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vom 25.03.2018, aktuelle Version,

Bahnstrecke Rakovník–Mladotice

Odb. Rakona–Mladotice[1][2]
Kursbuchstrecke (SŽDC): 162
Streckenlänge: 37,722 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: C3 / A1
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
von Rakovník (vorm. LB Rakonitz–Petschau–Buchau)
1,173 Odbočka Rakona
nach Bečov nad Teplou (vorm. LB Rakonitz–Petschau–Buchau)
4,669 Lubná
6,766 Příčina
11,165 Zavidov früher Petrowitz-Seiwedl
14,782 Všesulov
17,442 Čistá
Javornice
21,531 Strachovice
24,621 Kožlany früher Kozlan
26,955 Kralovice u Rakovníka früher Kralowitz
31,584 Trojany früher Trojan
von (Duchcov–) odb. České Zlatníky (vorm. EPPK)
38,895 Mladotice früher Mlatz
nach Plzeň (vorm. EPPK)

Die Bahnstrecke Rakovník–Mladotice ist eine Nebenbahn („regionální dráha“)[3] in Tschechien, die ursprünglich von der Lokalbahn Rakonitz–Mlatz (tschech.: Místní dráha Rakovník–Mladotice) als landesgarantierte Lokalbahn erbaut wurde. Sie verläuft von Rakovník über Čistá u Rakovníka nach Kralovice. Die restliche Strecke bis Mladotice wurde am 1. Januar 1997 wegen Oberbauschäden gesperrt.

Geschichte

Am 23. Januar 1897 wurde „dem Notar Vinzenz Feierseil in Karolinenthal, im Vereine mit dem Fabriksbesitzer Josef Čermák, Bürgermeister in Rakonitz, dem Baumeister Franz Saller in Prag und dem Großhändler Victor Arnstein in Čistá die Concession zum Baue und Betriebe einer als normalspurige Localbahn auszuführenden Locomotiveisenbahn von der Station Rakonitz der Staatsbahnlinie Rakonitz–Protivin über Petrowitz, Čistá, Kozlan und Kralowitz nach Mlatz zum Anschlusse an die Staatsbahnlinie Pilsen–Dux“ erteilt. Teil der Konzession war die Verpflichtung, den Bau der Strecke sofort zu beginnen und „binnen eines und einen halben Jahres“ fertigzustellen.[4]

Bahnhof Kralovice u Rakovníka (2013)
Der stillgelegte Abschnitt bei Trojany (2011)

Das Aktienkapital der Gesellschaft betrug insgesamt 1.185.400 Kronen. Ausgegeben wurden 4.947 Stück Stammaktien zu je 200 Kronen und 980 Stück Prioritätsaktien zu je 200 Kronen.[5] Die Gesellschaft hatte ihren Sitz in Prag.

Das Königreich Böhmen gewährte eine Garantie auf 70 Prozent des Grundkapitals in Höhe von 3.860.350 Kronen. Zudem garantierte das Königreich Böhmen eine Verzinsung von 4,76 % auf das Grundkapital. Zudem erwarb das Königreich Böhmen selbst Stammaktien im Wert von 375.400 Kronen, weitere Aktien im Wert von 614.000 Kronen gingen an örtliche Interessenten.[6]

Am 9. Juli 1899 wurde die Strecke eröffnet. Den Betrieb führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB) für Rechnung der Eigentümer aus.

Im Jahr 1912 wies der Fahrplan der Lokalbahn drei gemischte Zugpaare 2. und 3. Klasse aus. Sie benötigten für die 38 Kilometer lange Strecke zwischen zweieinhalb und drei Stunden. In Mlatz bestand Anschluss an die Züge von und nach Pilsen.[7]

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Oktober 1918 ging die Betriebsführung an die neu gegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über. Am 1. Januar 1925 wurde die Lokalbahn Rakonitz–Mlatz per Gesetz verstaatlicht und die Strecke wurde ins Netz der ČSD integriert.[8]

Die Indienststellung moderner Motorzüge durch die ČSD ermöglichte Anfang der 1930er Jahre eine signifikante Fahrzeitverkürzung als auch eine Verdichtung des Fahrplanes. Der Winterfahrplan von 1937/38 verzeichnete werktags sechs Personenzüge von Rakovník nach Mladotice, vier davon waren als Motorzug geführt. Die Motorzüge benötigten für die Strecke nunmehr eine Stunde und 16 Minuten.[9]

Im Zweiten Weltkrieg lag die Strecke zur Gänze im Protektorat Böhmen und Mähren. Betreiber waren jetzt die Protektoratsbahnen Böhmen und Mähren (ČMD-BMB). Kriegsbedingt kam es wegen Treibstoffmangels zur Abstellung der Motorzüge.[10] Am 9. Mai 1945 kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD.

