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vom 26.02.2017, aktuelle Version,

Episode am Genfer See

Episode am Genfer See ist eine Novelle von Stefan Zweig aus dem Jahr 1927.[1] Der Erste Weltkrieg wird thematisiert.[2] Sehnsucht nach der Heimat treibt einen Fahnenflüchtigen heimwärts. Den kleinen Text mit dem ursprünglichen Titel Der Flüchtling hebt Bauer[3] als eine der „schönsten Erzählungen“ des Autors hervor.

Handlung

Im Sommer 1918 wird der völlig erschöpfte junge russische Soldat Boris in der Nähe von Villeneuve aus dem See gezogen. Er hatte erst in Russland und dann in einer russischen Division an der Front in Frankreich gegen die Deutschen gekämpft. Zu Beginn der Kämpfe hatte ihn eine Kugel ins Bein getroffen. Genesend war er seinem Pfleger entwischt. Der Marsch zur Frau und zu den drei Kindern in die Nähe des Baikal war in der Westschweiz zunächst nach kräftezehrendem Schwimmen ums Leben unterbrochen worden. Vor dem herbeigeeilten Polizeioffizier aus Montreux bezeichnet sich der Flüchtling Boris als Leibeigener des Fürsten Metschersky . Der Weibel von Villeneuve und der Polizist erörtern nun, ob Boris als Deserteur oder als dokumentenloser Ausländer zu behandeln sei . Einige sich einmischende Einwohner aus Villeneuve wollen den Russen nicht durchfüttern.

Der Manager eines großen Gasthofes hilft. Des Russischen mächtig, gewinnt er das Vertrauen des Soldaten und bringt ihn unter. Boris jedoch vermag sich in der Fremde nicht anzupassen und wendet sich am selben Abend flehentlich an den gütigen Manager: „Ihr wollt verzeihen, ich wollte nur wissen... ob ich nach Hause darf.“ Der Angesprochene bedauert. Da der Zar abgesetzt und kein Ende des Krieges abzusehen sei, führe der Weg durch Feindesland. Trotz zunehmender Verzweiflung wird dem Fragenden jede Aussicht auf die Rückkehr zu Frau und Kindern versagt. Boris bedankt sich bei seinem neuen Herrn für die Auskunft und ertränkt sich im See.

Literatur

Erstausgabe

Verwendete Ausgabe

  • Stefan Zweig: Episode am Genfer See. In: Novellen. Bd. 1, S. 121-131. Aufbau-Verlag, Berlin 1986 (3. Aufl.), ohne ISBN, Lizenzgeber: S. Fischer, Frankfurt am Main, (Copyright 1960), 288 Seiten

Sekundärliteratur

  • Arnold Bauer: Stefan Zweig. Morgenbuch Verlag Volker Spiess, Berlin 1996 (Bd. 21 der Reihe „Köpfe des 20. Jahrhunderts“), ISBN 3-371-00401-5
  • Gabriella Rovagnati: „Umwege auf dem Wege zu mir selbst“. Zu Leben und Werk Stefan Zweigs. Bouvier Verlag, Bonn 1998 (Bd. 400 der Reihe „Abhandlungen zu Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft“), ISBN 3-416-02780-9

Einzelnachweise

  1. Verwendete Ausgabe, S. 287
  2. Rovagnati, S. 52, Fußnote 19
  3. Bauer, S. 43