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vom 16.05.2017, aktuelle Version,

Joseph Zoderer

Joseph Zoderer (* 25. November 1935 in Meran) ist ein Schriftsteller aus Südtirol.

Joseph Zoderer

Leben

Seine ersten Lebensjahre verbrachte Zoderer in Südtirol. Im Zuge der Option in Südtirol zog die Familie 1940 nach Graz, wo Joseph Zoderer seine Kindheit verbrachte. 1948 wurde der mittlerweile 13-jährige Schüler am Gymnasium in Widnau (Schweiz).

Als seine Familie 1949 wieder in die Heimat zurückkehrte, begleitete Zoderer sie nicht. Er besuchte das Widnauer Gymnasium weitere drei Jahre, bevor er nach Südtirol zurückkehrte. Dort folgten Aufenthalte in verschiedenen Oberschulen. Schließlich maturierte Zoderer 1957 in Meran.

Von 1957 bis 1963 studierte Zoderer Jura, Philosophie, Theaterwissenschaften und Psychologie an der Universität in Wien, brach diese Studien jedoch wieder ab. Zeitgleich war er als Journalist für den Kurier, die Kronen Zeitung und Die Presse tätig. Ende der 1950er Jahre erschienen erste Lyrik- und Kurzprosaveröffentlichungen Zoderers. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wurde dem Südtiroler erstmals 1974 mit einer Sammlung sozialkritischer Dialektdichtung zuteil. Sein offizielles Debüt als Romanautor feierte er 1976 mit Das Glück beim Händewaschen, obwohl nach Angaben Zoderers Der andere Hügel (1995 veröffentlicht) sein erster Roman ist[1]. Nach der Teilnahme an den Österreichischen Jugendkulturwochen 1965 und 1969 begann sich Zoderer verstärkt literarisch zu betätigen. 1970 bereiste er Kanada, die USA und Mexiko. 1971 wurde Zoderer Rundfunkredakteur beim Rai Sender Bozen, bevor er sich 1981 für ein Leben als freier Schriftsteller entschied.

Von 1981 bis 1982 war Zoderer mitbegründendes Mitglied der Südtiroler Autorenvereinigung, seither gehört er der Grazer Autorenversammlung an. Weiters ist der Südtiroler Schriftsteller seit 1993 korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Joseph Zoderer lebte jahrelang in Terenten im Pustertal,[2] ist aber inzwischen in Bruneck wohnhaft.[3]

Werk

Zoderers literarisches Werk umfasst Prosa (Romane, Erzählungen) sowie Lyrik, insgesamt wurden bislang drei Erzählbände, fünf Gedichtbände und neun Romane veröffentlicht. Außerdem erschien 1996 das Kinderbuch Als Anja dem Christkind entgegenging illustriert von Linda Wolfsgruber.

Der Autor, der sich selbst als „deutscher Autor mit österreichischer kultureller Prägung und italienischem Pass“ bezeichnet, widmet sich immer wieder der sogenannten „Südtirolthematik“, einem Leben zwischen zwei Kulturen, welches fast zwingend eine Identitätskrise nach sich zieht. Auch Zoderers bekanntester Roman Die Walsche, welcher in Italien den Status eines Bestsellers erreichte, setzt sich mit dieser Thematik auseinander, wobei speziell in diesem Werk die starren kulturellen Grenzen und die Unwilligkeit der Menschen, sich Fremder geistig anzunehmen, als Kritikpunkte dienen. Seit dem Erscheinen dieses Romans 1982 gilt Zoderer als einer der bedeutendsten Autoren Südtirols, seine Bücher wurden ins Italienische, Französische, Slowenische, Chinesische, Russische und Japanische übersetzt. Die Romane Das Glück beim Händewaschen und Die Walsche wurden außerdem erfolgreich fürs Fernsehen verfilmt, Die Walsche ebenso erfolgreich als Theaterstück adaptiert.

Allgemein charakteristisch für das umfangreiche Prosawerk ist die Tatsache, dass viele stoffliche Elemente des Autors Parallelen zu dessen Biographie aufweisen, wie an den oft aufgegriffenen Themen wie Nachkriegszeit, Fremde, Südtirol, Internatsleben etc. anschaulich wird.

