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vom 14.03.2018, aktuelle Version,

Andorn

Andorn

Gewöhnlicher Andorn (Marrubium vulgare)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Andorn
Wissenschaftlicher Name
Marrubium
L.

Der Andorn (Marrubium), Orant oder Mutterkraut ist eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) mit 47 Arten. Sie besitzt eine vor allem eurasische und nordafrikanische Verbreitung.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Andorn-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen.[1]

Generative Merkmale

Deckblätter (Brakteolen) werden meist ausgebildet; sie sind am Grund herabgebogen und krümmen sich von dort aus nach oben.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist schmal verkehrt-kegelförmig, meist von zehn Nerven durchzogen und läuft in fünf bis zehn Kelchzähne aus. Die Kelchröhre ist auf der Innenseite ihrer Öffnung dicht mit Trichomen besetzt. Die Krone ist zweilippig, die Oberlippe ist gerade und zweispaltig, die Unterlippe ist dreilappig. Die Kronröhre ist im Kelch eingeschlossen und kann auf der Innenseite einen unregelmäßigen Ring von Trichomen aufweisen. Die nicht über die Krone hinausragenden Staubblätter stehen parallel, das äußere Paar ist jedoch etwas länger.[1]

Die Klausenfrucht zerfällt in an der Spitze gestutzte Klausen.[1]

Systematik und Verbreitung

Marrubium alysson
Marrubium astracanicum
Ungarischer Andorn ( Marrubium peregrinum)
Marrubium supinum
Gewöhnlicher Andorn ( Marrubium vulgare)

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung reicht von den Atlantischen Inseln über Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien bis nach West-China und zum Himalaja. Marrubium vulgare, die am weitesten verbreitete Art, ist in Nordamerika, im südlichen Südamerika, auf Hawaii, in Neuseeland und in Neukaledonien eingebürgert.[2]

Es gibt insgesamt 47 Arten:[2][3]

In Europa kommen folgende elf bis zwölf vor:[1][4]

Folgende weitere Arten kommen nur in Nordwestafrika vor:

  • Marrubium alyssoides Pomel: Sie kommt nur in Algerien und in Marokko vor.
  • Marrubium aschersonii Magnus: Sie kommt nur in Tunesien vor.
  • Marrubium atlanticum Batt.: Sie kommt nur in Marokko vor.
  • Marrubium ayardii Maire: Sie kommt nur in Marokko vor.
  • Marrubium echinatum Ball: Sie kommt nur in Marokko vor.
  • Marrubium fontianum Maire: Dieser Endemit kommt nur im westlichen Rif-Gebirge in Marokko vor.
  • Marrubium heterocladum Emb. & Maire: Dieser Endemit kommt nur im Rif-Gebirge in Marokko vor.
  • Marrubium litardierei Marmey: Sie kommt nur in Marokko vor.
  • Marrubium multibracteatum Humbert & Maire: Sie kommt in zwei Unterarten nur in Marokko vor:[2]
    • Marrubium multibracteatum subsp. ayachicum (Humbert) Dobignard
    • Marrubium multibracteatum subsp. multibracteatum
  • Marrubium werneri Maire: Sie kommt nur in Marokko vor.

Folgende weitere Arten kommen nur in Vorderasien vor:

