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vom 30.05.2017, aktuelle Version,

Gerhart Baron

Gerhart Baron (* 7. Mai 1904 in Kandrzin, Kreis Cosel, Oberschlesien; † 7. März 1978 in Linz, Oberösterreich) war ein österreichischer Autor.

Buchcoverː Gerhart Baron, Die Wiedergeburt. Achtzig Gedichte (Regensburg 1964)

Leben

Baron war das älteste von zehn Kindern. Sein Vater, Gabriel Baron (1870–1919) war einfacher Postbeamter ("Oberpostschaffner") bäuerlicher Herkunft, ist früh verstorben. Der Besuch einer weiterführenden Schule in Zabrze/Hindenburg war nicht möglich. Gerhart Baron musste für die verwitwete Mutter und seine neun Geschwister finanziell Sorge tragen. Er absolvierte die Uhrmacherlehre, war danach jedoch in der Industrie tätig. Mit 13 Jahren schreibt Baron seine ersten Gedichte. 1925 Aufnahme in Karl Brögers Anthologie “Jüngste Arbeiterdichtung”. Er war ab 1924 in Hindenburg Bibliothekar, baute eine Arbeiterbücherei auf und leitete von 1926 bis 1933 auch die Zweigbüchereien der Städtischen Volksbücherei, der Waldorfschule Meisengrund und der Pestalozzischule in Mathesdorf. 1927 wurde er Mitglied des von Bruno G. Tschierschke, Redakteur der “Oberschlesischen Zeitung”, in Beuthen geleiteten Literarischen Zirkels “Jungoberschlesien” (aus dem später die “Gemeinschaft jungoberschlesischer Dichter” entstand).[1] 1929 war er als Arbeiterdichter - mit dem oberschlesischen Lyriker Wilhelm Tkaczyk (1907–1982) - wesentlich an der Gründung der „Industriegruppe Oberschlesien“ des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS) beteiligt, was 1933 Ursache für seine Arbeitslosigkeit gewesen sein könnte. 1937 wurde er Bibliothekar im Amt für Oberschlesische Landeskunde und entging durch Zufall der Einweisung in ein KZ. 1938 begann er mit der Arbeit an einer Gesamt-Bibliografie des Neissegaues. Von 1940 bis 1941 bereitete er sich auf das Abitur vor, musste aber dann zur Wehrmacht, wo er in Polen und Schlesien eingesetzt wurde und gegen Ende des Krieges bei Fürstenberg an der Oder schwer verwundet wurde. Im Lazarett gerät er in US-Kriegsgefangenschaft.

Als Heimatvertriebener kam er 1946 nach Oberösterreich, wo er zunächst bei der Lenzing AG in der Fabrik arbeitete und ab 1955 als Archivar der Arbeiterkammer in Linz Beschäftigung fand. Er baute das Archiv auf und führte es bis zu seiner Pensionierung 1969.[2] Gedichte in zahlreichen Anthologien, darunter von 1936 bis 1942 auch in der Münchner Literaturzeitschrift „Das innere Reich“ empfohlen durch den Regensburger Dichter Georg Britting. Im Juli 1944 hatte Gerhart Baron auch seinen ersten Gedichtband “Ankunft” (1943) an den schlesischen Literatur-Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann “in alter und herzlichster Verehrung” übersandt.[3] Fast 50 Gedichte wurden nach 1945 vertont von Günter Bialas, Roland Häfner, Alexander Ecklebe und Viktor Bermeiser. Seit 1950 Arbeit an der „Bibliographie der Arbeiterdichtung des deutschen Sprachraums mit Einschluß des Arbeiterbildungswesens“. Gerhart Baron war seit Juli 1943 mit der oberschlesischen Pianistin und Klavierlehrerin Margarete „Gritta“ Jenoch (1906–1995) verheiratet. Die Ehe blieb kriegsbedingt kinderlos. Ein Neffe ist der Oberpfälzer Kulturmanager und Publizist Bernhard M. Baron.

Gerhart Baron war vor 1933 Mitglied der SPD, nach 1946 der SPÖ sowie der Innviertler Künstlergilde und des PEN-Clubs Österreich. Der literarische Nachlass von Gerhart Baron befindet sich im Archiv der “Stiftung Haus Oberschlesien” des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen/Nordrhein-Westfalen. [4]

