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vom 26.06.2017, aktuelle Version,

Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen

Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen
Rechtsform gemeinnütziger Verein
Gründung 1939
Sitz Gallneukirchen
Personen Josef Scharinger, Heinz Thaler
ZVR-Zahl 405344058
Angestellte 3 800
Website www.diakoniewerk.at
Mutterhaus Bethanien

Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen hat sich, ausgehend vom „Verein für Innere Mission“ - einem in Oberösterreich als Kernbundesland verankerten Verein, in der jüngeren Vergangenheit zu einer diakonischen Unternehmensgruppe entwickelt. Als innovatives Unternehmen ist das Diakoniewerk in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern im Sozial- und Gesundheitsbereich in Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Wien und an Auslandsstandorten tätig. Es entwickelt dabei zeitgemäße Angebote für Menschen mit Behinderung, für Menschen im Alter, im Bereich Gesundheit und in der Bildung. Dabei macht sich das Diakoniewerk, getragen von den Prinzipien der Sozialraumorientierung für eine inklusive Gesellschaft, der alle angehören können, stark. Das Diakoniewerk ist Mitglied der Diakonie Österreich, einem der fünf großen Wohlfahrtsverbände in Österreich.

Tätigkeitsfeld

Menschen im Alter finden in verschiedenen Tagesbetreuungs- und Wohneinrichtungen sowie zuhause besondere Begleitung. Für Menschen mit Behinderung ist das Diakoniewerk ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend in Arbeits- und Tagesstrukturen, Wohn- und Therapiemöglichkeiten, Beratungsangeboten sowie durch mobile Dienste aktiv. Kinder finden in den Kinderbetreuungseinrichtungen ebenso professionelle Begleitung und Ausbildung wie Schülerinnen und Schüler in den Schulen für Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe. Der Gesundheitsbereich umfasst die medizinische und pflegerische Versorgung, die Geburtshilfe und Gesundheitsvorsorge in Kliniken sowie vielfältige Therapieformen in Therapiezentren. Mit der Stadtteilarbeit, der Familienberatung und der Flüchtlingsarbeit reagiert das Diakoniewerk auf soziale Bedürfnisse und Nöte der Menschen. Mit regionalen Projekten und Initiativen wird den verstärkt auftretenden Ausprägungen von Armut begegnet. Das breite Tätigkeitsfeld wird durch drei Heime für Studierende, ein Hotel, eine Buchhandlung, eine Gärtnerei mit Bioladen und eine Weiterbildungsakademie ergänzt.

Das Diakoniewerk schöpft aus 140 Jahren Erfahrung in der Betreuung und Begleitung von Menschen. Ausgehend vom Diakonissenhaus Bethanien in Gallneukirchen haben die Diakonissen als Gemeinschaft evangelischer Schwestern die Betreuung von Menschen in Notlagen übernommen.

Heute bringen sich mehr als 3 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Fachkompetenz und Erfahrung in rund 190 Einrichtungen sowie einer großen Anzahl an Zusatzangeboten ein. Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei eine wertvolle Bereicherung.

Geschichte

Die Ursprünge reichen in die Zeit 1806 bis 1815 zurück, als der katholische Pfarrer Martin Boos in Gallneukirchen wirkte. Auf Grund seiner Predigten wendete sich ein Teil der Gläubigen vom katholischen Glauben ab, die so genannten Boosianer, aus denen später die evangelische Pfarrgemeinde (1846 als Teil der evangelischen Gemeinde von Thening, ab 1870 eigenständig) hervorging. Um 1864 erfuhr der Pfarrer Ludwig Schwarz von den Schriften Martin Boos und von Boosianern. Er ließ sich von Görz nach Gallneukirchen versetzen und wurde der erste Pfarrer der neu gegründeten evangelische Pfarre. 1874 gründete er mit der evangelischen Pfarrgemeinde den Verein für Innere Mission. Um geeignete Fachkräfte für die Hilfe und Pflege von hilfsbedürftigen Menschen zu bekommen griff der Verein auf die Tradition der Diakonissen zurück. Somit erfolgte im Jahr 1877 die Gründung des Diakonissen-Mutterhauses Bethanien mit zwei Diakonissen, Elise Lehner aus Kirchberg-Thening und Elisabeth Obermeir aus Leonding. Ludwig Schwarz hielt engen Kontakt zu seinem Bruder Ernst Schwarz, der nur kurze Zeit später das evangelische Diakoniewerk Waiern in Kärnten gründete.

Bald erstreckte sich der Wirkungsbereich des Vereins und der Diakonissen über das Mühlviertel und Oberösterreich hinaus. Elise Lehner wurde 1888 zur ersten Oberin der nun schon 18 Diakonissen umfassenden Schwesternschaft gewählt. 1909 zogen in das neu gebaute Diakonissen-Mutterhaus Bethanien in Gallneukirchen bereits 95 Schwestern ein. Ihre Arbeit verstanden sie im Sinne des biblischen Verses aus dem Galaterbrief, der über dem Eingang des Mutterhauses zu lesen ist: „In Christo Jesu gilt der Glaube, der durch die Liebe tätig ist“.

