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vom 06.06.2020, aktuelle Version,

Gudenus

Stammwappen derer von Gudenus, nach Siebmachers Wappenbuch, 1918

Gudenus (früher auch Ritter, Freiherren, Reichsfreiherren, Grafen von Gudenus) ist der Name eines Geschlechts mit Ursprung in Spangenberg (Hessen), das zum ehemaligen österreichischen Adel zählt und noch im Mannestamm blüht.

Geschichte

Das Geschlecht stammte ursprünglich aus Spangenberg in Hessen und erschien erstmals 1594 urkundlich mit Christoffel Gude(nus), späterem landgräflich hessischen Schultheißen zu Sontra.[1]

Moritz Gudenus (1596–1680) war 1626 reformierter Prediger in Abterode, nachdem er 1625 Marburg wegen seines Bekenntnisses hatte verlassen müssen. Er wurde 1630 katholisch, trat in Kurmainzer Dienste und starb als Amtmann in Treffurt. Von seinen fünf Söhnen war der älteste, Johann Daniel (1624–1694), Doktor der Theologie, Titularbischof von Utica und Mainzer Weihbischof für Hessen, Thüringen und das Eichsfeld in Erfurt. Der zweite, der promovierte Jurist Johann Christoph Freiherr von Gudenus (1632–1705), wurde Reichshofkanzleitaxator, Kurmainzer Geheimer Rat und Ministerresident in Wien sowie Hofpfalzgraf. Er begründete die seit 1907 gräfliche niederösterreichische Linie, der Bruder Urban Ferdinand Gudenus begründete die seit 1732/46 steiermärkische Linie. Die Linien der jüngeren Brüder Georg Friedrich (1636–1701), Kurmainzer Amtmann zu Treffurt, und Dr. jur. Johann Mauritz Bodo (1639–1688), Kurmainzer Regierungsrat, Stadtschultheiß und Universitäts-Professor in Erfurt, starben bereits im 18. Jahrhundert aus. Von den Söhnen des letzteren war Christoph Ignaz (1674–1747) Titularbischof von Anemurium und Weihbischof in Erfurt, Johann Leopold (1676–1713) war Doktor der Theologie, Titularbischof von Pergamum und Weihbischof von Worms, während Daniel Mauritz (1681–1749) wie der Vater Stadtschultheiß von Erfurt wurde und Friedrich Wilhelm (1683–1757) als Generalfeldzeugmeister des fränkischen Kreises gestorben ist.[2]

Benannt nach der Familie ist die Gudenushöhle in Niederösterreich.

Standeserhöhungen

Der rittermäßige Reichsadelsstand wurde am 5. März 1668 den Brüdern Christoph, Johann Daniel, Urban Ferdinand und Johann Moritz Gudenus verliehen. Der Reichsritterstand mit der Anrede „Edler Herr“ erfolgte am 7. Mai 1696 und der Reichsfreiherrenstand mit Anrede „Wohlgeboren“ am 20. September 1696.[1]

Das ungarische Indigenat wurde am 5. Dezember 1703 verliehen. Die Würde des niederösterreichischen alten Ritterstandes erfolgte am 10. Februar 1714. Das böhmische Inkolat im Herrenstande wurde am 15. April 1756 für Franz de Paula Freiherrn von Gudenus verliehen.[1]

Die Deszendenz des 1874 verstorbenen Gabriel Freiherrn von Gudenus wurde durch von Kaiser Franz Joseph am 16. August 1907 in Ischl in den österreichischen Grafenstand erhoben. Das Diplom wurde am 22. Oktober 1907 in Wien ausgestellt.[1] Als eines von 64 gräflichen Geschlechtern erhielt die Familie am 14. Juni 1907 einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates.[1]

