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vom 06.06.2017, aktuelle Version,

Ökonomenranking

Das Ökonomenranking ist ein Ranking, das Ökonomen in Deutschland, der Schweiz und Österreich nach drei verschiedenen Kriterien (Forschung, Medien, Politikberatung) bewertet. Es wurde in Deutschland erstmals 2013 erstellt und wird fortan jährlich veröffentlicht. Das Ökonomenranking versucht, die Leistung eines Wissenschaftlers umfassender zu bewerten.[1] Dies steht im Gegensatz zu der Konkurrenz, dem Handelsblatt-Ökonomenranking, das nur die reine Forschungsleistung bewertet. Das Ranking wird in Deutschland von der FAZ in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern erarbeitet, in der Schweiz von der NZZ und in Österreich von der Zeitung Die Presse publiziert.

Methodik

Das Ökonomenranking basiert auf der Aggregation von drei verschiedenen Rankings, die die Leistungen auf unterschiedlichen Gebieten messen: Forschung, Medienpräsenz und Politikberatung. Für das Ranking aus dem Jahr 2015 wurden im Bereich Forschung die Zitierungen von Ökonomen in wissenschaftlichen Journalen und ausgewählten Handbüchern und Monographien aus den Jahren 2011 bis 2015 mit Datenstand August 2015 erfasst. Dabei spielte es keine Rolle, in welchem Jahr ein Beitrag veröffentlicht wurde. Die Zitierungen wurden auf Basis der Forschungsdatenbank Scopus (Datenbank) von Elsevier erfasst. Da nur die letzten fünf Jahre berücksichtigt wurden, liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Einfluss. Die Lebensleistung, d.h. auch Zitierungen vor dieser Periode, eines Wirtschaftswissenschaftlers wird damit nicht abgebildet. Das zweite Ranking befasst sich mit der Medienpräsenz der Wissenschaftler. Das Schweizer Institut Media Tenor hat für den Zeitraum August 2014 bis Juli 2015 alle Nennungen von Ökonomen in überregionalen deutschen Zeitungen, Fernsehsendungen und Rundfunknachrichten gezählt. Dies geht über eine reine Zitatezählung hinaus, d.h. der Name musste in Verbindung mit einer längeren Erklärung stehen, um gezählt zu werden. Dazu musste das Zitat auf rund fünf Zeilen ausgeführt sein. Für die Messung der Politikberatung wurde von dem Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE), ECONWATCH – Gesellschaft für Politikanalyse e.V.  und der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) eine Umfrage unter Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie hohen Ministerialbeamten auf Bundes- und Landesebene ermittelt. Diese sollten angeben, den Rat oder die Publikationen von welchen Ökonomen sie besonders schätzen, wobei sie insgesamt bis zu fünf Ökonomen nennen konnten. Insgesamt zählte die Umfrage 101 Teilnehmer, wovon 98 die Frage nach den Ökonomen beantworteten.[2]

Um in dem aggregierten Ranking gelistet zu werden, musste ein Ökonom zwei Bedingungen erfüllen: Zunächst musste dieser mindestens fünf Medienzitate oder fünf Rangpunkte in der Politikumfrage erzielen. Darüber hinaus mussten mindestens fünf Zitate in Fachzeitschriften aus der Datenbank Scopus vorliegen. Die Ökonomen wurden in jeder Kategorie gerankt. Der jeweils Erstplatzierte erhielt 250 Punkte, alle anderen bekamen gemäß ihrer Leistung proportional ihre Punkte. Das Gesamtranking ergab sich aus der Summe der Punkte der Einzelrankings, wobei das Forschungsranking doppelt gezählt wurde. Das maximal erzielbare Ergebnis waren somit 1000 Punkte.

F.A.Z.-Ökonomenranking

2016

Das Gesamt-Ranking 2016 wurde am 3. September 2016 veröffentlicht:[3]

Rang Name Institution Medien (Zitate) Medien (Punkte) Politik (Nennungen) Politik (Punkte) Forschung (Zitate) Forschung (Punkte) Punkte Summe
1 Ernst Fehr Universität Zürich 6 6 9 19 13039 250 525
2 Hans-Werner Sinn Ifo-Institut 262 244 110 235 423 8 496
3 Clemens Fuest Ifo-Institut 227 212 117 250 279 5 472
4 Marcel Fratzscher Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin 268 250 84 179 1052 20 470
5 Lars Feld Walter-Eucken-Institut 55 51 51 109 693 13 187
6 Bruno S. Frey Center for Research in Economics, and Statistics Center for Research in Economics, Management and the Arts 7 7 0 0 4428 85 176
7 Armin Falk Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 8 7 7 15 2971 57 136
8 Peter Bofinger Julius-Maximilians-Universität Würzburg 52 49 33 71 24 0 120
9 Axel Ockenfels Universität zu Köln 25 23 9 19 1843 35 113
10 Achim Wambach Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 35 33 29 62 177 3 101

2015

Die F.A.Z. weist auf ihrer Webseite die Top 100 des aggregierten Rankings aus. Die Top 10 für das Jahr Ranking von 2015 ist gegeben durch:

  1. Hans-Werner Sinn
  2. Ernst Fehr
  3. Marcel Fratzscher
  4. Clemens Fuest
  5. Bruno S. Frey
  6. Peter Bofinger
  7. Lars Feld
  8. Armin Falk
  9. Gustav Horn
  10. Claudia Kemfert

Die Ergebnisse in den Einzelrankings zeigen, dass kein Ökonom in allen Kategorien stark präsent ist; der Fokus scheint hingegen entweder auf Medien- und Politikpräsenz oder aber auf Forschung gelegt zu werden.[2]

