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vom 04.12.2017, aktuelle Version,

HTL Anichstraße

Höhere Technische Lehr- und Versuchsanstalt Innsbruck Anichstraße
Haupteingang Anichstraße
Schulform Höhere Technische Lehranstalt
Gründung 1884
Adresse

Anichstraße 26–28

Ort Innsbruck
Bundesland Tirol
Staat Österreich
Koordinaten 47° 15′ 53,2″ N, 11° 23′ 23,2″ O
Träger Republik Österreich
Schüler rund 1800
Lehrkräfte rund 200
Leitung Günther Laner
Website www.htl-anichstrasse.tirol

Die HTBLVA Innsbruck Anichstraße (Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Innsbruck) ist eine der größten berufsbildenden höheren Schulen Westösterreichs. Die Schule wird im Schuljahr 2017/18 von ca. 1.300 Schülern besucht und beschäftigt etwa 200 Lehrer.

Geschichte

1877 gründeten der Architekt Johann Deininger, der Bildhauer Heinrich Fuss und der Maler Anton Roux in der Volksschule Dreiheiligen eine Zeichen- und Modellierschule. In den Jahren 1881/82 wurde in der Anichstraße 26 ein neues Schulgebäude gebaut. Am 10. Mai 1881 wurde der Grundstein gelegt, fertiggestellt wurde sie im Sommer 1882. Ab dem Schuljahr 1882/23 wurde eine Werksmeisterschule für Bau- und Kunstgewerbe (Fachschule für Holzindustrie, Fachschule für Maler), eine Gewerbliche Fortbildungsschule (Abendschule), Zeichenkurse für Frauen und ein offener Zeichensaal für Meister und Gesellen angeboten. Am 27. März 1882 wurde die Fachschule für Tischler in Hall der höheren Lehranstalt als Filialbetrieb angeschlossen. Am 1. Jänner 1884 erfolgte die Erhebung zur k.u.k. Staatsgewerbeschule. Der Erweiterungsbau Anichstraße 28, mit Werkstättentrakt im Hof, wurde im Herbst 1910 fertiggestellt. Die Fachschule für mechanisch-technische Fächer wurde 1906 gegründet, sie bietet unter anderem Meisterkurse für Schlosser. Erste Meisterprüfungen wurde im Jahre 1924 in der Fachschule für Maschinenschlosser abgelegt.

Im Dezember 1944 wurden Dach und Stiegenhaus durch zwei Luftangriffe zerstört. Im Schuljahr 1964/65 wurde eine Abendschule für Berufstätige eingerichtet. Die Schule wurde im Jahr 1973/74 geteilt. Es verblieben am Standort Anichstraße die Höhere Abteilung für Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Maschinenbau. Ab 1985/86 wurden die Altbauten erweitert bzw. renoviert. Neun Jahre später wurde die renovierte Schule offiziell eröffnet.

Gebäude

Das erste Gebäude (Anichstr. 26) wurde 1881 nach Plänen von Natale Tommasi durch die Firma Johann Huter & Söhne errichtet. Der ursprünglich dreigeschoßige gründerzeitliche Bau wurde später um ein Vollgeschoß erhöht. Die Fassade ist einem römischen Hochrenaissance­palast nachempfunden und weist einen Mittelrisalit, ionische Kolossalpilaster, einen Rustikasockel und stark plastische Fensterrahmungen auf. Unter dem vorkragenden Kranzgesims befindet sich ein Puttenfries mit Attributen aus Kunst und Technik (Zahnrad, Buch, Glasbläser, Hammer und Meißel, Zirkel und Farbpalette). Im Inneren finden sich eine Vorhalle mit Freitreppe mit Pilastern, Rundbogengliederung und Kassettendecke über reich verziertem Gebälk sowie ein herrschaftliches Foyer mit Kassettendecke.[1][2]

Der viergeschoßige Erweiterungsbau (Anichstr. 28) wurde 1909/1910 nach Plänen von Josef Retter, Eduard Klingler und Fritz Konzert errichtet. Die Fassade ist sachlich-nüchtern gestaltet, die Gliederung beschränkt sich auf durchlaufende Gesimse und Putzfelderdekor.[3] Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

Ausbildungsrichtungen

An der HTL Anichstraße werden fünf Ausbildungsrichtungen angeboten, die allesamt als höhere Abteilung geführt werden und somit mit der Matura abschließen. Teilweise gibt es auch die Möglichkeit im Rahmen einer Abendausbildung die Matura nachzuholen oder die Ausbildung mit Fachschulabschluss zu absolvieren. Im Falle des Abschlusses einer höheren Ausbildungsrichtung kann nach dreijähriger einschlägiger Berufspraxis um die Standesbezeichnung Ingenieur angesucht werden. Ein Fachschulabschluss kann nur in den Ausbildungsrichtungen Elektrotechnik und Elektronik erworben werden.

Elektronik und Technische Informatik

In der Abteilung Elektronik gibt es sowohl die Höhere Abteilung Elektronik (fünfjährig mit Maturaabschluss inkl. Fachausbildung), als auch die Fachschule Elektronik (vierjährig Fachausbildung, aber ohne Matura). Weiters kann man die Matura auch in der Abendschule erlangen.

Die Höhere Abteilung bietet folgende beiden Fachrichtungen:

Elektrotechnik

Die Abteilung Elektrotechnik bringt eine vielseitige technische Ausbildung, und das schon seit dem Jahr 1910. TECHNIK UND INFORMATIK ist heute das Profil der Abteilung.