Am 1. Januar 1993 ging die Strecke im Zuge der Auflösung der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehört sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC).

Am 1. Januar 1997 wurde der Abschnitt Čistá–Mladotice wegen Oberbaumängeln gesperrt. Der Reiseverkehr ging auf einen Schienenersatzverkehr über. Lediglich der 9,5 Kilometer lange Abschnitt Čistá–Kralovice u Rakovníka wurde 2001 für 38 Mio Kč wieder instandgesetzt, sodass dort ab Dezember 2001 wieder Reisezüge verkehren konnten.

Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013 wurde der Reiseverkehr zwischen Čistá und Kralovice u Rakovníka durch den zuständigen ÖPNV-Aufgabenträger Plzeňský kraj abbestellt.

Die Strecke Kralovice u Rakovníka – Mladotice steht zum Verkauf. Der Käufer muss mit einem Kaufpreis von mehr als 10 Millionen Kč rechnen.[11] Die Kosten für eine einfache Reparatur der Strecke wurden 2004 von SŽDC mit 80 Millionen Kronen angegeben. Für die komplette Sanierung und Ertüchtigung des Abschnittes sind dagegen 140 Millionen Kč kalkuliert. Allein der dann erforderliche Neubau der Brücke über den Mladotický potok kostet 20 Millionen Kč.[12]

Lokomotiven

Auf Rechnung der Lokalbahn Rakonitz–Mlatz beschaffte die betriebsführende kkStB drei Lokomotiven der kkStB-Reihe 97. Die Lokomotiven besaßen die Betriebsnummern 97.130–132. Die ČSD gab ihnen 1924 die neuen Nummern 310.047–49. Die 310.048 wurde 1947 an einen Industriebetrieb in Králův Dvůr verkauft, die beiden anderen wurden 1961 bzw. 1965 ausgemustert.[13]

Literatur

  • Miroslav Jelen: Zrušené železniční tratě v Čechách, na Moravě a ve Slezsku.; Dokořán, Praha 2009, ISBN 978-80-7363-129-1, S. 107–108.
  Commons: Railway line 162 (Czech Republic)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zdeněk Hudec u. a.: Atlas drah České republiky 2006–2007. 2. Auflage. Dopravní vydavatelství Malkus, Praha 2006, ISBN 80-87047-00-1.
  2. Artarias Eisenbahnkarte von Österreich-Ungarn und den Balkanstaaten, mit Stationsverzeichnis; Artaria & Co., Wien 1913
  3. Erlass der Regierung der Tschechischen Republik vom 20. Dezember 1995 (Memento des Originals vom 3. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/racek.vlada.cz
  4. Reichsgesetz für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder vom 16. Februar 1897
  5. http://www.geerkens.at/wpdetail.php?katalog=1&id=96@1@2Vorlage:Toter+Link/www.geerkens.at (Seite+nicht+mehr+abrufbar,+Suche+in+Webarchiven)  Info:+Der+Link+wurde+automatisch+als+defekt+markiert.+Bitte+prüfe+den+Link+gemäß+Anleitung+und+entferne+dann+diesen+Hinweis.
  6. Stanislav Pavlíček: Naše lokálky. Místní dráhy v Čechách, na Moravě a ve Slezsku; Dokořán, Praha 2002, ISBN 80-86569-13-6; S. 100
  7. Fahrplan 1912 der kkStB - gültig ab 1. Mai 1912
  8. Staatsgesetz der Tschechoslowakei Nr. 156/25@1@2Vorlage:Toter Link/portal.gov.cz (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)   Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937
  10. Deutsches Kursbuch – Jahresfahrplan 1944/45, Gültig vom 3. Juli 1944 an bis auf weiteres
  11. Železničáři zastavili zrušení mladotické trati. Nechcete ji?, Denik.cz, 11. September 2012
  12. Obce na Plzeňsku se nechtějí vzdát opuštěné tratě, stát ji chce prodat, iDNES.cz, 13. Juli 2011
  13. Josef Motyčka: Encyklopedie železnice. Parní lokomotivy ČSD. Band 5. Nakladatelství Corona, Praha 2001, ISBN 80-86116-23-9, S. 21.