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vom 03.07.2015, aktuelle Version,

Christoph Pan

Christoph Pan (* 28. Januar 1938 in Bozen, Südtirol) ist Soziologe und Volksgruppenforscher.

Leben

Pan studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz). Seit 1961 ist er Leiter des Südtiroler Volksgruppen-Instituts in Bozen. 1971 erhielt er seine Habilitation in politischer Soziologie an der Universität Innsbruck, wo er bis zum Jahr 2000 lehrte. Von 1974 bis 1979 war er gleichzeitig Hochschullehrer an der Universität Salzburg. In seiner weiteren Laufbahn besetzte er von 1994 bis 1996 das Amt des Präsidenten der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen.

Pan hat mehrere Schriften zum Thema Minderheitenrechte sowie zu verschiedenen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Aspekten Südtirols verfasst.

Kritik

Umstritten ist Pans ethnozentrisches Volksgruppen-Konzept, das er 1972 in Abgrenzung zu Ralf Dahrendorfs „homo sociologicus“[1] entwarf: Pans „homo ethnicus“ rekurriert auf die reaktionäre Vorstellung der „Wesensgemeinschaft“ eines Volkes und einer von ihm postulierten „Volkssubstanz“.[2] Diese Vorstellungen flossen in das Volksgruppenkonzept der Sudetendeutschen Landsmannschaft ein, deren Karlspreis Pan 2004 erhielt.[3]

Schriften

  • Südtirol als volkliches Problem: Grundriss einer Südtiroler Ethno-Soziologie (Ethnos 9). Braumüller, Wien-Stuttgart 1971. ISBN 3-7003-0006-9
  • (mit Felix Ermacora): Grundrechte der europäischen Volksgruppen. Braumüller, Wien 1993. ISBN 3-7003-0989-9.
  • (mit Felix Ermacora): Volksgruppenschutz in Europa – Aktualisierter FUEV-Konventionsentwurf vom 12.5.1994. Braumüller, Wien 1995. ISBN 3-7003-1074-9.
  • (mit Beate Sibylle Pfeil): Die Volksgruppen in Europa – Ein Handbuch. Braumüller, Wien 2000. ISBN 3-7003-1313-6.

Einzelnachweise

  1. Ralf Dahrendorf: Homo Sociologicus. Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle. 4. Aufl., Köln/Opladen 1964.
  2. Christoph Pan: Grundelemente zur Theorie der Ethno-Soziologie. In: Theodor Veiter (Hrsg.): System eines Internationalen Volksgruppenrechts. Teil 2, Wien/Stuttgart 1972, S. 288–289.
  3. Ausführlich zu diesem Zusammenhang Samuel Salzborn: Geteilte Erinnerung. Die deutsch-tschechischen Beziehungen und die sudetendeutsche Vergangenheit. Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57308-2, S. 28–31.