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vom 05.11.2018, aktuelle Version,

Erik Schinegger

Erik Schinegger
Nation Osterreich  Österreich
Geburtstag 19. Juni 1948 (70 Jahre)
Geburtsort Agsdorf, Österreich
Karriere
Disziplin Abfahrt, Riesenslalom, Slalom
Status zurückgetreten
Karriereende 1968
Platzierungen im alpinen Skiweltcup
 Weltcupsiege 1
 Gesamtweltcup 6. (1967)
 Abfahrtsweltcup 4. (1967)
 Riesenslalomweltcup 2. (1967)
 Slalomweltcup 21. (1967)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Abfahrt 0 2 0
 Riesenslalom 1 2 0
 

Erik Schinegger (* 19. Juni 1948 in Agsdorf, Kärnten als Erika Schinegger) ist ein ehemaliger österreichischer Skirennläufer. Aufgrund von Pseudohermaphroditismus wurde er bei seiner Geburt als Mädchen eingestuft. Erika Schinegger war als Skirennläuferin aktiv und wurde 1966 Weltmeisterin im Abfahrtslauf. Nach einer Geschlechtsüberprüfung beendete Schinegger die Karriere und ließ sich operieren.

Biografie

Erstmals aufmerksam wurde man auf Schinegger, als er am 14. Januar 1966 bei der Abfahrt in Grindelwald mit Start-Nr. 24 Rang drei belegte, und somit zu einem ÖSV-Vierfacherfolg (Christl Haas, Edith Zimmermann; Vierte Traudl Hecher) beitrug; er gewann weiters am 29. Januar die Abfahrt von St. Gervais mit 1,53 sec. Vorsprung auf Nancy Greene und am 25. März 1966 die Abfahrt in Sun Valley beim »Fünfländerkampf« (erneut vor Greene).[1][2][3]

Einer der größten Erfolge Schineggers war der Weltmeistertitel im Abfahrtslauf der Frauen bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft 1966 in Portillo. Beim Goldschlüsselrennen in Schruns erreichte Schinegger am 18. Jänner 1967 den zweiten Platz und am 28. Jänner 1967 folgte in Saint-Gervais der einzige Sieg in einem Weltcuprennen, einem Riesenslalom. Im Februar 1967 gewann Schinegger die österreichischen Meisterschaften im Riesenslalom.

Vor den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble wurde bei einem medizinischen Test festgestellt, dass Schinegger genetisch männlich ist. Schinegger, dessen Geschlecht aufgrund nach innen gewachsener Geschlechtsteile, eines sogenannten Pseudohermaphroditismus, jahrelang nicht richtig identifiziert worden war, entschied sich zu einer Operation und der Änderung seines Vornamens von Erika in Erik. Der Weltmeistertitel von 1966 wurde ihm nachträglich nicht aberkannt, aber die damals Zweite (Marielle Goitschel) bekam rückwirkend ebenso die Goldmedaille. Schinegger selbst überreichte seine WM-Goldmedaille einige Jahre später Marielle Goitschel.[4]

Erik Schinegger heiratete und wurde 1978 Vater einer Tochter.[4] Er lebt als Inhaber einer Kinderskischule und zweier Gasthöfe in seinem Heimatort Agsdorf in Kärnten.

1988 schrieb Erik Schinegger gemeinsam mit Marco Schenz das Buch Mein Sieg über mich. Der Mann, der Weltmeisterin wurde, in welchem er sein Leben aufarbeitete. Dieses Buch war vor allem in der französischen Übersetzung sehr erfolgreich. Die Geschichte Schineggers wurde 2005 von Kurt Mayer im Dokumentarfilm ERIK(A) – Der Mann der Weltmeisterin wurde[5][6] dargestellt (Musik: Olga Neuwirth). Auf dem 53. Trento Filmfestival wurde der Film im selben Jahr mit dem Silbernen Enzian ausgezeichnet.[7]

2014 nahm er an der ORF-Sendung Dancing Stars teil, schied aber verletzungsbedingt vorzeitig aus.[8] 2015 war er als Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Sankt Urban tätig.[9]

Am 17. März 2017 kam es auf Schineggers Anwesen in Agsdorf zu einem Großbrand, wobei das gesamte Wirtschaftsgebäude vollständig abbrannte.[10]

Im Spielfilm Erik & Erika von Reinhold Bilgeri aus dem Jahr 2018 wird sein Leben erneut thematisiert.

