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vom 26.08.2015, aktuelle Version,

Ein Kind

Ein Kind ist eine Erzählung des österreichischen Autors Thomas Bernhard auf autobiografischem Hintergrund aus dem Jahr 1982.

Inhalt

Der Erzähler, ein Kind, berichtet von den seelischen und körperlichen Misshandlungen durch seine Umgebung vor und während des Zweiten Weltkrieges. Als dieses Kind im Alter von acht Jahren eine Verwandte in Salzburg mit dem Rad besuchen möchte, misslingt ihm dies, wie so vieles in seinem Leben. Der einzige Lichtblick im Leben des Kindes sind die Besuche bei seinem Großvater, den es vergöttert und der es seinerseits sehr schätzt. So hält dieser die schlechten schulischen Leistungen seines Enkels für ein Armutszeugnis der Lehrer, die die Jugend seiner Meinung nach verschandelten und ruinierten. Durch die oftmaligen Umzüge der Familie und den ständigen Wechsel zwischen ländlicher Idylle und Freiheit einerseits und der als beklemmend empfundenen Großstadt andererseits, verstärkt noch durch die schwierige wirtschaftliche Situation seiner Mutter, befindet sich das Kind in Verwirrung. Man zieht schließlich nach Traunstein in Bayern, wo das Kind aber auch nur Probleme hat, da es sich nicht an den Rest der Klasse anpassen kann und deshalb verspottet wird. Aufgrund seiner schulischen Probleme und seines Ungehorsams wird das Kind im Jahr 1942 in ein Erziehungslager der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt geschickt, in dem es nur gequält und erniedrigt wird, vor allem, weil es Bettnässer ist. Allerdings freundet es sich schnell mit einem anderen, ähnlich verstoßenen Kind an. Die Erzählung endet damit, dass der Erzähler, der in diesem Fall wahrscheinlich mit dem Autor gleichzusetzen ist, sein ehemaliges Erziehungsheim aufsucht und dort erfährt, dass dort alles noch immer so ist, wie es auch schon zu seiner Zeit gewesen war.

Thematik

In diesem Werk verarbeitet Thomas Bernhard seine Erlebnisse während der ersten 13 Jahre seines Lebens, die für ihn sehr turbulent und richtungsweisend waren. Er war einerseits voller Bewunderung für seinen Großvater (Johannes Freumbichler), einen eher erfolglosen Schriftsteller. Andererseits liebte er auch seine Mutter, obwohl sie ihn sehr schlecht behandelte; er wusste, dass sie nicht auf ihn, sondern auf seinen Vater böse war. Die Erzählung schildert das Prägende von Kindheit für das weitere Leben, und wie sich Misshandlungen auswirken können.

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