Besitz

1731 kam Schloss Felling in Gföhl (Niederösterreich) in den Besitz der Gudenus, zuvor schon im Jahre 1725 die dortige Burgruine Hohenstein. 1726 belehnte Kaiser Karl VI. den Freiherrn Philipp Ferdinand von Gudenus (1681–1731) mit der Herrschaft sowie dazugehörigen Burg Hartenstein (Niederösterreich), bei dessen Familie es bis 1927 blieb. In den Jahren 1780 bis 1799 benutzte Johann Heinrich Reichsfreiherr von Gudenus das noch brauchbare Material wie Türen und Fensterstöcke für den Bau seines Jagdschlösschen Els. Els wurde Verwaltungssitz der Herrschaften Hartenstein, Hohenstein und Felling. 1737 kam das Schloss Waidhofen an der Thaya in den Besitz der Gudenus. Im 19. Jahrhundert wurde das Gut Schloss Vestenötting mit der benachbarten Herrschaft Waidhofen/Thaya vereinigt und das Schloss als Sitz der Forstverwaltung genutzt. 1840 wurde Schloss Mühlbach gekauft und im Stil des Historismus umgebaut.

Seit 1806 ist Schloss Thannhausen (Steiermark) bis heute im Besitz der Familie. Die zugehörige Burg Neuhaus wurde 1982 verkauft. 1823 erwarb Ferdinand Freiherr von Gudenus die Herrschaft Frondsberg; Schloss Frondsberg in Rabendorf (Gemeinde Birkfeld, Steiermark) wird ebenfalls bis heute von der Familie bewohnt. Schloss Külml in Feistritz bei Anger befand sich von 1811 bis 1954 im Familienbesitz.

Wappen

Familienwappen von 1660 und im Adelsbrief von 1668

Blasonierung: Die älteste Darstellung eines Familienwappens Gudenus geht auf das Jahr 1660 zurück.[3] Das Stammwappen im Adelsbrief von 1668 zeigt in Blau auf grünem Dreiberg einen silbernen Geharnischten mit goldenem Rock und eisernem Brustharnisch, in der Rechten einen grünen Palmzweig haltend, mit der Linken einen goldenen Stab auf den Boden setzend, der oben in einem Kreuz und darüber einer Krone endet; auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der Mann wachsend.

Gräfliches Wappen von 1907

Blasonierung: Das gräfliche Wappen von 1907 ist geviert mit einer zwischen Feld 3 und 4 eingeschobenen schwarzen Spitze und belegt mit blauem Herzschild, darin auf grünem Boden eine Frauengestalt mit wallendem goldenen Gewand und eisernem Brustharnisch, in der Rechten einen grünen Palmzweig haltend, mit der Linken einen goldenen Stab auf den Boden setzend, der oben in einem Kreuz und darüber einer Krone endet. 1 und 4 von Silber und Rot sieben Mal schrägrechts geteilt; 2 und 3 in von Schwarz und Gold geteiltem Feld auf natürlichem Felsboden ein dreizinniger roter Turm mit Toröffnung und aufgezogenem goldenen Fallgatter. Oben befinden sich drei Helme; auf dem rechten mit rot-silbernen Decken ein offener Adlerflug; auf dem mittleren mit blau-goldenen Decken ein silberner Geharnischter wachsend; auf dem linken mit schwarz-goldenen Decken der Zinnenturm zwischen zwei Büffelhörnern. Die Schildhalter sind zwei widersehende goldene Löwen.[1]

