darstellen. Die älteste Matrize schnitt ein Goldschmied im 15. Jahrhundert aus Stein. Damals kannte man auch Model aus Metallguss. Ihre künstlerischen Vorbilder waren Kupferstiche. Die meisten erhaltenen Exemplare stammen aus der Barockzeit und dem 19. Jahrhundert. Holzmodel werden gerne zur "Volkskunst" gezählt, doch wandernde Formstecher oder Modelschnitzer bzw. die Lebzelter selbst schnitzten sie und versahen sie oft mit ihrem Monogramm.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 253
Edith Hörandner: Model. München 1982

Bild: Gebäckmodel (Abgüsse). Michaelbeuern (Salzburg). Foto: Alfred Wolf, 1972