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Die Gloriette nach der Renovierung #

von Peter Diem
Gloriette renoviert
Die Gloriette in neuem Glanz - Foto: P. Diem

Der Bau#

Bereits Fischer von Erlach hatte die Bekrönung des Schönbrunner Berges durch ein Belvedere vorgesehen, das den adäquaten Abschluss der barocken Schlossanlage bilden sollte. Erst im Zuge der von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg durchgeführten Gartengestaltung konnte das Vorhaben endlich realisiert werden. Die Gloriette wurde im Jahre 1775 nach Plänen des genannten Architekten als frühklassizistischer Kollonadenbau auf der Hügelkuppe errichtet.

Der Baukörper setzt sich aus einem triumphbogenartigen Mittelteil und aus seitlichen rundbogigen Arkadenflügel zusammen. Der Mittelteil, der noch im letzten Lebensjahr Maria Theresias verglast wurde, ist von einem mächtigen Reichsadler auf der Weltkugel bekrönt, umgeben von Waffentrophäen. Das Flachdach wird von einer Balustrade eingefasst und diente bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Aussichtsplattform. Sie ist auch heute über Treppen begehbar.

Die darunter liegende Attika trägt die Inschrift: JOSEPHO II. AVGVSTO ET MARIA THERESIA IMPERANTIB. ERECT. CI)I)CCLXXV.
(Unter der Regierung von Kaiser Joseph II. und Kaiserin Maria Theresia errichtet 1775)

Die Schreibweise der Jahreszahl geht auf eine allgemeine Praxis bei den frühen Buchdruckern zurück, große Zahlen durch eine Kombination des Buchstaben C, des Buchstaben I und des antiken römischen Apostrophus (ähnlich der heutigen runden Klammer) darzustellen. So wurden M (=1000) durch die Form C-I-Apostrophus und D (=500) durch I-Apostrophus ersetzt.

Gloriette
Die Gloriette mit Seerosen - Foto: P. Diem

Mächtige Trophäenstücke#

Neben der Freitreppe zum verglasten Mittelteil, in dem sich heute das Café Gloriette befindet, gibt es auch seitliche Treppenanlagen, die von mächtigen Trophäenstücken gesäumt sind.

Dabei handelt es sich um Kompositionen aus antikisch-römischen Rüstungen mit Schilden, Feldzeichen und Löwen, die vom Bildhauer Johann Baptist Hagenauer geschaffen wurden.

Das zentrale Adlermotiv und die übrige Bauplastik wurden von Benedikt Henrici ausgeführt. Ein Großteil der Doppelsäulen, Kapitelle, Arkadenbögen und Gebälkstücke stammen aus dem 1568 von Maximilian II. begonnenen Renaissanceschloss Neugebäude. Ebenfalls von dort kommen die sogenannten Bukranien, das sind Stierköpfe, die im Inneren des Mittelrisalites den Fries schmücken. Das nie vollendete Schloss Neugebäude wurde im Jahre 1774 an das Militär abgegeben, um es zukünftig als Pulvermagazin zu nutzen. In der Folge verfügte Maria Theresia, die wertvollen Bauteile abzutransportieren und für die Gestaltung des Schönbrunner Gartens wieder zu verwenden.

Trophäen
Südostansicht - Foto: P. Diem

Verglasung der Gloriette und Renovierung#

Im 19. Jahrhundert wurde der verglaste Innenraum der Gloriette häufig als Speiseraum verwendet. Für die Zubereitung der Speisen errichtete man in unmittelbarer Nähe ein Küchenhaus, das um 1925 abgerissen wurde. Ein Jahr darauf wurde auch die Verglasung beseitigt. Ein Bombentreffer im Jahre 1945 zerstörte Teile des Ostflügels, die in den nachfolgenden Jahren wiederhergestellt wurden. Im Zuge einer 1994/95 durchgeführten Restaurierung wurde der Mittelteil der Gloriette wieder verglast.

September 2016 bis April 1917 wurde das Denkmal renoviert. Oberflächen und Bausubstanz wurden an dem triumphbogenartigen, verglasten Mittelteil und auf den beidseitig anschließenden Arkadenflügeln erneuert. Gearbeitet wurde außerdem an den Steinelementen inklusive Figuren sowie an Fenstern und Türen der Gloriette.

„Sie steht an einer sehr exponierten Lage, wir sind am höchsten Punkt in Schönbrunn“, begründete Herbert Polsterer, stellvertretender Direktor der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB), warum die aufwendigen Arbeiten notwendig geworden waren.

Veränderter Gelbton#

Im Zuge der Restaurierung wurde die Fassade in einem etwas verändertem Gelbton neu gestrichen. „Zuvor hat es Befundungen gegeben, wo wir die Originalfarbfassungen, die in den letzten 240 Jahren aufgebracht worden sind, freigelegt haben. Das war dann die Basis für das Restaurierziel“, so Polsterer.

Im Rahmen der Untersuchungen sei außerdem festgestellt worden, dass einige dekorative Teile wie etwa die Lorbeerkränze ursprünglich nicht weiß gestrichen, sondern grau belassen worden waren. Auch die gelbe Decke erhielt im Rahmen der Sanierung wieder den ursprünglichen Grauton.

Der Großteil der Renovierungsmaßnahmen konnte bereits im Dezember abgeschlossen werden, die Ausbesserung der Stufenschäden musste wegen der niedrigen Temperaturen auf das Frühjahr verschoben werden. Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Arbeiten während des laufenden Betriebs des Kaffeehauses und der Aussichtsplattform auszuführen, berichtete Polsterer. Die Einschränkungen für die Besucher seien aber gering gewesen, zeigte er sich zufrieden. Auch die geplanten Kosten von 750.000 Euro seien eingehalten worden.

Schönbrunn
Die Gloriette vom Schlosspark aus - Foto: P. Diem

Quellen#

Weiterführendes#


Redaktion: P. Diem