Preise und Auszeichnungen

Werke

  • S Maul auf der Erd oder Drecknuidelen kliabn. München: Relief 1974. (Südtiroler Mundartlyrik)
  • Die elfte Häutung. München: Relief 1975. (Lyrikband)
  • Das Glück beim Händewaschen. München: Relief 1976. Neuausgabe: München: Carl Hanser 1982. (Roman)[6][7]
  • Pappendeckelgedichte. Eppan: Verlag Galerie Prielhof, 1979. (Lyrikband)
  • Die Walsche. München: Hanser, 1982.(Roman)[6][7]
  • Lontano. München: Hanser, 1984. (Roman)[6]
  • Dauerhaftes Morgenrot. München: Hanser, 1987. (Roman)
  • Schlaglöcher. Bd. 1. Bozen: Edition Raetia, 1993. (Dauerwellenroman)
  • Die Ponnys im zweiten Stock. Bd. 2. Bozen: Edition Raetia,1994. (Erzählband)
  • Das Schildkrötenfest. München: Hanser, 1995. (Roman)
  • Und doch das Schweigen verloren. Meran: Offizin, 1995. (Prosafragment)
  • Der andere Hügel. Bd. 3. Bozen: Edition Raetia, 1995. (Roman)
  • Als Anja dem Christkind entgegenging. München: Hanser, 1996. (Roman)
  • Der Schmerz der Gewöhnung. München, Wien: Hanser, 2002. (Roman)[8][9][7]
  • Wir gingen. Ce n’andammo. Bozen: Edition Raetia, 2005. (Zweisprachiger Erzählband)
  • Der Himmel über Meran. München, Wien: Hanser, 2005. (Erzählband)
  • Liebe auf den Kopf gestellt. München, Wien: Hanser, 2007. (Lyrikband)
  • Die Farben der Grausamkeit. Innsbruck: Haymon, 2011. (Roman) ISBN 978-3-939557-46-3.[10]
  • Mein Bruder schiebt sein Ende auf. Innsbruck: Haymon, 2012.
  • Hundstrauer. Gedichte. Mit Zeichnungen von Josef Fürpaß. Innsbruck u. Wien: Haymon, 2013.
  • Seit 2015 erscheint eine Ausgabe der Gesammelten Werke Zoderers im Haymon Verlag, Innsbruck, die von Johann Holzner und dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck herausgegeben wird.[11][12]

Literatur

  • Bernhard Arnold Kruse: Wider den Nationalismus – oder von den Schwierigkeiten eines interkulturellen Lebens. Zu den Südtirolromanen von Joseph Zoderer, Bielefeld: Aisthesis, 2012
  • Text und Kritik, Zeitschrift für Literatur, Heft 188, Joseph Zoderer, München: Richard Boorberg Verlag, Oktober 2010
  • Dossier 29, Joseph Zoderer, Hrsg. Höfler und Scheichl, Graz: Verlag Droschl 2010
  • Giuditta Pedrazzoli: Joseph Zoderer. Die Rezeption in Italien, Innsbruck: VDM Verlag Dr. Müller, 2010

Einzelnachweise

  1.  Beatrice Simonsen: Joseph Zoderer (Interview). In: www.literaturhaus.at. September 2005, abgerufen am 25. Mai 2015.
  2. Hans Christian Kosler: Der Wächter der Eidechse. Der Südtiroler Joseph Zoderer arbeitet auf dem Berg am Wort. Neue Zürcher Zeitung, 2. Mai 2001, abgerufen am 25. Mai 2015.
  3. Hans Christian Kosler: Die Sehnsucht nach der Liebe könnte die Erfüllung sein. Die Presse, 6. Juni 2015, abgerufen am 30. April 2017.
  4. Pressemitteilung der Uni Innsbruck (Abgerufen am 3. November 2008)
  5. http://www.salto.bz/article/23102015/grenzganger-als-ehrenburger
  6. 1 2 3  Henning Klüver: Ein Erzähler aus Südtirol: Trilogie der Entfremdung. Joseph Zoderer und sein Romanwerk. In: Die Zeit. 5. April 1985, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  7. 1 2 3 Bernhard Arnold Kruse: Literarische Arbeit an Identitätsproblemen in Europa am Beispiel von Literatur aus Südtirol. In: TRANS. Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften. Nr. 17. März 2010, abgerufen am 18. August 2015.
  8. Beatrice von Matt: Der Fremdheit habhaft werden. Joseph Zoderers Roman „Der Schmerz der Gewöhnung“. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. März 2002, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  9. Holger Dauer: Das Glück des kopfwehbewussten Unglücklichseins. Joseph Zoderers Roman „Der Schmerz der Gewöhnung“. In: www.tour-literatur.de. Abgerufen am 22. Mai 2015.
  10. Beatrice von Matt: Die Messer der Sehnsucht. „Die Farben der Grausamkeit“ – Joseph Zoderers neuer Roman über Verführung und Geborgenheit. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2011, abgerufen am 25. Mai 2015.
  11. Präsentation des ersten Bandes der Werkausgabe Joseph Zoderers. In: Website der Universität Innsbruck. 9. April 2015, abgerufen am 22. Mai 2015.
  12. Zoderer auf der Website des Haymon Verlages.