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vom 20.09.2016, aktuelle Version,

Burg Klingenstein (Steiermark)

Klingenstein
Blick von außen auf den Bergfried der Burg im November 2015

Blick von außen auf den Bergfried der Burg im November 2015

Alternativname(n): Salla
Entstehungszeit: um 1400
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Bauweise: unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk
Ort: Maria Lankowitz
Geographische Lage 47° 6′ 22″ N, 14° 57′ 39″ O
Höhe: 1000 m ü. A.
Burg Klingenstein (Steiermark) (Steiermark)
Burg Klingenstein (Steiermark)

Die Ruine der Burg Klingenstein liegt westlich des Dorfes Salla in der Marktgemeinde Maria Lankowitz in der Weststeiermark. Die Geschichte der Burg reicht bis in das Ende des 14. und den Beginn des 15. Jahrhunderts zurück. Sie befindet sich heute in Privatbesitz und wird seit 1983 von der Gemeinde Salla gesichert und saniert.

Standort

Blick vom Bergfried auf die Reste des Palas (links) sowie den Flankierungsturm (rechts)

Die Ruine der Höhenburg befindet sich bei 1000 m ü. A. auf einem von der Stubalpe nach Osten hin abzweigenden Bergrücken, der in einem nach Norden, Osten und Süden hin zum Sallabach und einem seiner Quellbäche steil abfallenden Felsplateau endet. Die Burg ist über einen Bergrücken im Westen mit Hinterland verbunden, der jedoch das Burgareal überhöht und deshalb durch einen Graben sowie durch mindestens drei Wehrtürme gesichert wurde.[1][2]

Geschichte

Die einst nur Salla genannte Burganlage wurde auf einem Gebiet errichtet, das der Kärntner Herzog Heinrich III. im Jahr 1103 dem Stift St. Lambrecht schenkte. Wann genau und von wem die Burganlage errichtet wurde, ist genauso wie die frühen Besitzer nicht bekannt. Die Mauertechnik lässt auf eine Entstehungszeit um 1400 schließen, womit die Grafen von Montfort als Bauherren in Frage kommen. Sollte die Bauzeit zutreffen, würde es sich bei Salla um einen für österreichische Verhältnisse relativ späten Burgbau handeln. Der Wehrbau sollte die sogenannte Reisstraße, den Übergang über das Gaberl, sichern, war aber aufgrund seiner relativ geringen Größe, er konnte nur von einem Ritter mitsamt Familie bewohnt werden, nur von geringem militärischen Wert.[1]

Im 16. Jahrhundert gehörte die Burg der Familie Saurau, und Maria Magdalena von Saurau brachte sie in ihre Ehe mit Ruprecht von Glojach ein. Der Verfall der Anlage dürfte bald danach eingesetzt haben, da sie bereits im Jahr 1629 als öde beschrieben wird. Da die protestantischen Glojacher die Steiermark verlassen mussten, verkauften sie die Burg Salla an die Familie Herberstein. Von den Herberstein kam das "öde Schloss" im Jahr 1650 mitsamt den umliegenden Wäldern an Leonore Eusebia Gräfin Wagensperg, die es mit ihrer Herrschaft Greißenegg verband. Die Burg wurde vermutlich durch einen Brand endgültig zerstört, worauf archäologische Grabungen hinweisen. Im Jahr 1834 fand erstmals der Name "Klingenstein", der sich vermutlich von den Marmorsteinbrüchen in der näheren Umgebung ableitet, für die Burg urkundliche Verwendung. Heute befindet sich die Ruine in Privatbesitz und wird seit 1983 von der Gemeinde Salla gesichert, wobei diese Sicherungs- und Sanierungsarbeiten in jüngerer Zeit auch die Form von Neubauten annahmen. In den Jahren 1993/94 führte das Bundesdenkmalamt archäologische Grabungen am Burggelände durch.[1][3]