Die Arbeit des Vereins weitete sich ständig aus, auch in den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren. Daher waren die Einsatzbereiche der Diakonissen sehr vielfältig – von der Kranken- und Altenpflege, über die Betreuung von Menschen mit Behinderung, von Kindern in Heimen, Internaten und Kindergärten und von erholungssuchenden Menschen, bis hin zur Arbeit als Gemeindeschwester reichten die Aufgaben. Geographisch wurde fast das gesamte Gebiet der damaligen Donaumonarchie abgedeckt.

Die Nationalsozialistische Schreckensherrschaft ging auch an den Menschen im Diakoniewerk nicht spurlos vorbei. Im Jänner 1941 wurden 64 Menschen mit Behinderung im Schloss Hartheim bei Alkoven ermordet. Ein Mahnmal im Garten des Haus Bethanien erinnert heute daran. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl der Diakonissen ihren historischen Höchststand, durch die Aufnahme von aus osteuropäischen Mutterhäusern geflüchteten Diakonissen. 1957 wurde der Verein in „Diakonissenanstalt“ umbenannt.

Mit dem Jahr 1963 und der letzten Einsegnung von Diakonissen begann das sukzessive Kleiner-Werden der Diakonissenschwesternschaft und der Anzahl der diakonischen Schwestern, die es seit 1939 als eine andere weitere Form von Schwesternschaft gab. Heute leben im Haus Abendfrieden noch elf Diakonissen und fünf diakonische Schwestern, das ehemalige Mutterhaus erhält mit der OÖ. Landessonderausstellung 2015 und der Nachnutzung durch Einrichtungen der Behinderten- und Seniorenarbeit sowie der Bildung eine neue Bestimmung.

Trotz abnehmender Schwesternzahlen konnten die Einrichtungen und Arbeitsfelder des 1971 in „Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen“ umbenannten Sozialunternehmens mit immer mehr weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter ausgebaut werden. Das Engagement der Diakonissen hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Diakoniewerk zu einem anerkannten Unternehmen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich entwickeln konnte.

Haus Bethanien

Eingangstor

Das zwischen 1905 und 1909 erbaute Mutterhaus Bethanien steht in einer weitläufigen Parkanlage am westlichen Rand des Ortszentrums, nahe der Großen Gusen. Es ist ein denkmalgeschützter, monumentaler, breit gelagerter Bau mit einer späthistorischen Fassade. Nahe Bethanien steht die denkmalgeschützte evangelische Christuskirche aus dem Jahr 1905. An der Hauptstraße, am Rande der Parkanlage befindet sich der denkmalgeschützte evangelische Pfarrhof, ein ehemaliges Starhembergisches Pflegschaftsgerichtsgebäude, das 1872 gekauft und umgebaut wurde. Mit dem Zuendegehen der Diakonissentradition hat das Mutterhaus Bethanien seine Bestimmung verloren und wird in Zukunft eine neue Funktion einnehmen, die unter anderem Beschäftigungsangebote für Menschen mit Behinderung vorsieht, eine Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz, Wohnen für Menschen im Alter und Räume für die Ludwig Schwarz Schulen, die Schulen für Sozialbetreuungsberufe des Diakoniewerkes, werden wir dem Erbe der Diakonissen, der ursprünglichen Nutzerinnen und Pionierinnen der sozialdiakonischen Arbeit gerecht.

Arbeitsfelder und Betreuungsplätze

Das Diakoniewerk Gallneukirchen ist in neun Arbeitsfelder mit 3 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegliedert. In folgenden Arbeitsfeldern sind die Mitarbeiter tätig:

  • Behindertenarbeit (1246 Mitarbeiter)
  • Seniorenarbeit (795)
  • Gesundheit (954)
  • Bildung (121)
  • Flüchtlingsarbeit (89)
  • Verwaltung (106)
  • Sonstige (142)
  • 706 Arbeitsplätze in der Behindertenarbeit
  • 510 Wohnplätze in der Behindertenarbeit
  • 772 Plätze Seniorenarbeit.
  • 383 Betten in den Kliniken
  • 1423 Ausbildungsplätze in den Schulen des Diakoniewerks (inkl. Horte, Kindergärten)
  • 861 Plätze in der Flüchtlingsarbeit
  • 305 Plätze in Studierendenheimen
  • 65 Betten im Hotel Waldheimat

Standorte

Die meisten Standorte befinden sich in Oberösterreich, außerdem ist das Diakoniewerk in den Bundesländern Salzburg, Steiermark, Tirol, Wien und international in Bosnien-Herzegowina, Slowakei und Rumänien tätig. In den folgenden Orten sind Mitarbeiter des Diakoniewerkes tätig:

Oberösterreich

Diakonissenkrankenhaus Linz

Wien

Steiermark

Salzburg

Tirol

International

Auszeichnungen

Siehe auch

Literatur

  • Jahresbericht "unser Unternehmen 2016"
  • 125 Jahre Diakoniewerk - Nächstenliebe in unserer Zeit, Gallneukirchen 1999
  Commons: Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

www.diakoniewerk.at – Offizielle Website

Einzelnachweise