Namensträger

  • Johann Daniel von Gudenus (1624–1694), Weihbischof in Erfurt
  • Urban Ferdinand von Gudenus (1634–1699), Rektor der Universität Mainz, Leibarzt des Mainzer Kurfürsten
  • Johann Moritz von Gudenus (1639–1688)
  • Christoph Ignatius von Gudenus (1674–1747), Weihbischof in Erfurt
  • Johann Christoph von Gudenus (1676–1712), Rektor der Universität Mainz
  • Johann Leopold von Gudenus (1676–1713), Freiherr, Weihbischof in Worms
  • Valentin Ferdinand von Gudenus (1679–1758), Freiherr, kurmainzischer Jurist, Historiker
  • Daniel Moritz Gudenus (1681–1749), kurmainzischer Regierungsrat und Stadtschultheiß zu Erfurt
  • Philipp Franz von Gudenus (1710–1783), Freiherr, Militär, Zeichner der Gudenus-Handschrift
  • Ernst von Gudenus (1833–1914), Freiherr, Besitzer der Herrschaft Thannhausen (Steiermark), Politiker (Mitglied des Abgeordnetenhauses)[4]
  • Heinrich Johann Baptist von Gudenus (1839–1915), Graf, österreichischer Gutsbesitzer und Politiker (erbliches Mitglied des Herrenhauses)[5]
  • Josef von Gudenus (1841–1919), Graf, österreichischer Gutsbesitzer (Mühlbach) und Politiker (Landmarschall von Niederösterreich; Mitglied des Abgeordnetenhauses)[6]
  • Leopold von Gudenus (1843–1913), österreichischer Gutsbesitzer (Ulrichskirchen), Politiker (Landmarschall von Niederösterreich), Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies[7]
  • Erwein Maria Ernst Gudenus (1869–1953), Ritter des Orden vom Goldenen Vlies[7]
  • Philipp Gudenus (1877–1948), österreichischer Gutsbesitzer (Waidhofen an der Thaya etc.), Politiker (erbliches Mitglied des Herrenhauses)[8]
  • Philipp Gudenus (1905–1990), Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies[7]
  • Johann Baptist Gudenus (1908–1968), österreichischer Olympiateilnehmer (Winter 1932, 1936; Sommer 1936)
  • Carl-Gabriel Gudenus (1920–2012), Offizier, U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg[9]
  • John Gudenus (1940–2016), österreichischer Politiker (FPÖ), Oberst des Bundesheeres
  • Johann Gudenus (* 1976), österreichischer Politiker (FPÖ)

Stammlinie

  • Christoffel Gudenus zu Melsungen ∞ (1) Ursula vom Hoffe († 1624), (2) Katharina[10]
    • Mauritius Gudenus (1596–1680) ∞ Beata Stein († 1691)[10]
      • Johann Daniel Gudenus (1624–1694)[10]
      • Anna Katharina (1626–1663)[10]
      • Anna Beate (1628–1670) ∞ Heinrich Adam Streit[10]
      • Anna Christiana (1630–1683) ∞ Johann Dietrich Heiland[10]
      • Johann Christoph Freiherr von Gudenus (1632–1705) ∞ Maria Clara Baronesse Thavonath[10]
        • Maria Franziska Paulina (* 1675) ∞ Franz Wilderich von Menshengen[10]
        • Damian Hugo von Gudenus (1676–1678)[10]
        • Susanna Josefa Felizitas (1678–1742) ∞ Johann Jakob Lincker von Luetzenwick[10]
        • Maximiliana Magdalena Isabella (1679–1727)[10]
        • Jakob Christoph Rudolf Freiherr von Gudenus (1680–1742)[10]
        • Friedrich Philipp Ferdinand Freiherr von Gudenus († 1731) ∞ Maria Constantia Josefa Elisabeth Freyin Scheller von Ungershausen[10]
          • Carl Josef Johannes von Gudenus[10]
          • Leopold Franz de Paula Josef von Gudenus[10]
          • Maria Walburga Josefa[10]
          • Johann Baptist Franz de Paula von Gudenus[10]
          • Maria Agnes Josefa[10]
          • Franz de Paula Philipp Josef von Gudenus[10]
          • Franz de Paula Josef Johann Nepomuk von Gudenus[10]
          • Philipp Josef Anton von Padua von Gudenus[10]
        • Ludovika (Aloisia) Theresia Barbara († 1715) ∞ Anno Heinrich Freyherr von Kellern[10]
        • Johann Albert Freiherr von Gudenus (1684–1746)[10]
        • Gisberta Theresia (* 1686; † Februar 1766)[10]
        • Anton Franz Freiherr von Gudenus (1687–1754) ∞ (1) Karoline Charlotte Maria Seip (1692–1749), (2) Maria Theresia von Bertram († 1766)[11]
          • Susanna Charlotte Margarete(1712–1756) ∞ Franz Ferdinand Freiherr von Thomasi († 1779)[11]
          • Maria Karol Antonia Theresia (1715–1768) ∞ Johann Georg Friedrich Freiherr von Lasser (1713–1769)[11]
          • Johann Albert David Christoph Freiherr von Gudenus (1716–1795)[11]
          • Franz Fortunat Engelhard Anton Freiherr von Gudenus (1718–1734)[11]
          • Maria Theres Franziska Antonia Charlotta (1720–1770) ∞ Franz Brual von Tiefenau († 1767)[11]
          • Sigmund Christoph Julius Freiherr von Gudenus (1723–1767) ∞ Elenore von Bielstein (1722–1786)[11]
          • Ferdinand Joseph Freiherr von Gudenus (1726–1787)[11]
          • Wilhelmine Maria Ursula ∞ Achatius Freiherr von Rebentisch[11]
          • Josefa Susanne Eva Gertrude (* 1730)[11]
          • Eleonora Franziska (* 1731) ∞ Lorenz Daniel Freiherr Vargyas[11]
          • Aloisia (1733–1735)[11]
          • Christoph Franz Anton Freiherr von Gudenus (1735–1815) ∞ Antonia Freiin von Creenberg († 3. Juli 1796)[11]
          • Joseph Christoph Freiherr von Gudenus († 1815)[11]
        • Ferdinand Kasimir Mauritius von Gudenus († 1689)[10]
        • Josefa Maria Clara (1689–1690)[10]
        • Leopoldina Maria Anna (* 1692)[10]
        • Philippina Charlotta[10]
        • Philippina Maria Anna (1693–1767)[10]
        • Johanna Elisabeth Katharina (1696–1776) ∞ (1) Johann Josef Freyherr Brasican von Emerberg, (2) Wolf Anton Graf von Uiberacker auf Sieghartstein und Pfanngau[10]
        • Eleonora Leopoldina (1698–1760) ∞ (1) Josef Reichard Graf Kletzl von Altenach, (2) Franz Maria Graf Ferrari[10]
      • Urban Ferdinand Gudenus (* 1634)[10]
      • Georg Friedrich Gudenus (1636–1701) ∞ (1) Johanna Franziska von Birkig († 1680), (2) Dorothea Sibylla von der Weser († 1689), (3) Magdalena Franziska Isselbach († 1733)[10]
      • Johann Moritz Gudenus (1639–1688) ∞ Maria Katharina Böning (1648–1730)[10]
      • Johanna Klara († 1648)[10]
    • Johannes Gudenus (* 1600) ∞ Anna Elisabeth Schimmelpfennig[10]
    • Margaretha (* 1608)[10]
    • Johannes (* 1612)[10]

