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vom 04.12.2018, aktuelle Version,

Achenseebahn

Jenbach–Seespitz am Achensee
Bahnhof Seespitz am Achensee
Bahnhof Seespitz am Achensee
Kursbuchstrecke (ÖBB): 311
Streckenlänge: 6,80 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Maximale Neigung: Adhäsion 25 
Zahnstange 160 
Minimaler Radius: Adhäsion 100 m
Zahnstange 120 m
Zahnstangensystem: Riggenbach
0,000 Jenbach (Übergang von Unterinntalbahn) 530 m
0,205 Beginn der Zahnstange
1,395 Burgeck 624 m
3,634 Ende der Zahnstange
3,665 Eben 970 m
4,823 Maurach 956 m
5,3 Maurach-Mitte (seit 2012) 959 m
6,2 Seespitz (bis 1929)
6,760 Seespitz am Achensee 931 m

Die Achenseebahn ist eine schmalspurige Zahnradbahn in Österreich in Meterspur. Sie führt von Jenbach zum Seespitz am Achensee und wurde 1889 eröffnet. Die Strecke ist nicht elektrifiziert, wird fahrplanmäßig ausschließlich mit Dampflokomotiven befahren und dient überwiegend dem touristischen Betrieb.

Geschichte

1886 beantragte Konsul Theodor Friedrich Freiherr von Dreifuss aus Grüneck beim Dorf Kreuth in Oberbayern die Konzession für eine Zahnradbahn- und Eisenbahnverbindung von Jenbach im Inntal bis zur Südspitze des Achensees. Trotz Bedenken der Seeanrainer gegenüber dieser damals neumodischen Zahnradbahn erteilte Kaiser Franz Josef der Erste nach Befürwortung durch das Kloster Fiecht, das den Achensee besaß und darauf Dampfschifffahrt betrieb, am 1. August 1888 die Konzession zum Bau und Betrieb einer schmalspurigen Lokomotiv-Eisenbahn mit gemischtem Adhäsion- und Zahnschienen-Betrieb auf neunzig Jahre. Die zum Teil in Gold handschriftlich geschriebene Urkunde mit kaiserlichem Siegel ist noch unversehrt im Besitz der Achenseebahn.

Gebäude des ehemaligen alten Bahnhofs am Seespitz

Am 8. Juni 1889 wurde die ursprünglich 6,36 Kilometer lange Strecke feierlich eröffnet, endete aber bereits einige hundert Meter früher als heute, bei den alten Bahnhofsgebäuden der Achenseebahn, die heute noch stehen. Eine Schleppbahn mit 600 Millimeter Spurweite führte zur heutigen Station Seespitz und somit der Dampferanlegestelle. Die österreichische Militärverwaltung ließ 1916 die Schleppbahn auf 1000 Millimeter umspuren, wobei die Lokomotiven diesen Streckenabschnitt nicht befahren durften. Die Achenseebahn konnte das Gleis schließlich erwerben und ab dem 23. Juli 1929 mit ihren Zügen befahren. Die Strecke verlängerte sich damit auf 6,76 Kilometer. An der neuen Endstation Seespitz/Achensee existieren seitdem ein neues Stationsgebäude und ein neuer Dampfersteg. Nach Umbau von 1971 zur Anpassung an aktuelle Bedürfnisse besteht diese Anlage bis heute. Im Jahr 2012 wurde der Haltepunkt Maurach-Mitte in Betrieb genommen.[1] 2013 wurde der damalige Betriebsleiter vorzeitig entlassen; seither läuft ein Gerichtsprozess.[2][3] Seit Herbst 2018 ist der Weiterbestand der Achenseebahn AG auf Grund desolater Strecke, desolater Fahrzeuge und finanzieller Probleme gefährdet.[4][5]

Eigentumsverhältnisse

Eigentümer und Betreiber ist die Achenseebahn AG, deren Kapital sich zu 30,2 Prozent in den Händen der Anliegergemeinden befindet.[6]

1950 hielten die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) die Mehrheit der Aktien. 1979 übernahmen die umliegenden Gemeinden diese. Nun wurde die Flachstrecke mit Hilfe von Bund und Land saniert. Die Gemeinden Eben, Jenbach und Achenkirch waren seit 1991 Hauptaktionäre.[7] 2009 wurden das Aktienkapital der AG erhöht, seitdem verfügen die drei Gemeinden statt über 70 Prozent nur noch über 30,2 Prozent des Aktienkapitals.[6]