  • Marrubium astracanicum Jacq.: Sie kommt in Anatolien, im Irak und im Iran vor.
  • Marrubium bourgaei Boiss.: Dieser Endemit kommt nur in Südwest-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium catariifolium Desr.: Sie kommt im östlichen Anatolien, in Transkaukasien und im Kaukasusraum vor.
  • Marrubium cephalanthum Boiss. & Noë: Sie kommt in zwei Unterarten in der Türkei vor.[2]
  • Marrubium cordatum Nábelek: Sie kommt in Südost-Anatolien, im Irak und im westlichen Iran vor.
  • Marrubium crassidens Boiss.: Sie kommt im nördlichen Irak und im Iran vor.
  • Marrubium cuneatum Banks & Sol.: Sie kommt in Ost-Anatolien, im nördlichen Irak, im Iran, in Palästina und in Syrien vor.
  • Marrubium depauperatum Boiss. & Balansa: Dieser Endemit kommt nur in der Provinz Kayseri in Zentral-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium duabense Murata: Sie kommt im nordöstlichen Iran und in Afghanistan vor.
  • Marrubium eriocephalum Seybold: Sie kommt nur im nördlichen Irak vor.
  • Marrubium glechomifolium Freyn & Conrath: Sie kommt nur in Transkaukasien vor.
  • Marrubium globosum Montbret & Aucher ex Benth.: Sie kommt nur in Zentral- und Süd-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium heterodon (Benth.) Boiss. & Balansa: Sie kommt nur vereinzelt in Süd- und selten in Nord-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium hierapolitanum Mouterde: Sie kommt nur in Syrien vor.
  • Marrubium lutescens Boiss. & Heldr.: Sie kommt nur von West- bis Zentral- und Süd-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium parviflorum Fisch. & C.A.Mey. (eventuell inkl. Marrubium pestalozzae Boiss.),[5]: Sie kommt im inneren Anatolien, in Transkaukasien und im Iran vor, Funde von der Balkan-Halbinsel sind unsicher.
  • Marrubium persicum C.A.Mey.: Sie kommt im nordöstlichen Anatolien, in Transkaukasien und im nordwestlichen Iran vor.
  • Marrubium plumosum C.A.Mey.: Sie kommt im Kaukasusraum vor.
  • Marrubium procerum Bunge: Sie kommt nur im Iran vor.
  • Marrubium propinquum Fisch. & C.A.Mey.: Sie kommt nur in Transkaukasien und im Iran vor.
  • Marrubium rotundifolium Boiss.: Dieser Endemit kommt nur in West-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium sivasense Aytaç, Akgül & Ekici: Dieser Endemit kommt nur in der Provinz Sivas in Zentral-Anatolien vor.[3]
  • Marrubium trachyticum Boiss.: Dieser Endemit kommt nur in Zentral-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium vanense Hub.-Mor.: Dieser Endemit kommt nur in der Provinz Van in Ost-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium vulcanicum Hub.-Mor.: Dieser Endemit kommt nur in der Provinz Ağrı in Ost-Anatolien vor.[5]
  • Marrubium woronowii Popov: Sie kommt nur in Transkaukasien vor[6].
  • Marrubium yildirimlii Akgül & B.Selvi: Sie wurde 2015 erstbeschrieben und kommt in der Türkei vor.[2]

Folgende Naturhybriden wurden anerkannt:[2]

  • Marrubium ×bastetanum Coincy (= Marrubium supinum × Marrubium vulgare)
  • Marrubium ×humbertii Emb. & Maire (= Marrubium ayardii × Marrubium multibracteatum)
  • Marrubium ×paniculatum Desr. (= Marrubium peregrinum × Marrubium vulgare)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 J. Cullen: Marrubium L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 137–138 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Rafaël Govaerts (Hrsg.): Marrubium. In: World Checklist of Selected Plant Families = WCSP - The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 3. Januar 2018.
  3. 1 2 Zeki Aytaç, Gencay Akgül, Murat Ekici: A new species of Marrubium (Lamiaceae) from Central Anatolia, Turkey. In: Turkish Journal of Botany. Band 36, Nr. 5, 2012, S. 443–449 (PDF-Datei).
  4. Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 3: Dicotyledones (Convolvulaceae – Labiatae). Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1986, ISBN 2-8277-0153-7 (online).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 J. Cullen: Marrubium. In: Peter Hadland Davis (Hrsg.): Flora of Turkey and the East Aegean Islands. Vol. 7 (Orobanchaceae to Rubiaceae). Edinburgh University Press, Edinburgh 1982, ISBN 0-85224-396-0, S. 165–178.
  6. O. E. Knorring: Marrubium L. In: B. K. Shishkin, S. V. Yuzepchuk (Hrsg.): Flora of the USSR. Begründet von Vladimir Leontyevich Komarov. Volume XX: Labiatae (Ajuga – Neustruevia), Keter/Smithsonian Institution and the National Science Foundation, Jerusalem/Washington, D.C. 1976, ISBN 0-7065-1573-0, S. 155–165 (engl., übersetzt von N. Landau; russisches Original: Botanicheskii institut, Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad 1954, S. 233–248), Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fitem%2F95895%23page%2F181%2Fmode%2F1up~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
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