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 nobility.eu Gudenus
  2. Peter Fuchs: Gudenus, von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 250 (Digitalisat).
  3. Philipp Georg Graf Gudenus, Das älteste Wappen Gudenus (1660), in: Hessische Familienkunde, Band 12/Heft 7 (September 1975), Sp. 474
  4. Gudenus, Ernst Freiherr von auf der Website des österreichischen Parlaments: Mitglied des Abgeordnetenhauses 1870–1871, 1873–1879.
  5. Gudenus, Heinrich Freiherr, Graf (1907) von auf der Website des österreichischen Parlaments: Mitglied des Herrenhauses 2. April 1891 (auf Lebenszeit, seit 14. Juni 1907 erblich), Gruppe der Rechten.
  6. Gudenus, Josef Freiherr, Graf (1907) von auf der Website des österreichischen Parlaments: Mitglied des Abgeordnetenhauses 1882–1883.
  7. 1 2 3 Vgl. Liste der Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies #20. Jahrhundert
  8. Gudenus, Philipp Freiherr, Graf (1907) von auf der Website des österreichischen Parlaments: Mitglied des Herrenhauses 20. Juni 1915 (erblich, Angelobung am 30. Mai 1917), Mittelpartei.
  9. Oberleutnant zur See Carl-Gabriel Graf von Gudenus - German U-boat Commanders of WWII - The Men of the Kriegsmarine. In: uboat.net. Abgerufen am 12. Januar 2020 (englisch).
  10. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 Eintrag: Christoffel Gudenus * zu Melsungen. In: geneall.net. [ohne Ort, ohne Jahr] (abgerufen am 30. Juni 2013).
  11. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Arndt Richter, Manfred Bäumer: „Mutterstammbaum Goethe“ in Listenform. In: goethe-genealogie.de. Private Projektseite, Günther Unger, Kelbra 22. November 2008 (abgerufen am 30. Juni 2013),
    Zitat: „Darstellung nach Prof. Siegfried Rösch Goethes Verwandtschaft“.

Literatur

Commons: Gudenus  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien