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Koloman, hl.#

Albrechts Dürers Holzschnitt „Die Schutzheiligen von Österreich“ (1515, Nachdruck von ca. 1625) mit den Heiligen Koloman (l.) und Leopold (r.)
Albrechts Dürers Holzschnitt „Die Schutzheiligen von Österreich“ (1515, Nachdruck von ca. 1625) mit den Heiligen Koloman (l.) und Leopold (r.)

Der irische Pilger Koloman befand sich auf dem Weg in das Heilige Land. Im Jahr 1012 wurde er bei Stockerau (Niederösterreich) wegen seiner fremdländischen Kleidung als Spion verdächtigt, gefoltert und gehängt.

Nach der Legende hing der Leichnam zwei Jahre lang auf einem Holunderstrauch, ohne zu verwesen und der dürre Strauch begann zu grünen. Als ein Jäger den Ermordeten in die Seite stach, floss Blut aus der Wunde.
Der Kult des hl. Koloman breitete sich rasch aus, nachdem Markgraf Heinrich I. (994-1018) am 13. Oktober 1014 die Gebeine in das Stift Melk bringen ließ. Koloman war bis 1663 der Landespatron Österreichs (seither: St. Leopold).

Koloman ist der Patron der Reisenden, Pferde, Vieh, der Verurteilten; gegen Krankheiten und Seuchen.

Darstellungen zeigen ihn als Pilger mit einem Strick in der Hand und seinen Marterwerkzeugen.

Das Heiligengedächtnis wird am 13. Oktober (Translation) begangen. „Koloman, Märtyrer in Stockerau“ ist in den Diözesen Wien und St. Pölten ein gebotener, in Eisenstadt ein nicht gebotener Gedenktag.

Kolomanistein
Kolomani-Stein im Stephansdom - Foto: P. Diem

Bräuche:
In Melk wird der Kolomanikirtag abgehalten. Er besteht seit 1451 und ist einer der größten und ältesten Niederösterreichs. Am Tag des Pferdepatrons Koloman waren Umritte Brauch. Kolomanibüchlein sollten gegen Seuchen und Unwetter schützen und „eisenfest“ machen. Wohl wegen des Klanges seines Namens rief man ihn als Heiratspatron an: „Heiliger Koloman, schick mir einen braven Mann!“ Beim Betreten des Stephansdoms pflegte man den Kolomanistein (Siehe Bild oben )zu berühren, über den das Blut des Heiligen geflossen sein soll. Herzog Rudolf IV. (1339-1365) ließ die in Messing gefasste Steinreliquie im Zuge der Erweiterung der Kirche am 3. Mai 1361 über der Schwelle des neuen Nordportales einmauern, darunter legte er persönlich Reliquien. Die Umschrift lautet: "Hic est lapis, super quem effusus est sanguis ex serratione tibiarum S. Colomanni Martyris, quem huc collocavit illustris Dominus Rudolphus IV. Dux Austriae etc. " Heute hinter der Türe des Schriftenstandes versteckt, kann man die Mulde im Stein, die durch jahrhundertelange Berührung entstanden ist, sehen und spüren.

Auch in Eisgarn im Waldviertel (Niederösterreich) gibt es einen Kolomanistein. In einer Lärchenallee neben der Straße befindet sich ein Doppelschalenstein, auf den 1713 ein Bildstock des hl. Koloman aufgemauert wurde. Der Legende nach soll der Heilige hier gerastet haben. Das Wasser, das sich auch bei Trockenheit in den Schalen befindet, gilt als heilsam.


Quellen:
  • Keller, Hiltgart L.: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Stuttgart 1970. S. 316f.
  • Wimmer, Ott - Melzer, Hartmann : Lexikon der Namen und Heiligen (Bearb. Josef Gelmi). Innsbruck 1988. S. 490
  • Wolf, Helga Maria: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003
  • Wolf, Helga Maria: Mythos Wasser. St. Pölten 2009
  • Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis. Atzenbrugg 2010
  • Niederkorn-Bruck, Meta (Hg.)Ein Heiliger unterwegs in Europa. Tausend Jahre Koloman-Verehrung in Melk


Siehe auch:
--> Peter Diem: Stephansdom

Bild 'points'

Aktuell zum 1000-Jahr-Jubiläum 2014:

Points of Passage, Stift Melk, 2014
Gottfried Glaßner: 1000 Jahre Überführung des hl. Koloman nach Melk
Bericht des ORF