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vom 11.09.2017, aktuelle Version,

Belagerung von Bonn (1703)

Belagerung von Bonn

Belagerung Bonn 1703
Datum 24. April bis 15. Mai 1703
Ort Bonn
Ausgang Sieg der Alliierten
Konfliktparteien

Frankreich Konigreich 1792  Frankreich
Spanien 1506  Spanien
Kurköln  Kurköln

Romisches Reich Heiliges 1400  Heiliges Römisches Reich
Republik der Sieben Vereinigten Provinzen  Vereinigte Niederlande

Befehlshaber

Yves d’Alègre

Menno van Coehoorn
Friedrich von Hessen-Kassel
Franz Nikolaus Fagel

Truppenstärke
10 Bataillone Infanterie
(3600 Mann)
1 Armeekorps mit 40 Bataillonen Infanterie und 60 Escadrons Kavallerie

Die Belagerung von Bonn im Jahre 1703 war ein Ereignis des Spanischen Erbfolgekrieges und wurde von den Truppen des niederländischen Generals Menno van Coehoorn und seinem Verbündeten dem Erbprinzen Friedrich von Hessen Kassel, dem späteren König von Schweden, der die Reichstruppen kommandierte und dabei von Generalleutnant Franz Nikolaus Fagel unterstützt wurde, durchgeführt. Bonn war eine befestigte Stadt des Kurfürstentums Köln.

Vorgeschichte

Im Mai 1703 entschied der Herzog von Marlborough, die Stadt Bonn wegzunehmen, die der Kurfürst von Köln den Franzosen übergeben hatte. Der Herzog wollte den Franzosen unbedingt diesen Stützpunkt abnehmen, der einzige über den sie am Niederrhein verfügten. Er zog daher ein Corps aus 40 Bataillone Infanterie, 60 Eskadrons Kavallerie, 140 schwere Belagerungsgeschütze und 50 schwere Mörser zusammen. (Die Feldkanonen kleineren Kalibers sind nicht aufgeführt.) Die Bonner Garnison bestand aus sechs französischen, zwei spanischen und zwei kurkölnischen Bataillonen, kommandiert von dem Marquis Yves d’Alègre.

Die Belagerung

Am 24. April begannen die preußische und die lüneburgische Kavallerie unter dem Befehl von Generalleutnant Bulau mit der Aufklärung gegen die Stadt. Am nächsten Morgen erschien der Baron Fagel mit den ersten Infanterieabteilungen. Das Feldlager wurde in Graurheindorf und Kreutzberg eingerichtet. Gleich nach der Ankunft wurde mit 200 Mann das Dörfchen Poppelsdorf besetzt. General van Coehorn erschien am 26. April und am Tag darauf die Artillerie, Kavallerie und Infanterie von Hessen-Kassel.

Beim Anblick der erscheinenden Streitkräfte sandte der Marquis d'Allègre ein Schreiben an den Herzog von Marlborough, ihn daran erinnernd, dass im Jahr zuvor zwischen den Kurfürsten von Köln und dem der Pfalz ein Abkommen geschlossen worden sei, das es verbiete, die Städte Bonn und Düsseldorf gegenseitig zu bombardieren, um die öffentlichen Gebäude, Kirchen und Paläste vor Schaden zu bewahren. Im Falle eines Angriffs auf Bonn, würde die Stadt Neuburg von Repressalien betroffen werden. Der Herzog antwortete allerdings, dass er davon nur ablassen könne, wenn sich die Belagerten ergäben.[1]

Marlborough legte dann für seinen Angriff drei Stoßrichtungen fest:

  • Die erste auf das rechtsrheinische sogenannte „Fort de Bourgogne“ (Beueler Schanze) durch van Coehoorn, unterstützt durch die Generalmajore Freisheim (oder Fiesheim), Erbesfeld (oder Elberfeld) und den Ingénieur de la Rocque.
  • Die zweite von Norden auf die die linksrheinische Flanke durch den Erbprinzen von Hessen-Kassel, unterstützt durch den Fürsten von Anhalt-Dessau, den Generalmajor Karl Wilhelm von Anhalt-Zerbst, den Generalmajor Tettau und den Ingenieur Hazard.
  • Die dritte kam von Süden und wurde kommandiert von Generalleutnant Fagel, unterstützt von den Generalmajoren de Dedem (oder Dedem) und Saint-Paul. Ingenieur vor Ort war der Oberst Reinhard.

Am 3. Mai begannen die Belagerer damit, die Annäherungsgräben zu eröffnen. Bereits am Abend wurde dreimal angegriffen, aber die Truppen des Prinzen von Hessen-Cassel und des Generals Dedem wurden durch die Schüsse der Verteidiger abgewehrt. Am Abend des folgenden Tages postierte van Coehorn drei Batterien am Rheinufer, eine, bestehend aus sechs Kanonen zerstörte die schwimmende Brücke auf das linke Rheinufer, eine zweite Batterie, bestehend aus 30 Kanonen beschoss die Mauern von Fort Bourgogne und die dritte Batterie, bestehend aus 12 Kanonen war gegen die rechte Flanke des Forts gerichtet. 18 Mörser und weitere 12 Geschütze waren in der Nähe der dritten Batterie aufgestellt worden.