Auszeichnungen

  • Bei der am 19. Dezember 1966 durchgeführten Wahl zu „Österreichs Sportler des Jahres“ wurde Schinegger mit 837 Punkten (18 ersten Plätzen) Zweite(r) hinter Emmerich Danzer und damit praktisch „Sportlerin des Jahres“; auf Rang 3 kam Heidi Zimmermann.[11]
  • Vor der Anpassung zum Mann wurde Erik(a) Schinegger vom Sportpresseklub Kärnten zweimal (1966, 1967) bei der Wahl „Kärntner Sportler des Jahres“ beste Sportlerin.[12]

Werke

  • Erik/Erika Schinegger: Mein Sieg über mich. Der Mann, der Weltmeisterin wurde. aufgezeichnet von Marco Schenz, F.A. Herbig, München 1988, ISBN 0-283-92112-9
  • Erik Schinegger: Mit einem Porsche zu neuer Selbstsicherheit. In: Landesschiverband / Kleine Zeitung (Hrsg.): Vom Großglockner zum Klammer-Stich. 100 Jahre Schisport in Kärnten. Carinthia Verlag, 2007, ISBN 978-3-85378-622-2, S. 29–34.
  • Erik Schinegger: Der Mann, der Weltmeisterin wurde: Meine zwei Leben, aufgezeichnet von Claudio Honsal, Amalthea Signum Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-99050-114-6

Literatur

  • Matthias Marschik / Georg Spitaler (Hrsg.): Helden und Idole: Sportstars in Österreich, StudienVerlag, 2006, S. 355–359, ISBN 3-7065-4253-6
  • Erik Schinegger: an Intersex Epic in Alpine Skiing, in: Patricia Nell Warren: The Lavender Locker Room: 3000 Years of Great Athletes Whose Sexual Orientation Was Different, Beverly Hills, Wildcat Press 2006, S. 227, ISBN 1-889135-07-0

Siehe auch

Dokumentarfilm

  Commons: Erik Schinegger  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „Erika Schinegger – die Sensation von Grindelwald“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 10 vom 15. Januar 1966, Seite 8
  2. „Erika Schinegger trumpfte auf“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 23 vom 30. Januar 1966, Seite 7
  3. „Erika Schineggers großer Erfolg“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 71 vom 27. März 1966, Seite 6, unten
  4. 1 2 Der Standard, Erik Schinegger - Der Großvater der Weltmeisterin war, 23. Februar 2015
  5. http://ecx.images-amazon.com/images/I/41-Rvu3bsUL.jpg
  6. Online-Video bei Spiegel TV
  7. ORF-Pressemeldung: Silberner Enzian für ORF-kofinanzierte Kinodoku "Erik(a)", 10. Mai 2005
  8. "Dancing Stars": Erik Schinegger verlässt die Show, die Presse am 24. April 2014
  9. Der Großvater, der Weltmeisterin war - derStandard.at. Abgerufen am 19. Juni 2018.
  10. Großbrand bei Erik Schinegger - kaernten.ORF.at. Abgerufen am 17. März 2017.
  11. «Emmerich Danzer Sportler des Jahres». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 20. Dezember 1966, S. 12 (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv Digitalisat).
  12. Mediathek Villach: Favorit für Kärntens Sportler des Jahres ist „Mathias Mayer“, abgerufen am 28. Dezember 2015.