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vom 05.11.2016, aktuelle Version,

Heinz Anton Marolt

Heinz Anton Marolt (* 19. Mai 1958 in Klagenfurt) ist ein österreichischer Hotelier und ehemaliger Politiker (FPÖ). Marolt war von 1998 bis 1999 Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat.

Familie, Ausbildung, Beruf

Marolts Großeltern väterlicherseits eröffneten vor dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Gasthaus direkt am Klopeiner See. Dieses wurde bald zur Haupteinnahmequelle, die zuvor dominierende Landwirtschaft trat in den Hintergrund. Das Gasthaus wurde im Wirtschaftsaufschwung nach 1945 zum Hotel und Tanzlokal ausgebaut. Heinz Anton Marolt ist der Sohn von Anton Marolt junior, dem ältesten Sohn des Gründers und von und Ida-Christine Reautschnig. Er wurde von Anfang an in den Betrieb eingebunden und erhielt eine einem Hotelerben angemessene Fachausbildung.

Marolt besuchte von 1964 bis 1968 die Volksschule in Sankt Kanzian am Klopeiner See und im Anschluss bis 1973 die Hauptschule in Völkermarkt. Zwischen 1974 und 1977 absolvierte Marolt eine Koch- und Kellnerlehre in Tirol und besuchte die Hotelfachschule Villach. Von 1977 bis 1978 leistete er den Präsenzdienst ab. Marolt leitete von 1978 bis 1992 als Hoteldirektor das 'Strandhotel Marolt' am Klopeiner See in Kärnten und ist seit 1993 selbständiger Hotelier dieses Hauses.[1] Seine Tochter ist das Model Larissa Marolt.

Politik

Marolt war von 1991 bis 1997 sowie von 1997 bis 1999 Gemeinderat in St. Kanzian. Er gehörte von 1991 bis 1999 dem Gemeindevorstand an und wirkte zwischen 1990 und 1999 als Ortsparteiobmann der FPÖ. Zwischen 1991 und 1995 hatte er das Amt des Bezirksparteiobmann-Stellvertreters der FPÖ Völkermarkt inne und übte von 1990 bis 1995 das Amt des Vorsitzenden des Landes-Fremdenverkehrsbeirates von Kärnten aus. Marolt war zudem von 1993 bis 1997 Obmann des Landes-Kommunalreferates der FPÖ Kärnten und ab 1991 Mitglied der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für Kärnten.

Marolt vertrat die FPÖ ab dem 15. Juni 1998 im Nationalrat und war Tourismussprecher der FPÖ. Ab dem 19. August 1999 war Marolt ohne Parteizugehörigkeit, da er als Kärntner Spitzenkandidat der Liste Richard Lugner bei der Nationalratswahl 1999 kandidierte. Als Grund für seinen Wechsel nannte Marolt die Suche nach einer neuen Herausforderung und die wirtschaftliche Kompetenz von Richard Lugner. Die FPÖ hatte verlautbart, Marolt nicht als Kandidaten aufgestellt zu haben, weil dieser seine Vermögensverhältnisse nicht offengelegt habe. Marolt bestritt dies.[2] Nach dem erfolglosen Antreten der Liste Richard Lugner schied Marolt am 28. Oktober 1999 aus dem Nationalrat aus. Zuvor war er im September 1999 zum Stellvertretenden Vorsitzenden von Lugners Partei Die Unabhängigen gewählt worden.[3] Marolt kandidierte bei der Gemeinderatswahl 2003 in Sankt Kanzian mit einer Bürgerliste, die jedoch knapp ein Mandat für den Einzug in den Gemeinderat verfehlte.[4]

Hypo-Alpe-Adria-Skandal

1992 übernahm H. A. Marolt das familieneigene Hotel und begann direkt mit der Generalsanierung. Er kaufte ein Grundstück mit 8000 m2 Fläche am Klopeiner See zu und erweiterte die Hotelanlage mit umfangreichen Investitionen.[1] Laut eines Gutachtens des Kärntner Wirtschaftsanwalts Johann Quendler war der Einzelunternehmer Marolt im Jahr 1997 mit 9,23 Millionen Euro Verbindlichkeiten alleine bei dem Bankkonzern Hypo Alpe Adria bereits derart überschuldet, dass „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Zahlungsunfähigkeit vorliegt, somit der allgemeine Konkursgrund der Zahlungsunfähigkeit (...) gegeben ist“. Es wurde allerdings kein Konkursantrag gestellt. Stattdessen wurden 15 Millionen Schilling Schulden, vom damaligen Hypo-Vorstandsdirektor Wolfgang Kulterer abgesegnet, komplett erlassen. Weitere 15 Millionen Schilling wurden in „Besserungskapital“ umgewandelt und später von der Bank abgeschrieben (insgesamt rund 2,18 Millionen Euro). Zudem sollen Gelder in Form von „Kultur- und Veranstaltungsförderung“ an Marolt geflossen sein.[5] Gegen Kulterer wurde in dieser Sache im Jahr 2010 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet.[6][7]

Das vom Sachverständigen Josef Schima im Auftrag der Staatsanwaltschaft Klagenfurt erstellte Gutachten vom 9. August 2013 bestätigte, dass „die Gewährung des Nachlasses bzw. die Umwandlung in Besserungskapital [...] wirtschaftlich nicht vertretbar [war]“, die Bilanzen von 1992 bis 1994 „deutlich negatives Eigenkapital“ zeigten und „der Schaden in Höhe von insgesamt 30 Millionen Schilling [...] damit in Kauf genommen wurde“.[5] Das Ermittlungsverfahren gegen Kulterer wurde im Jänner 2014 eingestellt. Kulterer soll in dieser Causa kein Schädigungsvorsatz nachweisbar gewesen sein. Marolt betonte in der Sache stets, dass er sich mit der Bank auf einen Konsens geeinigt habe und der Erlass nicht im Zusammenhang mit seiner politischen Tätigkeit zwischen 1991 und 1999 als FPÖ-Ortsparteiobmann und Nationalrat stand. Dem Vorstand der Hypo Alpe Adria steht es nun offen, ob er einen Fortführungsantrag des Strafverfahrens gegen Kulterer stellt, beziehungsweise eine Zivilrechtsklage gegen Marolt einbringt.[5][8][9]

Einzelnachweise

  1. 1 2 Hotel Marolt: Betriebschronik und Familiengeschichte (Abgerufen am 20. Januar 2014)
  2. Wirtschaftsblatt: FP-Marolt kandidiert in Kärnten für Lugner, 17. August 1999
  3. Oberösterreichische Nachrichten: Lugner zum DU-Chef gekürt, 20. September 1999
  4. Kleine Zeitung: Wahl ist nichts fürs Gericht, 9. Jänner 2004
  5. 1 2 3 Die Hypo-Connection der Familie von "Dschungelcamp"-Star Larissa Marolt, Format, 23. Januar 2014
  6. Kulterer soll FP-Politiker Millionen erlassen haben, In: Kleine Zeitung, 22. September 2010 (Abgerufen am 20. Januar 2014)
  7. Hypo-Geschenke an freiheitlichen Politiker, In: news.at, 25. September 2010 (Abgerufen am 20. Januar 2014)
  8. Larissa Marolt, ihr Vater und die Sache mit dem Hypo-Kredit (Memento vom 25. Januar 2014 im Internet Archive), wirtschaftsblatt.at, 23. Januar 2014
  9. Hypo: Verfahren um Kredit für Hotel eingestellt, kaernten.orf.at, 23. Januar 2014