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vom 08.01.2017, aktuelle Version,

Justizanstalt Feldkirch

Die Justizanstalt Feldkirch von Osten gesehen.
Der Straße zugewandte Seite des Landesgerichts.

Die Justizanstalt Feldkirch ist ein Landesgerichtliches Gefangenenhaus in Feldkirch im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Das Gefängnis ist derzeit die einzige Strafvollzugseinrichtung im Bundesland und verfügt über eine Kapazität von 121 Haftplätzen im Stammhaus sowie eine Außenstelle mit 39 Haftplätzen in Dornbirn.[1] Das Gebäude befindet sich in baulicher Verbindung mit dem Landesgericht Feldkirch in der Feldkircher Fraktion Tisis am linken Ufer der Ill.

Konzeption

In der Justizanstalt Feldkirch werden Personen zum Straf- und Maßnahmenvollzug mit einer Gesamtlänge von bis zu 18 Monaten sowie Untersuchungshäftlinge untergebracht. Im November 2015 war in der Justizanstalt Feldkirch zudem eine Person im Entlassungsvollzug untergebracht, die eine ursprüngliche Strafdauer von mehr als zehn Jahren zu verbüßen hatte. Zum selben Stichtag befanden sich auch 18 Häftlinge der Justizanstalt Feldkirch im „überwachten Hausarrest“, durften also mit einer Fußfessel ihre Haft zuhause abbüßen. Die Freigänger der Justizanstalt, also jene Personen, die untertags das Gefängnis verlassen dürfen, um extern einer geregelten Arbeit nachzugehen, sind in der Außenstelle in Dornbirn untergebracht.[2]

Es gibt eine eigene Abteilung für weibliche Strafgefangene, auch jugendliche Straftäter mit einer Strafdauer von bis zu sechs Monaten können untergebracht werden. Die Justizanstalt verfügt über Räumlichkeiten im Hauptgebäude des Landesgerichts und einen Anbau in Feldkirch sowie über eine Außenstelle in Dornbirn. Dennoch war die Justizanstalt mit einer Auslastung von 130 % im August 2007 das am stärksten ausgelastete Gefängnis Österreichs. Infolge des Haftentlastungsprogramms im Jahr 2008 konnte die Auslastung der Anstalt aber wieder auf unter 100 % gesenkt werden.

Gefangene in der Justizanstalt Feldkirch sind zu etwa 98 Prozent in Einzel- oder Zwei-Personen-Zellen untergebracht. Sie üben untertags Arbeiten in der hauseigenen Küche, der Wäscherei, der Tischlerei oder der Hauswerkstätte aus beziehungsweise sind als Heimarbeiter externer Unternehmen oder als Freigänger beschäftigt.[2]

Geschichte

Bis ins Jahr 1947 wurden im Spazierhof der Justizanstalt Feldkirch auch nicht-öffentliche Hinrichtungen mit dem Strang durchgeführt. Dies war notwendig geworden, nachdem die öffentlichen Hinrichtungen zuvor zu regelrechten Volksfesten aufgeputscht worden und für die Justiz nur schwer unter Kontrolle zu halten waren. Als letzter Todeskandidat wurde im Jahr 1947 noch ein Doppelmörder aus Altach in Feldkirch gehängt, danach wurden in Vorarlberg keine Todesurteile mehr vollstreckt. Die Todesstrafe wurde in Österreich im Jahr 1968 schließlich komplett abgeschafft.[3]

Erweiterungsbau

Eine zusätzliche Erweiterung des Gebäudekomplexes in Feldkirch ist geplant und wird von der Bundesimmobiliengesellschaft mit 12 Millionen Euro veranschlagt. Damit soll die derzeitige Kapazität von 160 Häftlingen erheblich ausgeweitet werden. 57 Haftplätze speziell für Untersuchungshäftlinge Abteilungen für Freigänger sowie Suchtgiftkranke sind ebenso eingeplant wie eine Turnhalle.

Baubeginn sollte laut den Vorarlberger Nachrichten im Herbst 2008 sein, welche auch besagte, dass die ersten Hafträume im Neubautrakt im Herbst 2010 bezogen werden sollten. Nach einer Anfrage durch die vom Vorarlberger Landtag entsandten Bundesräte beim Bundesministerium für Justiz im April 2008 wird sich der Baubeginn aber vermutlich aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten erheblich verzögern.[4]

  Commons: Landesgericht für Vorarlberg (Feldkirch)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Anfragebeantwortung (PDF; 113 kB) der Bundesministerin für Justiz zum Thema Häftlingszahlen, bedingte Entlassungen, Entlassungen gem. § 133a StPO, gemeinnützige Leistung, sowie elektronisch überwachter Hausarrest im Jahr 2011.
  2. 1 2 Peter Freiberger: Bürokratie bremst Resozialisierung. Artikel in thema vorarlberg vom 6. November 2015.
  3. Siegfried Heim: Josef Gasser in Feldkirch gehängt. In: Dietmar Tschaikner (Hrsg.): Hofsteig Lesebuch. Ein literarischer Rundgang durch Hard, Lauterach, Wolfurt, Schwarzach, Bildstein und Buch. Unartproduktion, Dornbirn 2007, ISBN 978-3-901325-55-7, S. 153–154.
  4. Anfragebeantwortung (PDF; 17 kB) der Bundesministerin für Justiz zum Thema Anbau beim landesgerichtlichen Gefangenenhaus in Feldkirch.