Sterne#

Sterne

In den populären Vorstellungen waren Sonne und Mond wichtiger als die Sterne. Die Beschäftigung damit war seit der Antike die Sache von Spezialisten, die nicht zwischen Astronomie und Astrologie unterschieden. Die Astronomie schuf die rechnerischen Unterlagen für die Deutung durch die Astrologie. Deren Anfänge gehen auf die babylonischen Chaldäer und die Ägypter zurück. Die Griechen brachten die Lehren von der Wirkung der Planeten und Tierkreiszeichen auf die Menschen in ein System. Sie verwissenschaftlichten die Beobachtungen und Berechnungen. Durch die Vermittlung arabischer Kenntnisse über Spanien wurde die Astrologie im Abendland bekannt. Bis zur Renaissance waren die Astronomen häufig gläubige Sterndeuter. 

Von Johannes Kepler (1571-1630) ist überliefert, dass er als Wissenschaftler Astrologie ablehnte, aber aus wirtschaftlichen Gründen Horoskope erstellte, so auch für den humanistisch gebildeten Feldherren Wallenstein (1583-1634). Dieser machte seine Entscheidungen davon abhängig. Obwohl eine Prophezeiung eine ernsthafte Warnung für den Beginn des Jahres 1634 enthielt, erkannte Wallenstein zu spät die drohende Gefahr durch das Mordkomplott. Seit Isaac Newton (1643-1727) die Planetenbewegungen durch die Gravitation erklärte, wandten sich die Gebildeten von der Astrologie ab. Sie passte aber ins Weltbild der Romantiker, war in der Aufklärung verpönt und erlangte um 1900 neue Popularität. Horoskope in Kalendern und Zeitungen sind nach wie vor eine beliebte Lektüre. 

Allgemein ist die Rede vom Glücksstern oder Unglücksstern, unter dem das Leben oder ein Vorhaben steht. Von Sternschnuppen erwartet man, dass bei ihrem Anblick gedachte Wünsche in Erfüllung gehen. Sie werden auch als Vorzeichen gewertet und damit die Vorstellung verbunden, dass eine Arme Seele das Fegefeuer verlässt. 


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 779 f.
Wikipedia: Astrologie
Wikipedia: Wallenstein

Bild: Wallenstein und Kepler mit einem Himmelsglobus, Postkarte um 1900. Gemeinfrei