unbekannter Gast
vom 18.05.2017, aktuelle Version,

Hans-Henning Scharsach

Hans-Henning Scharsach (* 1943 in Wien) ist ein österreichischer politischer Journalist, Publizist und Menschenrechtsaktivist. Er war u.a. für den Kurier und News tätig, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Seine Werke zu Jörg Haider und H.C. Strache sind Bestseller.

Leben

Scharsach ist seit den 1960er Jahren journalistisch tätig. Er begann als Wirtschaftsjournalist bei IW-Internationale Wirtschaft. Bei den Vorarlberger Nachrichten leitete er die Ressorts Landes- und Innenpolitik. Ab Mitte der 1970er Jahre war er Chefredakteur der Neuen Vorarlberger Tageszeitung, von 1982 bis 1990 Auslandskorrespondent für den Styria-Verlag, verantwortlich für die Kleine Zeitung für Steiermark und Kärnten und die Neue Vorarlberger Tageszeitung, in Bonn, Brüssel und Ost-Berlin. 1990 wurde er Leiter des außenpolitischen Ressorts der überregionalen Tageszeitung Kurier sowie von 1994 bis 2006 stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Auslandsressorts des Nachrichtenmagazins News. 2006 wurde er pensioniert und blieb nur als Autor tätig. Er gilt als Experte für Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und Neonazismus. Einige seiner politischen Sachbücher wurden Bestseller. Bei der Verleihung des Berufstitels Professor betonte Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (2014), Scharsach habe „wichtige Impulse zur Aufarbeitung unserer Vergangenheit gesetzt“ und „sich während seines Berufslebens und weit darüber hinaus für Demokratie, Menschenrechte und sauberen Journalismus eingesetzt“.[1]

Politisches Engagement

1979 als Chefredakteur der Neuen Vorarlberger Tageszeitung Wortführer des zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen die separatistische (partiell rassistische) Initiative Pro Vorarlberg, die von einem hohen Landesbeamten mit NS-Vergangenheit und dem Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten initiiert wurde.

1992 – 2007 Moderator der alljährlichen Zeitzeugen-Veranstaltungen im Wiener Volkstheater zum Jahrestag des November-Pogroms, bei der sich KZ-Überlebende an den Nazi-Terror und an die vielfachen Wunder ihres Überlebens erinnerten (Erkenntnisse dieser Gespräche wertete er in dem 2000 erschienenen Buch „Die Ärzte der Nazis“ aus).

1993 Mitveranstalter des Lichtermeeres der 250.000 für Solidarität, gegen Rassismus und Ausgrenzung, als Antwort auf das von der FPÖ initiierte Anti-Ausländer-Volksbegehren.

1995 Veranstalter einer Gedenkausstellung in Guntramsdorf zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz.

1996 Mitinitiator und Sprecher der Initiative Stimmen gegen Rassismus während des Europa-Wahlkampfes, an der sich neben Organisationen wie dem Auschwitz- und Mauthausen-Komitee, dem KZ-Verband, Menschenrechts-Bewegungen wie SOS Mitmensch oder der Liga für Menschenrechte zahlreiche Prominente aus Kultur und Wissenschaft beteiligten.

1997 Aktiver Unterstützer des Frauenvolksbegehrens und Sprecher einer Plattform Männer unterstützen das Frauenvolksbegehren.

2000 Initiator zweier Strafanzeigen gegen Jörg Haider und Justizminister Dieter Böhmdorfer (Verharmlosung bzw. Glorifizierung der Waffen-SS) sowie gegen Verteidigungsminister Herbert Scheibner und Wiens FPÖ-Obmann Hilmar Kabas (Nazi-Parolen im Wiener Wahlkampf) nach dem Wiederbetätigungsgesetz, die durch eine Plattform aus KZ-Verband, den Lagergemeinschaften Auschwitz, Mauthausen und Ravensbrück, der IG Autorinnen und Autoren, der Liga für Menschenrechte, SOS Mitmensch, der Demokratischen Offensive, der Aktion Welser gegen Faschismus und Vertretern des österreichischen Kultur- und Geisteslebens im Rahmen einer Pressekonferenz öffentlich gemacht wurde.

2013 Moderator und Diskutant einer Veranstaltungsserie im Empfangsraum des Wiener Volkstheaters zum Thema Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Rechtsextremismus im FPÖ-Wahlkampf.

2013 Initiator und Diskutant einer Diskussionsveranstaltung im Kosmos-Theater zum Thema Frauenbild der FPÖ (u. a. mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Freda Meissner-Blau).

Organisator und Mitwirkender an zahlreichen Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nazi-Terrors, an politischen Aktionen, Ausstellungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Redner bei Demonstrationen für Menschenrechte bzw. gegen Rassismus, u. a. Trauerrede beim ökumenischen Gedenk- und Trauergottesdienst für Marcus Omofuma 1999, Redner bei den Kundgebungen gegen den WKR-Ball 2012 auf dem Heldenplatz und vor der Universität, Auftritt bei dem von der SPÖ veranstalteten Kulturpolitischen Aschermittwoch 2014. Redner bei den alljährlichen Antifa-Demonstration zu Hitlers Geburtstag in Braunau, mir der die früheren braunen Gedenkveranstaltungen verdrängt wurden. Regelmäßige Vortragstätigkeit zu Themenbereichen wie journalistische Ethik, Außenpolitik, Zeitgeschichte, Rechtsextremismus und Neonazismus, Menschen- und Frauenrechte.

Lehrtätigkeit

1998 bis 2004 Dozent an der Europäischen Journalismus Akademie in Wien (Prof. Maximilian Gottschlich), einem postgradualen dreisemestrigen Masterprogramm für journalistisch engagierte junge Akademiker aus ganz Europa. 2003 – 2005 Dozent am Pädagogischen Institut (PI) der Gemeinde Wien zum Thema Medienkompetenz für Lehrer an Wiens Allgemeinbildenden höheren Schulen. 1998 – 2008 Leiter der Lehrredaktion von NEWS, einem jeweils dreiwöchigen Orientierungs- und Ausbildungskurs für junge Journalisten aus ganz Österreich. Zahlreiche Vorträge an Universitäten.

Kulturelles Engagement

1991 wurde ein mit Peter Turrini geführtes und im „Kurier“ veröffentlichtes Interview zur Eröffnung des Friulischen Theaterfestivals als kurzer Einakter aufgeführt. 1996 Rechte Geschichte(n), Benefizlesungen gemeinsam mit Peter Turrini für das Integrationshaus von Dr. Kurt Ostbahn (Willi Resetarits) im Wiener Rabenhof: Texte zur Entstehung von Vorurteilen, Ausgrenzung, Gewalt und des alltäglichen Faschismus. Autor und Mitwirkender an politisch-satirischen Kabarettprogrammen – 1983 bis 1985 Ensemblemitglied und Autor des Bonner Kabaretts Bonnoptikum. 2012 – 2013 Recherche und Textregie für Wir und Wien, einer Video-Dokumentation von Zeitzeugen der Nachkriegsgeschichte für die Fernsehfilmproduktion Scheiderbauer im Auftrag der Gemeinde Wien.

Seit 2012 lebt er in Weng im Innkreis in der Nähe von Braunau am Inn.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  Commons: Hans-Henning Scharsach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Josef Ostermayer: "Hans-Henning Scharsach hat wichtige Impulse zur Aufarbeitung unserer Vergangenheit gesetzt", bka.gv.at, 12. November 2014.
  2. Liste aller Bruno-Kreisky-Preisträger 1993–2013, renner-institut.at, abgerufen am 13. Oktober 2015 (PDF)