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vom 23.01.2017, aktuelle Version,

Erla (Gemeinde St. Pantaleon-Erla)

Erla (Dorf)
Ortschaft
Katastralgemeinde Erla
Erla (Gemeinde St. Pantaleon-Erla) (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Amstetten (AM), Niederösterreich
Gerichtsbezirk Amstetten
Pol. Gemeinde St. Pantaleon-Erla
Koordinaten 48° 11′ 57″ N, 14° 34′ 17″ Of1
Höhe 291 m ü. A.
Einwohner der Ortschaft 807 (2001)
Gebäudestand 242 (2001)
Fläche d. KG 13,76 km²
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 03282
Katastralgemeinde-Nummer 03110
Zählsprengel/ -bezirk Erla (30529 001)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS

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Erla ist der Name eines historischen Ortes im äußersten Westen von Niederösterreich. Es ist heute Teil der Gemeinde St. Pantaleon-Erla.

Die Erla ist außerdem ein knapp 40 km langer Bach, der dort - von Süden kommend - zur Donau umbiegt.

Der historische Ort

Erla hat heute etwa 1000 Einwohner, mit Klein-Erla etwas mehr.

Erla liegt in rund 240 m Höhe am Übergang des Hügellandes der Nibelungenstraße (hier Wiener Straße B 1) zu den Donauauen.

Im Umkreis von zwei Kilometern liegt ein Aussichtspunkt von der Nibelungenstraße über weite Strecken des Donautals, sowie der Nachbarort St. Pantaleon und der Flugplatz der Städte Sankt Valentin und Enns.

Nordwestlich von Erla zweigt der Ennskanal von der Donau ab. Dort gibt es seit September 2003 die längste Rundholzbrücke Mitteleuropas. Sie überspannt den Kanal mit 88 Metern auf vier Brückenpfeilern und wurde von der Firma Timber Force und dem Bundesheer gebaut. Diese neue Art des Brückenbaus mit Rundholz ist für Technik und Umweltschutz einmalig.

Erlakloster

Das in Erla um 1045 oder 1130 vom Adeligen Otto von Machland gestiftete und mit Schenkungen ausgestattete Benediktinerinnenstift „Erlakloster“ war das älteste in Niederösterreich. Erste Äbtissin war Gisela, die Schwester des Stifters. Es wurde 1583 mit dem Wiener Klarissenkloster vereinigt und 1782 unter Josef II. aufgehoben. Die ehemalige Stifts- und jetzige Pfarrkirche ist eine 3-schiffige spätgotische Staffelkirche. Der Chor (1438-48) hat ein Sternrippengewölbe und viele historische Grabdenkmäler. Das ehemalige Stift mit vier, einen Kreuzgang umschließenden Flügeln ist jetzt ein Schloss (siehe auch Schloss Erla).

Erla (Fluss)

Die Erla entspringt etwa 20 km südlich in den fruchtbaren Hügeln des niederösterreichischen Mostviertels, unweit der Stadt Steyr (Kürnberg). Im Gemeindegebiet von Erla biegt sie nach Südosten um und fließt rund 10 km parallel zur Donau durch deren Auen, bevor sie nahe dem Donaukraftwerk Wallsee in den Strom mündet. Der Strom ist nur 2 km entfernt und überschwemmt in regelmäßigen Abständen den flachen, fruchtbaren Landstreifen - der gegenüber am oberösterreichischen Ufer Machland heißt.

Persönlichkeiten

Wolfger von Erla

Die bekannteste Persönlichkeit der Region ist Wolfger von Erla (1140–1218), der als Bischof auch Wolfger von Passau genannt wurde.

Wolfger lebte in Erla bis zum Tod seiner Frau, wurde dann Priester und von Zell am See aus im Jahre 1191 zum Passauer Bischof berufen. Er war ein einflussreicher, rechtskundiger Mann im Spannungsfeld der staufischen Könige und dem jungen österreichischen Herzogtum.

Als Richard I. Löwenherz - vom Kreuzzug zurückkehrend - an der Donau als Geisel gefangen wurde, wirkte Wolfger 1195 an der Konfliktlösung mit. Nachdem er 1197/98 am Kreuzzug teilgenommen hatte, holte er die päpstliche Zustimmung für den 1190 von Kaufleuten gegründeten Deutschen Orden ein. Die Rechnung eines Pelzmantels, den Wolfger dem Minnesänger Walther von der Vogelweide schenkte, ist das einzige nicht-literarische Zeugnis über den Künstler.

Walther zählte neben anderen bayerischen und österreichischen Minnesängern zum literarischen Kreis des Bischofs. Die historische Umgebung von Erla - die Ostarrichi-Gedenkstätte von 996 ist etwa 20 km entfernt - könnte bei der letzten Fassung des Nibelungenliedes eine Rolle gespielt haben.

Der energische Wolfger von Erla wurde 1204 Patriarch von Aquileia, von wo aus er Istrien und Krain zurückgewann. Das Amt des Reichslegaten in Italien unter Otto IV. legte er nach dem IV. Laterankonzil 1215 zurück.

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