Beschreibung

Die Reste des der Hauptburg vorgelagerten Westturmes

Der mächtige Bergfried hat einen unregelmäßig[4] dreieckigen Grundriss und zeigt mit einer scharfen Kante Richtung Westen, von woher der Weg zur Burg führt. Seine Mauern aus regellosen Bruchsteinmauerwerk sind 2,5 Meter dick und nur mit wenigen Lichtschlitzen versehen. Das aus örtlich häufig vorkommendem Marmor gefertigte Mauerwerk lässt auf eine Errichtung im späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert schließen. Der Zugang zum Bergfried erfolgte über das zweite Obergeschoss des östlich an den Bergfried angebauten, etwa 20[4] Meter langen und 7[4] Meter breiten Palas. Der drei- bis viergeschossige Palas wurde wahrscheinlich zusammen mit dem Bergfried erbaut, worauf das gleiche Mauerwerk sowie die unteren, im Verband gemauerten Scharen hindeuten. Im Erdgeschoss des Palas findet man etliche für Feuerwaffen ausgelegte Senkmaulscharten. Die einzelnen Stockwerke waren durch auf starken Holzbalken ruhende Holzböden voneinander getrennt.[4] Der Palas könnte in späterer Zeit aufgestockt worden sein, worauf die in den erhaltenen Obergeschossen vorhandenen großen Fensterlöcher hinweisen.[1][2]

An der Südseite des Palas befindet sich ein vorspringender viereckiger Flankierungsturm, der das ebenfalls südlich des Hauses unmittelbar hinter dem Bergfried liegende Burgtor sicherte. Das Burgtor liegt im ersten Obergeschoss über dem Steilabfall. Der Zugang zur Burg erfolgte früher vermutlich über eine südlich am Bergfried vorbeiführende Holzbrücke oder -rampe, deren Mauerlöcher für die Schubbalken heute noch in den Wangen des Burgtores erkennbar sind. Der östliche Teil der Ruine war stark verfallen, und der einstige Verlauf der Ringmauer konnte nur mehr erahnt werden. Im Zuge der ab 1984 durchgeführten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten wurden der östliche Burgteil sowie Teile des Flankierungsturmes ergänzt. Von der einstigen, der heiligen Katharina geweihten Burgkapelle ist nichts erhalten.[1][2]

Direkt vor dem Bergfried befand sich ursprünglich ein Graben, der bei einem später erfolgten Bau eines neuen Zufahrtsweges zugeschüttet wurde. Vorgelagert im Westen, entlang dem Weg zur Burg, befanden sich mindestens drei, früher vermutlich durch eine heute nurmehr in Resten erhaltene, von Osten nach Westen verlaufende Wehrmauer miteinander verbundene Wehrtürme. Diese Wehrtürme wurden auch teilweise als Reste einer älteren Burg angesehen. Von diesen Türmen hat sich der etwa 100 Meter von der Hauptburg entfernte Westturm am besten erhalten. Dieser Turm hat einen fächerförmigen Grundriss und weist ein lagerhaftes, unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk auf, was eine Errichtung im 15. Jahrhundert vermuten lässt. Der der Burg am nächsten gelegene Wehrturm hat einen viereckigen Grundriss und ist in seinen untersten Scharen noch relativ gut erhalten. Auch er zeigt ein unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk.[1][2] Nördlich der Burg findet man die Reste einer Zwingermauer, die zu einer kleinen, unterhalb der Burg gelegenen Bastion führt.[4]

Die beiden im Jahr 1659 erstmals genannten Bauernhöfe Hofbauer und Gregorbauer könnten auf ehemalige Wirtschaftsgebäude der Burg zurückgehen.[1][5]

Literatur

  • Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 156157.
  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 412.
  Commons: Burg Klingenstein  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Eintrag über Burg Klingenstein (Steiermark) auf Burgen-Austria
  2. 1 2 3 4 Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 156.
  3. Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 157.
  4. 1 2 3 4 5 Salla - Klingenstein. www.burgenseite.com, abgerufen am 5. Januar 2016 (deutsch).
  5. Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 412.