Werke

  • Jungoberschlesische Lyrik. (Mitherausgeber), Beuthen O/S, 1928
  • Ankunft. (Gedichte), Potsdam 1943
  • Die Wiedergeburt (Gedichte), Regensburg 1964
  • Der Beginn. Die Anfänge der Arbeiterbildungsvereine in Oberösterreich. Linz/Österreich 1971
  • Quirim ein Stein. (Gedichte), Echzell 1981 posthum, ISBN 3-921640-51-2
  • Die Stadt Lubum. (5 oberschlesische Märchen), Waldbrunn 1982 posthum, ISBN 3-921640-58-X
  • In Tat und Traum. (Gedichte), Waldbrunn 1982 posthum, ISBN 3-921640-59-8
  • Oktoberfrau im Schnee. (Gedichte), Waldbrunn 1984 posthum, ISBN 3-921640-71-7
  • Baśnie. Märchen. (polnisch/deutsch) i. d. R. „Juwelen schlesischer Literatur. Perły literatury śląskiej“ N. 9, Lubowitz/Łubowice (Polen) 2013 posthum, ISBN 978-83-930417-1-8

Auszeichnungen

Literatur

  • Gerhard Lüdtke (Hg.), Kürschners Deutscher Literaturkalender auf das Jahr 1932, Bd. 46, Berlin 1932, S. 50.
  • Gerhard Lüdtke (Hg.), Kürschners Deutscher Literaturkalender auf das Jahr 1934, Bd. 47, Berlin 1934, S. 28.
  • Erich Grisar, Was ist geblieben? Zur Frage der deutschen Arbeiterdichtung, in: Neuer Vorwärts (Bonn) vom 6. November 1953, S. 9.
  • Arno Lubos: Geschichte der Literatur Schlesiens. Band II. München 1967, S. 249–254.
  • Werner Schuder (Hg.), Kürschners Deutscher Literaturkalender 1967, Bd. 55, Berlin 1967, S. 34–35.
  • Gerald Stieg, Bernd Witte: Abriß einer Geschichte der deutschen Arbeiterliteratur. Stuttgart 1973, S. 66 und 130, ISBN 3-12-391300-7.
  • Jochen Hoffbauer: Gerhart Baron – ein Schlesier im Innviertel. Zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2004. In: Schlesischer Kulturspiegel, 39. Jg., Nr. 2/2004 (April–Juni), Würzburg 2004, S. 26–27.
  • Herbert Hupka: „Fröhlich einsam bleibe ich“. Zum 100. Geburtstag des „Arbeiterdichters“ Gerhart Baron. In: Kulturpolitische Korrespondenz (KK) Nr. 1184 vom 20. April 2004. Hrsg. vom Ostdeutschen Kulturrat, Bonn.
  • Fritz Hüser 1908 – 1979. Briefe. Hrsg. von Jasmin Grande i. A. der Fritz-Hüser-Gesellschaft Dortmund, Oberhausen 2008, S. 15–27, ISBN 978-3-938834-39-8.
  • Herbert Groß: Bedeutende Oberschlesier. Kurzbiographien, Dülmen 1995, S. 481–483, ISBN 3-87466-192-X.
  • Ernst Schraepler, Baron Gerhart: Der Beginn (Rezension), In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz (IWK) zur Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, hg. i. A. der Historischen Kommission zu Berlin, Nr. 14/Dezember 1971, Berlin, S. 94–95.
  • Franz Schimanko, Prof. Gerhart Baron verstorben, in: Bildungskurier, Mitteilungsblatt der Sozialistischen Bildungszentrale Linz (Österreich), 29. Jg. 1978, Heft 2, S. 1.
  • Franz Heiduk: Gerhart Baron †. In: Vierteljahresschrift SCHLESIEN, Heft II/1978, Würzburg, S. 125–128.
  • Viktor Bermeiser, Arbeiterleben. Balladen, Lieder, Songs und Chansons für eine Singstimme und Klavier. 1. Heft, Electio Edition (Wien) 1962, S. 4–7.
  • Alexander Ecklebe, Sechs Lieder auf Texte von Gerhart Baron für mittelhohe Stimme und Klavier, hg. von Lothar Hoffmann-Erbrecht, Reihe SILESIA CANTAT Heft 13, Dülmen 1977.
  • Bernhard M. Baron, Gerhart Baron – ein Lyriker und Sozialforscher aus Oberschlesien, in:Eichendorff-Hefte/Zeszyty Eichendorffa Nr. 46 / 2014, in der Reihe “Editio Silesia”, hg. vom Oberschlesischen Eichendorff- Kultur und Begegnungszentrum, Lubowitz/Lubowice (Polen/Polska) 2014, S.24 –32, ISSN 1730-4873.
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Einzelnachweise

  1. Murawski Leokadia, Der literarische Zirkel “Jungoberschlesien” in Beuthen OS., in: “Mitteilungen des Beuthener Geschichts- und Museumsvereins”, Heft 34/35 – 1972/1973, Dortmund 1973, S.162–176.
  2. Baron Gerhart, Biographie auf der Webpräsenz Sosnitza, Bedeutende Schlesier
  3. Staatsbibliothek Berlin
  4. Archiv der Stiftung Haus Oberschlesien
  5. www.kulturportal-west-ost.eu/biographies/baron-gerhard-2/