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vom 04.11.2016, aktuelle Version,

Anja Salomonowitz

Anja Salomonowitz (* 12. November 1976 in Wien) ist eine österreichische Film- und Theaterregisseurin und Drehbuchautorin.

Leben

Anja Salomonowitz begann ein Studium der Kunstgeschichte und Film- und Theaterwissenschaft an der Universität Wien, wechselte jedoch bald an die Filmakademie Wien, wo sie sich auf Regie und Schnitt spezialisierte. Als Filmeditorin besuchte sie auch die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg.[1]

Anja Salomonowitz leitete zahlreiche Workshops zu Dokumentarfilm, etwa an der Aalto-Universität und der Filmakademie Wien. [2] Seit September 2013 ist sie Obfrau von dok.at.[3]

Werk

Eine ihrer frühesten Arbeiten waren vier zu einem Kurzfilm aneinandergereihte „Werbespots“ gegen Rassismus: get to attack. Bereits hier wird ihre filmschafferische Linie, gesellschaftspolitische Probleme subversiv zu thematisieren, erkennbar. Ihr erster Film, der regulär in den Kinos startete, war der 52-minütige Dokumentarfilm Das wirst du nie verstehen (2003). Darin konfrontiert sie sich selbst und Familienmitglieder mit ihrer Familiengeschichte: Die jüdische Großtante war im Konzentrationslager, ihr Kindermädchen im sozialistischen Widerstand und ihre Großmutter „tat nichts“.[1] Der Film ist durchgehend in Weiß gehalten: Weiße Kleidung und Hintergrund sorgen für Neutralität, die Konzentration des Zusehers wird auf die Worte ihrer Familienmitglieder, die meist in Alltagssituationen aufgenommen wurden, gelenkt.[4]

In ihrem, mit nur einer Minute Länge kürzesten, Film Codename Figaro – ein Beitrag zum Mozartjahr 2006 – wirft sie im gespielten Telefonat einer Frau mit ihrem ausländischen Verlobten die ironische, da auf die österreichische Einwanderungspolitik bezogene, Frage auf, ob „die Hochzeit des Figaro“ nur eine Scheinehe gewesen sei. Die beiden Menschen fragen sich gegenseitig im Telefonat die Antworten auf mögliche Fragen der Fremdenpolizei: „Was hast du mir zur Hochzeit geschenkt?“, „Wo habe ich Muttermale?“ Der Film endet mit einer Aufforderung: „Heiraten Sie einen Migranten aus Liebe, es ist eine Chance für ihn, in Österreich leben und arbeiten zu dürfen.“[5]

Danach folgte Kurz davor ist es passiert, ein Dokumentarfilm über Frauenhandel. Die betroffenen Frauen werden nicht selbst gezeigt, stattdessen werden Ihre Geschichten von Laiendarstellern erzählt. Durch die gekonnte Hinterfragung und Brechung üblicher dokumentarischer Strategien und Möglichkeiten fand der Film Eingang in viele Bücher, Zeitschriften und Essays über Dokumentarfilm und wurde auf vielen Filmfestivals rund um die Welt gespielt.[6]

2012 realisierte Anja Salomonowitz ihren ersten Spielfilm: Spanien. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Dimitré Dinev. Die Musik stammt von Max Richter, die Hauptrolle des Sava wird von Grégoire Colin gespielt.

Im Mai 2015 präsentiere Anna Badora Anja Salomonowitz als Regisseurin von Der Junge wird beschnitten als Teil ihres Programms ihrer ersten Spielzeit als Intendantin des Wiener Volkstheaters.[7]

Filmographie

Dokumentarfilme:

  • 2003: Das wirst du nie verstehen, 52 min.
  • 2006: Kurz davor ist es passiert, 72 min.
  • 2013: Die 727 Tage ohne Karamo, 80 min.

Spielfilme:

  • 2012: Spanien, 102 min.

Kurzfilme:

  • 2000: Carmen, 23 min., Video
  • 2001: get to attack, 5 min
  • 2002: Projektionen eines Filmvorführers in einem Pornokino, 14 min., Video
  • 2005: Ein Monument für die Niederlage, Videoinstallation
  • 2006: Codename Figaro – Mozart 2006, 1 min., Video

Preise

  • Auszeichnungen für Die 727 Tage ohne Karamo:
    • 2013: Silver Eye Award, Jihlava Int. Documentary Film festival[3]

Einzelnachweise

  1. 1 2 Daniel Ebner, celluloid – die österreichische filmzeitschrift: Anja Salomonowitz – „Das wirst du nie verstehen“ (PDF; 9 kB). Ohne Datum (Seite abgerufen am 20. Oktober 2007)
  2. Lehre auf der Homepage der Künstlerin
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Anja Salomonowitz bei dok.at
  4. Dominik Kamalzadeh, Der Standard: Anders zeigen, um anders zu sehen. 9. Oktober 2007 (Seite abgerufen am 20. Oktober 2007)
  5. Inhaltsangabe zu Codename Figaro, www.anjasalomonowitz.at (Seite abgerufen am 20. Oktober 2007)
  6. Festival Screenings von Kurz davor ist es passiert
  7. Mayer, Norbert: Badora bringt am Volkstheater 22 Premieren in Die Presse vom 7. Mai 2015, abgerufen am 10. Juli 2015