Am 9. Mai befahl van Coehorn gegen Abend den Angriff auf eine Bresche in der Mauer des Forts. 400 Grenadiere, von vier weiteren Bataillonen unterstützt, begannen den Angriff. Gleich darauf befahl der französische Kommandant Monsieur de Rabutin die Evakuierung der Besatzung, die sich mit dem größten Teil per Boot auf die andere Seite des Rheins nach Bonn absetzte. Die Alliierten konnten daraufhin den Brückenkopf einnehmen.

Am 10. Mai postierten die Angreifer ihre Artillerie um. 80 Kanonen, 40 Mörser und 500 kleine Mörser wurden vor Bonn in Stellung gebracht und begannen eine Bresche zu schießen. Die Annäherungsgräben im Süden wurden weiter vorangetrieben. Nach dreitägigem Bombardement war in den Wällen ein Lücke entstanden, durch die 1200 Mann der Regimenter Royal und La Couronne mit 400 Reitern zu einem Ausfall vorgeschickt wurden. Sie griffen die Truppen des General Dedem an, und konnten einige Kanonen zerstören, sowie 200 bis 250 Mann ausschalten, bevor sie sich wieder hinter die Wälle zurückzogen.

Am 13. Mai griffen die Truppen des Prinzen von Hessen-Kassel die Nordfront der Festung an, wobei sie von der Artillerie unterstützt wurden. Trotz des massiven Widerstandes der Belagerten konnten die Angreifer die erste und die zweite Contrescarpe erreichen und besetzt halten. Das Bombardement ging auch am nächsten Tag weiter, bis sich der französische Kommandant am 15. Mai Nachmittags entschloss, den Kampf aufzugeben.

Am nächsten Tag wurden die Kapitulationsbedingungen ausgehandelt und festgeschrieben. Danach zog die Garnison, bestehend aus 3600 Mann französischen, spanischen und kurkölnischen Soldaten mit allen militärischen Ehren nach der Festung Luxemburg ab.

Kapitulationsbedingungen

Die Kapitulation wurde vom Herzog von Marlborough und dem Marquis d'Alegre unterschrieben und enthielt 11 Artikel, von denen die zwei wichtigsten aufgeführt sind:

Art I. Die französische und spanische Garnison zieht aus, mit Waffen und Gepäck, Kugeln und Kartuschen, schlagenden Pauken und Trommeln, sowie blasenden Trompeten. Fahnen und Standarten sind ausgerollt. In den Bandeliers befinden sich Pulver und Blei für zwölf Schüsse. Die Kavallerie zu Pferd mit gezogenem Säbel, die Dragoner ebenfalls beritten, das Gewehr erhoben, mit aller Ausrüstung. Ebenfalls zwei sechspfündige Geschütze und zwei zwölfpfündige Geschütze (oder kleineres Kaliber), für jedes Geschütz Pulver und Kugeln für zwölf Schüsse.“

Art III. Daß die vorerwähnte Garnison den kürzesten Weg nach Luxemburg gehen wird. Eine Eskorte wird die Truppe bis nach Luxemburg begleiten. Man wird mit ihr die Städte, Dörfer und Gemeinden besprechen, in der man über Nacht bleiben wird. Die Eskorte wird aus ihnen jeweils für bis zu vier Tage Brot erhalten, auch werden Geiseln gestellt, die nach der Rückkehr der Eskorte mit Sicherheit zurückkehren können.“

Die erste Etappe führte nach Oberdreiz und Niederdreiz, die zweite und dritte nach Munstereuyffeldt (Münstereifel), die vierte nach Schmidem, die vierte nach Holstein und Neindorf (wahrscheinlich Neundorf (Sankt Vith)), die sechste und siebte nach Bronsfeldt (Bronsfeld) und Lunebek, die achte nach Jonken und Carlsosen, die neunte und zehnte nach Vianden, die elfte nach Etelbourg (wahrscheinlich ist Ettelbrück gemeint) und die zwölfte nach Luxembourg.[2][3]

Fußnoten

  1. « Histoire de Jean Churchill, duc de Marlborough », 1808 S.192.
  2. Guillaume de Lamberty, « Mémoires pour servir à l'histoire du XVIII siècle », 1725 S. 435.
  3. französische Bezeichnungen deutscher Ortsnamen sind immer kritisch zu betrachten, insbesondere wenn sie aus ferner Vergangenheit stammen, wie in diesem Fall. Oftmals haben Städte rein französische Namen (Aix-en-chapelle = Aachen) oder aber man nimmt es mit der Schreibweise nicht so genau – speziell wenn sich Probleme mit den Umlauten ergeben, die es im französischen nicht gibt und die manchmal angewendet werden und manchmal nicht, weswegen es gelegentlich zu Missverständnissen kommt.

Literatur

  • Jacques de Quincy „Histoire militaire du règne de Louis le Grand“ (Paris) 1726
  • Jean Churchill de Marlborough „Histoire de Jean Churchill, duc de Marlborough“ Éditeur Imprimerie Impériale (Paris) 1808 .
  • Jean de Vault „Mémoires militaires relatifs à la guerre d'Espagne sous Louis XIV“ Éditeur Imprimerie Royale(Paris) 1836
  • James Carmichël-Smith „Histoire abrégée des guerres dont les Pays-Bas ont été le théatre“ Éditeur F Oudart (Liége) 1843
  • Louis-Prosper Gachard Histoire de la Belgique au commencement du XVIII siècle Éditeur Librairie européenne C. Muquardt (Bruxelles) 1880