Im Folgenden werden die Top 10 aus den Jahren 2014 und 2013 dokumentiert. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Ergebnisse nicht direkt miteinander zu vergleichen sind, da sich die Methodik jedes Jahr leicht geändert hat.[4][5][6][7]

2014

Die Top 10 aus dem Jahr 2014 ist gegeben durch:[8]

  1. Hans-Werner Sinn
  2. Marcel Fratzscher
  3. Axel Ockenfels
  4. Ludger Wößmann
  5. Dietmar Harhoff
  6. Clemens Fuest
  7. Friedrich Schneider
  8. Lars Feld
  9. Gert Wagner
  10. Christoph Schmidt

2013

Die Top 10 aus dem Jahr 2013 ist gegeben durch:[9]

  1. Lars Feld
  2. Christoph Schmidt
  3. Marcel Fratzscher
  4. Kai Konrad
  5. Hans-Werner Sinn
  6. Claudia Kemfert
  7. Jürgen Wasem
  8. Claudia Buch
  9. Clemens Fuest
  10. Gert Wagner

NZZ-Ökonomenranking

2016

Die NZZ weist auf ihrer Website für das Ranking 2016 48 Ökonomen aus. Die Top 10 setzt sich zusammen aus:[10]

  1. Ernst Fehr, Universität Zürich
  2. Reiner Eichenberger, Université de Fribourg
  3. Jan-Egbert Sturm, KOF Zürich
  4. Bruno S. Frey, Center for Research in Economics, and Statistics Center for Research in Economics, Management and the Arts
  5. Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut
  6. Mathias Binswanger, FH Nordwestschweiz
  7. Monika Bütler, Universität St. Gallen
  8. Heiner Flassbeck, Flassbeck Economics
  9. Alfonso Sousa-Poza, Universität Hohenheim
  10. Klaus Wellershoff, Wellershoff & Partners

2015

Die NZZ weist auf ihrer Website für das Ranking 2016 51 Ökonomen aus. Die Top 10 für das Jahr 2015 sind:[11]

  1. Ernst Fehr
  2. Jan-Egbert Sturm
  3. Bruno S. Frey
  4. Reiner Eichenberger
  5. Hans-Werner Sinn
  6. Monika Bütler
  7. Christoph Schaltegger
  8. Klaus Wellershoff
  9. Aymo Brunetti
  10. Ernst Baltensperger

Die Presse-Ökonomenranking

2016

Das Ranking wurde am 3. September 2016 veröffentlicht[12]

  1. Ernst Fehr, Universität Zürich
  2. Karl Aiginger, Wifo Wien
  3. Bernhard Felderer, Economica-Institut Wien
  4. Friedrich Schneider, Universität Linz
  5. Gottfried Haber, Donau-Universität Krems
  6. Hans-Werner Sinn, Ifo-Institut
  7. Christian Helmenstein, Economica-Institut Wien
  8. Stephan Schulmeister, Wifo Wien
  9. Christian Keuschnigg, Universität St. Gallen
  10. Margit Schratzenstaller, Wifo Wien

2015

Die Presse weist für das Ranking 2015 für Österreich 23 Ökonomen aus. Die Top 10 für das Jahr 2015 sind:[13]

  1. Friedrich Schneider
  2. Hans-Werner Sinn
  3. Marcel Fratzscher
  4. Christian Keuschnigg
  5. Karl Aiginger
  6. Stephan Schulmeister
  7. Lars Feld
  8. Sigrid Stagl
  9. Margit Schratzenstaller
  10. Bernhard Felderer

Ein Vergleich der Top 10 zwischen den drei Ländern zeigt, dass vereinzelt Ökonomen aus Deutschland auch in den Nachbarländern zur wirtschaftspolitischen Debatte beitragen als auch in den dortigen Medien präsent sind. Dies gilt aber auch für den Schweizer Ökonomen Ernst Fehr, welcher auch in den deutschen Top 10 vertreten ist.

Kritik

Ein Kritikpunkt an dem Ranking bezieht sich auf die Aggregation zum Gesamtranking. Die Bedingung, dass ein Ökonom mindestens fünf Punkte im Medien- oder Politikranking erhalten muss, um im Gesamtranking berücksichtigt zu werden, ist problematisch. Wenn Forscher aus dem Forschungsranking ausgeschlossen werden, führt dies zu einer Verzerrung des Forschungsrankings und damit auch zu einer Verzerrung des Gesamtrankings. Insgesamt ist der Schwellenwert von fünf ad hoc gewählt. Per se führt eine Verwendung von Schwellenwerten automatisch zu einem Ausschluss bestimmter Wissenschaftler für ein Ranking.[2]

Einzelnachweise

  1. Deutschlandradio Kultur. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  2. 1 2 3 Klaus Wohlrabe: Die Ökonomen-Rankings 2015 von Handelsblatt, FAZ und RePEc: Methodik, Ergebnisse, Kritik und Vergleich. cesifo-group.de, abgerufen am 12. Juli 2016
  3. Deutschlands einflussreichste Ökonomen, abgerufen am 3. September 2016
  4. Methodik F.A.Z Ranking 2014. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  5. Methodik F.A.Z Ranking 2012. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  6. Anmerkungen zum F.A.Z. Ranking 2013, ifo Working Paper. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  7. Anmerkungen zum F.A.Z. Ranking 2014, ifo Schnelldienst. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  8. FAZ.net. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  9. FAZ.net. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  10. Die vollständigen Ranglisten nzz.ch. Abgerufen am 3. September 2016.
  11. nzz.ch. Abgerufen am 26. Juli 2016.
  12. Die Resultate in Österreich
  13. diepresse.com. Abgerufen am 26. Juli 2016.