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vom 06.01.2017, aktuelle Version,

Jacopo Strada

Bildnis Jacopo de Strada
Tizian, 1567/68
Öl auf Leinwand
125 × 195 cm
Kunsthistorisches Museum Wien

Jacopo Strada (* 1507 in Mantua; † 1588 in Prag) war ein italienischer Gelehrter, Maler, Architekt, Goldschmied, Numismatiker, Schriftsteller und Kunstsammler. Darüber hinaus war er ein Erfinder von Wasserwerken und anderer Maschinen - all dies und dazu offenbar ein vollendeter Höfling.

Leben

Er war seit 1544 mit Ottilia Schenk aus Posberg in Franken verheiratet. Seit 1546 lebte er in Nürnberg und erhielt 1549 das Bürgerrecht. Er stand in Diensten des Augsburger Patriziers, Humanisten und großen Büchersammlers Johann Jakob Fugger und absolvierte als Agent Kunstkäufe in Italien.

Fugger hat um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine umfassende, systematisch-hierarchisch, geographisch-politisch und chronologisch gegliederte Sammlung von Wappen italienischer und mit der Geschichte Italiens verbundener Adelshäuser in Auftrag gegeben. Jacopo Strada, Antiquar in Mantua, trug diese Wappen zusammen. Sorgfältig und prachtvoll gemalt, mit Gold, Silber und leuchtenden Deckfarben, füllen sie fünfzehn schön gebundene Foliobände, ein Kompendium territorialer und personaler Verflechtungen im Italien des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Ab 1556 weilte er in Wien als Hofantiquarius, als Kunstsachverständiger und Verwalter der kaiserlichen Schatzkammer, sowie Architekt für Kaiser Ferdinand I. und arbeitete am Ausbau der Hofburg. In diesen Jahren erwarb er ein Haus in der Wiener Innenstadt (heute Bankgasse 10), das er bis zu seinem Tod besaß. 1566 reiste er zum bayerischen Herzog Albrecht V. und half ihm, seine Skulpturensammlung aufzubauen, die noch heute im Antiquarium der Münchner Residenz aufgestellt ist. Für dieses ab 1568 errichtete Sammlungsgebäude lieferte er wichtige Ideen und Pläne.

Sein Porträt, 1567/1568 von Tizian gemalt, zeigt den Kunstsammler. Es kam in den Besitz von Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich und ist heute Bestandteil der Gemäldesammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Es ist überliefert, dass ihn etwa zur gleichen Zeit die venezianische Künstlerin Marietta Robusti (1554/55–1590), Tochter von Tintoretto, porträtierte.

Antiquarium der Münchner Residenz

1564 als Hofconterfeier unter Maximilian II. tätig, bekam er vom Kaiser Kleidergeld, damit er sich bei hof desto bas erhalten muge. 1568 lieferte er in Wien, Simmering den Entwurf für das Schloss Neugebäude. Er orientierte sich dabei an oberitalienischen Villen und französischen Königs- und Gartenschlössern.

1571–1574 verfasste er in Wien ein Verzeichnis antiker Schriften und ein Lexikon für elf Sprachen. Für Schloss Bučovice (Butschowitz) in der Nähe von Brünn legte er dem Bauherrn Jan Šember von Boskovic Entwürfe vor.

1574 starb nach dreißigjähriger Ehe seine Frau Ottilia, im selben Jahr, am 27. Dezember 1574, wurde er in den Adelsstand erhoben. 1575 ließ er sein Haus demolieren und einen Neubau errichten, in dem er seine über 3.000 Bände umfassende Bibliothek und die ansehnliche "künstencammer" unterbrachte. Er besaß das Gebäude, in dem er gelegentlich Gäste des kaiserlichen Hofes einquartierte, bis zu seinem Tod. Das "Palais Strada" zählte zu den bemerkenswertesten Baudenkmälern der Wiener Spätrenaissance. 1875, beim Bau des Wiener Burgtheaters, musste es abgerissen werden.

Kaiser Rudolph II. holte beide Stradas, Vater und Sohn Octavio, unmittelbar nach seiner Thronbesteigung an den Prager Hof und betraute ihn mit vielfältigen Aufgaben, nicht zuletzt, weil er Octavios Tochter Katharina zu seiner Mätresse gemacht hatte. Der Kaiser konnte Katharina nicht heiraten, obwohl sie ihm sechs Kinder geboren hatte. Strada publizierte mehrere Werke, die das kaiserliche Verlangen nach Würde und Verehrung der Vorfahren befriedigten. Die Epitome thesauri antiquitatum, eine Geschichte der Kaiser von Julius Cäsar bis Maximilian II. anhand ihrer Darstellung auf Münzen.

Jacopo della Strada starb in Prag und wurde in der St. Nikolaus-Kirche auf der Prager Kleinseite begraben.

Sohn Octavio (1550–1607) trat die Nachfolge seines Vaters in der kaiserlichen Gunst an. Auch er war sehr gebildet und betätigte sich als Historiker. Er verfasste eine Keyser Chronick.

Literatur

  • Volker Heenes, Jacopo Strada - Goldschmidt und Maler, Antiken- und Münzhändler, Sammler und Antiquarius Caesarius, in: Vorwelten und Vorzeiten. Archäologie als Spiegel historischen Bewußtseins in der Frühen Neuzeit, hrsg. von Dietrich Hakelberg - Ingo Wiwjorra (= Wolfenbütteler Forschungen 124), Wiesbaden 2010, S. 295–310. ISBN 978-3-447-06295-4
  • Dirk Jacob Jansen, Taste and thought. Jacopo Strada and the development of a cosmopolitan court, in: Lubomír Konečný, Štěpán Vácha (Hgg.), Hans von Aachen in context, Prag 2012, S. 171–178.
  • Dirk Jacob Jansen, Jacopo Strada et le commerce d'art, in: Revue de l'art 77 (1987), S. 11–21.
  • Martin Warnke, Hofkünstler, DUMONT 1985. ISBN 3-7701-3847-3
  • Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Bd. 5, S 359, Wien 1997. ISBN 3-218-00547-7
  • Hilda Lietzmann, Der kaiserliche Antiquar Jacopo Strada und Kurfürst August von Sachsen, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 60 (1997), S. 377–400.
  • Egon Verheyen, Jacopo Strada's Mantuan Drawings of 1567-1568, in: The Art Bulletin 49.1 (März 1967), S. 62–70.
  • Frank Huss, Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, der "Erbe" des Prinzen Eugen, S 95 "Palais Strada", Wien 2005. ISBN 3-200-00485-1
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