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vom 24.06.2018, aktuelle Version,

Franciszek Smolka (Politiker)

Franciszek Smolka, Lithographie von Josef Kriehuber, 1861

Franciszek Jan Smolka, deutsch Franz Schmolke bzw. Franz Smolka (* 5. November 1810 in Kałusz, Galizien; † 4. Dezember 1899 in Lemberg) war ein polnisch-österreichischer Politiker.

Leben

Franciszek Smolka war der Sohn einer Ungarin, Anna Nemethy und eines österreichischen Offiziers Vinzenz Schmolke in Lemberg. Smolka studierte Rechtswissenschaften an der Universität Lemberg und ließ sich dort als Rechtsanwalt nieder. 1834 schloss er sich dem demokratischen, polnisch-nationalen Bund der „Volksfreunde“ (später „Vereinigung des polnischen Volkes“) an, deren Anführer er bald wurde. 1841 wurde er verhaftet und nach vierjähriger gerichtlicher Untersuchung im Januar 1845 zum Tod verurteilt, aber sogleich begnadigt.

Reichstags-Proclamation, Wien, gefertigt am 6. Oktober 1848

Er stellte sich im März 1848 an die Spitze der national-polnischen Bewegung in Galizien und wirkte in ihrem Interesse auf dem Reichstag in Wien. Er wurde zunächst zum Vizepräsidenten dieses Parlaments, dann am 12. Oktober 1848 zum Präsidenten gewählt. Nach Aufhebung des Reichstags im März 1849 kehrte er nach Lemberg zurück und war wieder als Rechtsanwalt tätig.

1861 wurde er vom galizischen Landtag als Deputierter in den Reichsrat gesandt, nahm hier seinen Platz neben den polnischen und tschechischen Föderalisten auf der Rechten und trat dem Zentralisationssystem Anton von Schmerlings entgegen. Smolkas führende Position im Club der Polen schwand zusehends zugunsten von Kasimir von Grocholski (1815–1888), und im Dezember 1862 legte er Reichsrats- wie Landtagsmandat nieder,[1] ließ sich aber 1867 wiederwählen und gehörte zu den Führern der polnischen Fraktion. 1879 wurde er zum ersten Vizepräsidenten und 1881 zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt. Am 16. September 1882 wurde ihm die Würde eines Geheimen Rats (Anrede: „Exzellenz“) verliehen. 1891 war er Alterspräsident des Abgeordnetenhauses des Reichsrates. Er erlag 1899 in Lemberg einem Schlaganfall.

Eine am 8. Dezember 1913 in Lemberg zu seinen Ehren enthüllte Statue[2] (Bildhauer: Tadeusz Błotnicki,[3] 1858–1928) wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Literatur

  Commons: Franciszek Smolka  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Inland. Die Mandats-Niederlegungen. In: Die Presse, Nr. 352/1862 (XV. Jahrgang), 25. Dezember 1862, S. 2 (unpaginiert), Spalte 1. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  2. Die Enthüllung des Smolka-Denkmals. Die Festrede des Ministers Heinold. In: Arbeiter-Zeitung, Morgenblatt, Nr. 335/1913 (XXV. Jahrgang), 9. Dezember 1913, S. 3, Spalte 2. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/aze.
  3. Das Smolka-Denkmal für Lemberg und sein Schöpfer. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, Nr. 4938/1913 (XIV. Jahrgang), 30. September 1913, S. 6. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/krz.