Die fünfjährige Höhere Abteilung schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab. Nach dem zweiten Jahrgang kann man sich zwischen folgenden Ausbildungsschwerpunkten entscheiden:

Die vierjährige Fachschule Elektrotechnik (Abschluss als Techniker) ist spezialisiert auf die Gebiete:

Die achtsemestrige HTL für Berufstätige (Abendschule) hat als Ausbildungsschwerpunkt Energietechnik und Informationstechnik.

Folgende Fachbereiche sind Inhalt aller Ausbildungsbereiche, jedoch unterschiedlich gewichtet:

Automatisierungstechnik, Mechatronik, Industrielle Elektronik, Mikroprozessortechnik, Netzwerktechnik, Angewandte Informatik, Antriebstechnik und Leistungselektronik sowie Gebäude-Leittechnik, Grundlagen des Maschinenbaus mit Pneumatik, Technische digitale Bildverarbeitung.

Maschineningenieurwesen

Die Ausbildungsrichtung für Maschinenbau wird sowohl als höhere Abteilung, als auch als Abendschule geführt. Die Stärke dieser Abteilung liegt in den fundierten Grundlagen, die den Schülern praxisnah vermittelt werden. Die Kenntnisse, die in den gut aufeinander abgestimmten Gegenständen Mechanik, Maschinenelemente, Fertigungstechnik, Elektrotechnik und Elektronik erworben werden, bilden die Basis für weitere Spezialisierungen.

Seit 2003 gibt es die Möglichkeit, unter drei Spezialisierungen zu wählen:

Dabei besuchen die Schüler im vierten Jahr alle Gegenstände, um sich dann im letzten Jahr für einen Schwerpunkt zu entscheiden, der dann auch fächerübergreifend, beispielsweise bei den Konstruktionsübungen, fokussiert wird.

Knapp die Hälfte der Maschinenbauabsolventen steigen nach der Schule direkt in die Berufswelt ein, der Rest entscheidet sich für ein Studium, das immer öfter auch außerhalb der Technik angesiedelt ist.

Wirtschaftsingenieurwesen

Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Betriebsinformatik ist mit Biomedizin- und Gesundheitstechnik die einzige Ausbildungsrichtung der Schule, die ausschließlich als höhere Abteilung geführt wird, d. h. dass die Ausbildung fünf Jahre dauert und mit der Diplom- und Reifeprüfung abschließt. Als zweitjüngste Abteilung der HTL (im November 2006 wurde das Zehn-Jahre-Jubiläum groß gefeiert) zeichnet sie sich – wohl auch aufgrund des IT-Schwerpunkts – durch einen hohen Innovationsgehalt aus.

Die Ausbildung fußt generell auf drei Säulen:

Diese breit gefächerte Ausbildung eröffnet den Wirtschaftsingenieuren ein großes Spektrum am Arbeitsmarkt, weil sie sich nicht auf ein Wissensgebiet spezialisieren, sondern vielseitig einsetzbar sind. Zahlreiche Absolventen sind sowohl in der beruflichen Praxis, als auch im universitären Bereich, von der zielgerichteten Ausbildung überzeugt.

Als Negativpunkt kann die unter Umständen größere Einarbeitungszeit betrachtet werden, die ein Wirtschaftsingenieur im Falle einer Spezialisierung benötigt: In einem Maschinenbauunternehmen wird sich ein Maschinenbauabsolvent schneller zurechtfinden als Abgänger dieser Abteilung.

Biomedizin- und Gesundheitstechnik

Die seit dem Schuljahr 2017/18 bestehende Ausbildungsrichtung für Biomedizin- und Gesundheitstechnik wird an der Schule ausschließlich als höhere Abteilung geführt, die Ausbildung dauert also fünf Jahre und schließt mit der Diplom- und Reifeprüfung ab. Das Motto der Abteilung lautet: Gesundheitssysteme designen, Medizintechnik entwickeln, Gesundheitsnetze managen.[4]

Die Ausbildung umfasst die Entwicklung und Planung von technischen Hardware- und Softwarelösungen für das Gesundheitssystem, z. B. von Geräten für Elektrokardiogramme, Computertomographie, Magnetresonanztomographie oder digitales Röntgen, aber auch medizinischer Systeme, wie die Elektronische Gesundheitsakte oder e-Card-Systeme, die in Krankenhäusern und bei Ärzten täglich zum Einsatz kommen.[5]

Versuchsanstalt für Maschinenbau Innsbruck

Die Versuchsanstalt für Maschinenbau Innsbruck (Prüfstelle ID 94 akkreditiert vom BMWFJ) der HTL spezialisiert sich auf mechanische Werkstoffprüfung, zerstörungsfreier Werkstoffprüfung, Härteprüfung, Spannungsanalyse, Kerbschlagbiegeversuchen, Schweißnahtprüfung, metallographischen Untersuchungen, magnetinduktiver Drahtseilprüfungen, sowie Kalibrierungen von Messsystemen, Schadensanalytik, Produktkontrolle zur Produktionsüberwachung (Austria-Gütezeichen), Prüfung von persönlichen Schutzausrüstungen und Möbelprüfungen.

Leitung

  • bis 2013 Elmar Märk[6]
  • seit 2013 Günther Laner
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Einzelnachweise

  1. Amt der Tiroler Landesregierung, Kulturabteilung (Hg.): Kulturberichte aus Tirol 2009. 61. Denkmalbericht. Innsbruck 2009, S. 18 (PDF; 7,8 MB)
  2. Wiesauer: Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 3. November 2016.
  3. Weirather, Wiesauer: Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 3. November 2016.
  4. HTL Anichstraße - Elektronik und Technische Informatik Höhere Abteilung. Abgerufen am 12. November 2017.
  5. HTL Anichstraße - Elektronik und Technische Informatik. Abgerufen am 12. November 2017.
  6. Peter Nindler: Hochschulrat: Krisensitzung einberufen Tiroler Tageszeitung, 2012