Ausbaupläne: Verlängerung und Nahverkehr

Der örtliche ÖPNV wird weitestgehend mit Autobussen bedient.[8] Es bestehen allerdings Überlegungen, das zu ändern. Im Zuge einer anstehenden Streckensanierung soll auch die Möglichkeit eines Ausbaus zu einer modernen elektrischen Regionalbahn und eine Verlängerung bis Pertisau berücksichtigt werden. Die Infrastruktur soll dazu so ausgelegt werden, dass ein Dampfzugbetrieb im Stundentakt mit zeitweiser Verdichtung in der Hauptsaison bis Seespitz zusammen mit einem elektrischen Betrieb über die Gesamtstrecke möglich wird. Gedacht ist dabei an einen Betrieb mit Elektrotriebwagen. Geeignete Fahrzeuge konnten von den Appenzeller Bahnen in der Schweiz übernommen werden. Mit ihnen sollen Fahrzeiten von acht Minuten von Jenbach bis Eben und von 25 Minuten von Jenbach nach Pertisau möglich sein.[9]

Streckenbeschreibung

Bergfahrt

Bahnhof Jenbach

Beginn des Zahnstangenabschnitts bei der Remise im Bahnhof Jenbach

Die knapp sieben Kilometer lange Strecke beginnt im Bahnhof Jenbach, dem einzigen österreichischen Bahnhof mit drei unterschiedlichen Spurweiten. Hier treffen sich die normalspurige ÖBB, die 760-mm-Schmalspur der Zillertalbahn und die Meterspur der Achenseebahn.

Zahnradstrecke Jenbach–Eben

Zug auf Bergfahrt (1977)

Die Steilstrecke von Jenbach hinauf nach Eben ist mit einer Leiterzahnstange nach dem System Riggenbach ausgestattet, da hier eine maximale Steigung von 160 Promille überwunden werden muss. Auf der Steilstrecke muss die Lokomotive immer auf der Talseite des Zuges eingereiht sein, die Züge von Jenbach zum Achensee werden deshalb bis Eben geschoben.

Flachstrecke Eben–Seespitz/Achensee

Zug am Ufer des Achensees

In Eben umfährt die Lok den Zug und zieht ihn dann ohne Zahnrad in leichtem Gefälle vorbei an Maurach zum Seespitz am Ufer des Achensee. Dort besteht Anschluss zu den Schiffen der Achensee-Schifffahrt. In Seespitz setzt die Bahn erneut um, so dass die Beiwagen bis Eben gezogen werden und hier das Umsetzen entfällt.

Betriebsmittel

Lokomotiven

Lok 2 „Jenbach“

Zur Eröffnung der Achenseebahn wurden 1889 vier Zahnrad-Dampflokomotiven mit der Achsfolge Bzt-n2 beschafft. Sie erhielten die Nummern 1 bis 4 und die Namen Theodor, Hermann, Georg und Carl. Lokomotive 4 wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg als Ersatzteilspender herangezogen und in Folge verschrottet. Der Betrieb wurde bis 2005 ausschließlich mit den verbliebenen drei Maschinen geführt, die als die ältesten Zahnradbahnlokomotiven Österreichs gelten. Im Jahr 2005 wurde eine aus aufgearbeiteten Altbestandteilen der anderen Maschinen und einigen Ersatzteilen rekonstruierte Lokomotive 4 erstmals wieder angeheizt. Allerdings diente sie hier nur als stehende Filmkulisse und es fehlten noch einige wichtige Teile, um sie in den Betrieb nehmen zu können. Nachdem die Lokomotive 1 am 16. Mai 2008 bei einem Brand im Heizhaus in Jenbach schwer beschädigt wurde,[10] wurde die Lokomotive 4 innerhalb dreier Monate mit nicht schadhaften Teilen der Lokomotive 1 dann auch einsatzfähig hergerichtet, so dass vorerst weiterhin drei Lokomotiven zur Verfügung standen. Bis Ende 2009 wurde die beschädigte Lokomotive 1 wieder neu aufgebaut und ist seitdem wieder betriebsfähig. Eine angedachte Ölfeuerung wurde wegen schlechter Erfahrungen bei der Zillertalbahn und Schafbergbahn aufgegeben.[11][12]

Wagen

Offener und geschlossener Wagen auf Bergfahrt

An Wagen stehen mehrere zweiachsige Personenwagen zur Verfügung, die 1889 von der Wagen- und Waggonfabrik, Eisen- und Metallgießerei Joh. Weitzer aus Graz gebaut wurden. Ein Zug besteht im Normalfall aus einem geschlossenen Wagen und einem offenen Sommerwagen, die bis Eben bergwärts geschoben und ab dort zum Seespitz gezogen werden. Weiters stehen für innerbetriebliche Transporte einige Güterwagen zur Verfügung, einen regulären Güterverkehr gibt es jedoch auf der Achenseebahn nicht mehr.

Wendezüge der Appenzeller Bahnen

AB BDeh 4/4 in Jenbach

Am 11./12. Juni 2018 wurden die BDeh 4/4 11 und 12 von den Appenzeller Bahnen für den geplanten Einsatz auf der Achenseebahn nach Jenbach gebracht. Im Herbst 2018 folgten restlichen Triebwagen 13–15 und die zugehörigen Steuerwagen ABt 111–115.[13] Die Fahrzeuge wurden für einen symbolischen Preis verkauft.[14] Wenige Wochen nach der Anlieferung und Aufstellung auf einem provisorischen Gleis wurden die Fahrzeuge mit Graffiti verunstaltet.[15]

Falls die Elektrifizierung der Achenseebahn nicht zustande kommt, sollen die Zahnradtriebwagen mit einem Hybridantrieb ausgestattet werden. Ob eine der beiden teuren Varianten zustande kommt, ist angesichts der angespannten finanziellen Lage der Achenseebahn fraglich. Zudem müssten die Drehgestelle der Trieb- und Steuerwagen für den Einsatz auf der Riggenbach-Zahnstange der Achenseebahn statt des Systems Strub auf der ursprünglichen Einsatzstrecke umgebaut werden.[13] Die Eignung der Triebwägen auf der weitaus steileren Achenseebahn ist ungeklärt (Achenseebahn 160 ‰ vs. Appenzeller Bahn 100 ‰).

Literatur

  • A. Chvatal: Große Geschichte einer kleinen Bahn – Achensee-Dampf-Zahnradbahn 1889–2014. Eigenverlag Pro Arte, Jenbach 2014.
  • W. Duschek, W. Pramstaller u. a.: Local- und Straßenbahnen im alten Tirol. Eigenverlag Tiroler MuseumsBahnen, Innsbruck 2008.
  • Karl Armbruster, Hans Peter Pawlik: Jenbach–Achensee, Die Tiroler Zahnradbahn. Verlag Slezak, Wien 1993, ISBN 3-85416-149-2.
  • Arthur Meyer, Josef Pospichal: Zahnradbahnlokomotiven aus Floridsdorf. Verlag bahnmedien.at, Wien 2012, ISBN 978-3-9503304-0-3.
  • Karl Armbruster: Die Tiroler Bergbahnen. Buchdruckerei G. Davis & Co., Wien 1914, Die Achenseebahn, S. 59–70 (Digitalisat bei der Südtiroler Landesbibliothek [abgerufen am 15. September 2017]).
  Commons: Achenseebahn  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Achenseebahn  – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. tt.com
  2. Fankhauser Eva-Maria: Achenseebahn: „Marchi ist bereit zurückzukehren“. In: Tiroler Tageszeitung. 19. Mai 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  3. Fankhauser Eva-Maria: Achenseebahn-Prozess dampft auf und ab. In: Tiroler Tageszeitung. 27. September 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  4. Zwicknagl Walter: Der Achenseebahn droht 2019 das Betriebsende. In: Tiroler Tageszeitung. 8. Oktober 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  5. Dähling Angela: Achenseebahn: Parteiübergreifender Schrei nach Rettungsanker. Tiroler Tageszeitung, 1. Dezember 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  6. 1 2 Die Museums-Eisenbahn: Zeitschrift für Kleinbahn-Geschichte. Nr. 1. DME Selbstverlag, 2015, ISSN 0936-4609, S. 8.
  7. Geschichte der Achenseebahn auf achenseebahn.at
  8. gwa: KBS 311 Jenbach – Achensee Schiffstation. In: IBSE-Telegramm. 298 (9/2015), S. 4.
  9. Zukunft der Achenseebahn. Auf: Homepage der Achenseebahn.
  10. orf.at
  11. Dähling Angela: Achenseebahnflotte komplett, Nein zur Umrüstung auf Öl. In: Tiroler Tageszeitung. 20. Oktober 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  12. Dähling Angela: Achenseebahn zieht Ruß dem Feinstaub vor. In: Tiroler Tageszeitung. 25. Oktober 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.
  13. 1 2 A. Huber, M. Rellstab: AB-Fahrzeuge nach Österreich. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8-9. Minirex, 2018, ISSN 1022-7113, S. 402.
  14. Martin Schneider: Nächster Halt Schrottplatz: Das passiert mit den alten Zügen der Appenzeller Bahnen. In: St. Galler Tagblatt (Online) vom 27. August 2018
  15. Großer Schaden durch Vandalenakt. In: tirol.orf.at. 30. November 2018, abgerufen am 4. Dezember 2018.