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vom 28.12.2016, aktuelle Version,

Friedrich von Gagern (Autor)

Friedrich Freiherr von Gagern (* 26. Juni 1882 in Moritz; † 15. November 1947 in Geigenberg bei St. Leonhard am Forst) war ein österreichischer Autor naturnaher Jagd-, Tier- und Abenteuergeschichten.

Leben

Eine Inschrift in einem Granitoid Felsen (dem Gagernstein) bei Steinau nordöstlich der Neunkircher Höhe im Odenwald erinnert an den Natur- und Jagdschriftsteller.

Der auf Schloss Mokritz (Krain in Slowenien) als Sohn von Heinrich Freiherr von Gagern geborene Reise- und Jagdschriftsteller Friedrich von Gagern war ein Großneffe von Anastasius Grün, ein Enkel von Max Ludwig Freiherr von Gagern und ein Jugendfreund von Anton Wildgans. Zu seinen weiteren Vorfahren zählen auch Heinrich von Gagern, Präsident der Nationalversammlung von 1848 in der Paulskirche.

Mütterlicherseits entstammt Gagern der krainischen Adelsfamilie der Auersperg.

Von Gagern studierte Philosophie, Geschichte und Literaturgeschichte in Wien, lebte und arbeitete dann als Redakteur der Hugoschen Jagdzeitung (1906 bis 1914) und ab 1914 als freier Schriftsteller. Er bereiste Amerika und Afrika und verarbeitete diese Erlebnisse in seinen Werken.

Im Januar 1897 schrieb er an Karl May und stellte einige Leserfragen.[1]

In seinen Romanen und Erzählungen brachte er sein starkes Naturempfinden zum Ausdruck, wobei er speziell den Typus der Jagderzählung prägte. Er gilt als der Jägerdichter des 20. Jahrhunderts, der die Stimmungen der Jagd präzise einfangen und festhalten zu vermochte. Jagd war für ihn nicht nur Triebbefriedigung oder Gier nach Trophäen, sondern vielmehr ein umfassendes Naturerleben und -betrachten bei gleichzeitiger Abkehr von gesellschaftlichen Konventionen, was vor allem innerhalb seines späteren Schaffens zum Ausdruck kommt.

Er war Autor expressionistischer, seinerzeit sehr populärer Romane, schrieb u.a. exotische Abenteuererzählungen in Lederstrumpfmanier, in denen männliches Einzelgängertum und die Ursprünglichkeiten fremder Völker idealisiert werden, Heimatromane und Gesellschaftschroniken einer aristokratischen vergangenen Welt. Die meisten seiner Bücher erschienen zwischen den Weltkriegen und hatten hohe Auflagen. Zwischen 1919 und 1929 schrieb von Gagern aus dem Stoff für den ursprünglich geplanten Roman Die Prärie die drei Amerikabücher Der Marterpfahl, Der tote Mann und Das Grenzerbuch. Sie erzählen von der Okkupation Amerikas durch weiße Siedler und waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg gefragte Jugendbücher.

1927 wählte Gagern das südlich von Melk gelegene „Haus Geigenberg“ zum Wohnsitz, eine Villa in der Gemeinde St. Leonhard am Forst. Begraben wurde er am Ortsfriedhof St. Leonhard. Ihm zu Ehren wurde auch ein Jagdzimmer im Gemeindeschloss eingerichtet, in dem sein Leben und Wirken dokumentiert wird.

Das Schloss Mokrice – im heutigen Slowenien in unmittelbarer Nähe zur kroatischen Hauptstadt Zagreb – beherbergt heute ein Hotel, der Park eine Golfanlage.

Im Jahr 1973 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Gagerngasse nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)

  • Der böse Geist, 1913
  • Das Geheimnis, 1919
  • Die Wundmale, 1919
  • Kolk der Rabe und andere Tiergeschichten, 1920
  • Ozean, 1921
  • Das nackte Leben, 1923
  • Ein Volk, 1924
  • Der Marterpfahl. Erzählung, 1925
  • Das Grenzerbuch, 1927
  • Der tote Mann, 1927
  • Die Straße, 1929
  • Die Grüne Trilogie: Birschen und Böcke / Der Jäger und sein Schatten / Die grüne Chronik: Stunde und Stimmung; Tage nach meinem Herzen
  • Schwerter und Spindeln - Ahnen des Abendlandes, 1939

Aufführungen

Im November 2009 sorgte der Intendant der Berliner Volksbühne, Frank Castorf, für die Uraufführung des Theaterstücks Ozean. In diesem Stück macht sich eine bunte Reisegesellschaft 1848 nach Amerika auf, um dort Glück, Freiheit und Gleichheit zu finden. Das Stück spielt auf hoher See. Die ersten Akte handeln im Zwischendeck eines Segelschiffs, auf dem deutsche Auswanderer nach Amerika reisen, der dritte Akt spielt dann auf einem Floß, woran man bereits erkennt, dass die Entwicklung nicht einfach ist. Unter diesen Passagieren befinden sich Revolutionäre, Journalisten, Totengräber, schlesische Weber, Zuhälter, Prostituierte und nicht zuletzt zwei Patres. Gagern zeigt, wie die Solidarität ehemals gemeinsamer Streiter zerbricht, wie die Ideale buchstäblich über Bord gehen. Existentielle Verzweiflung bricht sich Bahn. Das Drama ist vornehmlich ein Debattierstück ohne einen verbindenden Handlungsfaden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Karl-May-Chronik II, S. 9