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vom 06.04.2018, aktuelle Version,

Kathrein Privatbank

  Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft
Staat Osterreich  Österreich
Sitz Wien
Rechtsform Aktiengesellschaft
Bankleitzahl 19150[1]
BIC KTBKATWWXXX[1]
Gründung 1923
Website www.kathrein.at
Geschäftsdaten 2012[2]
Bilanzsumme rd. 500 Mio. Euro
Leitung
Vorstand Susanne Höllinger (Vors.)
Harald P. Holzer
Harald Thury
Aufsichtsrat Walter Rothensteiner (Vors.)

Die Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft ist ein österreichisches Kreditinstitut mit Sitz in Wien und wurde Anfang 1924 unter dem Namen „Bankkommanditgesellschaft Kathrein & Co“ von Karl Kathrein gegründet. Als kleine, unbedeutende Bank mit überschaubarem Geschäftsvolumen war sie für große Anleger oder Kunden, aber auch für die damaligen (Wirtschafts)medien niemals von großem Interesse, weshalb es auch kaum Unterlagen über die Geschichte der Bank gibt. 1926 wurde die Konzession der Bank erweitert und der Firmenname auf „Kathrein & Co Bank- und Kommissionsgeschäft“ geändert. Karl Kathrein führte als geschäftsführender Gesellschafter mit wechselnden Kommanditisten die Geschicke der Bank bis in den Krieg, starb aber nach längerer Krankheit im Sommer 1943, im Alter von 72 Jahren.

Den aktuellen Namen trägt sie erst seit dem 7. September 2011. Hauptgeschäftsfelder der Privatbank sind die Vermögensverwaltung für Unternehmerfamilien sowie der Aufbau und die Betreuung von Privatstiftungen. Im Jahre 1977 wurde die Raiffeisengruppe Mehrheitseigentümer; seit 1987 ist sie 100 prozentige Eigentümerin der Kathrein Privatbank. Somit gilt sie als Tochtergesellschaft der Raiffeisen Bank International AG.[3] Aus dem Geschäftsbericht der Raiffeisen Zentralbank Österreich geht hervor, dass das zu verwaltende Vermögen der Privatbank im Jahr 2012 5.044 Millionen Euro betrug, die Bilanzsumme bei 500 Millionen Euro und der Jahresüberschuss bei vier Millionen Euro lag.[4]

Der Privatbankensektor vor 1938

Das Bankhaus Kathrein hat, wie fast jede größere Bank, die bereits vor 1938 in Österreich bestand, eine eigene Historikerkommission, welche die Geschichte der Privatbank in der Zeit des Nationalsozialismus untersucht. Jedoch sind nur wenige Informationen aus dieser Analyse öffentlich zugänglich.[5]

Bis zum Jahr 1913 soll es ungefähr 150 Privatbanken und 27 Aktienbanken in Wien gegeben haben. Im Zuge des Zerfalls der Monarchie stieg die Zahl der Banken aufgrund der Inflationsgeschäfte und Erwartungshaltungen der Finanzkrise noch weiter an. Bis 1924 galt das Bankgewerbe als ein sozusagen „freies Gewerbe“, was bedeutet, dass jeder zur Ausübung des Bankgeschäftes befugt war. Aufgrund vieler Missstände wurde 1924 die Konzessionspflicht eingeführt. Eine dafür zuständige Konzessionsbehörde wurde nicht nur mit der Befugnis ausgestattet, Konzessionen zu vergeben, sondern diese auch rückwirkend stillzulegen. Dies hatte die Schließung von 37 Aktienbanken und 136 Privatbanken zur Folge. Das Bankhaus Kathrein konnte diese Krise jedoch überstehen.[6]

Die Jahre 1919 und 1921 galten als inflationsbedingte Gründungsjahre im Bankensektor, aber nach dem Zusammenbruch der Monarchie folgten viele Krisenjahre. So kam es, dass viele dieser Banken nicht überlebten und rasch wieder schließen mussten. In den Jahren zwischen 1924 und 1938 entwickelte sich der Wiener Finanzplatz zu einem stark rückläufigen Schauplatz für Banken, der sich nur schwer beruhigte. Mit der Gründung 1923 musste die Kathrein Privatbank die Krisenjahre ebenfalls durchleben, konnte diese Zeit allerdings überstehen.[7]

Entwicklung des Privatbankensektors in den Jahren 1938–1945

Staatliche Eingriffe existierten im Privatbankensektor schon vor 1938, aber in den Jahren zwischen 1938 und 1945 geschahen diese vorrangig unter einem rassenideologischen Aspekt. Ziel war es, sämtliche leitende Posten von Juden zu befreien. Dies geschah durch sofortige Beurlaubungen, Kündigungen und Entlassungen beziehungsweise durften jüdische Menschen zwar teilweise ihre Arbeiten noch verrichten, aber dies nicht nach außen an die Öffentlichkeit tragen.[8]

Bis 1938 gab es kaum deutsche Beteiligungen an österreichischen Banken: Nennenswertes, deutsches Kapital gab es lediglich bei fünf Gesellschaften und bei zwei Banken, so lag die Mehrheit der Aktien in deutschem Besitz. Doch dies änderte sich 1938 rapide. Jene Banken, die bis 1938 noch keine deutsche Beteiligung hatten, galten dennoch ab diesem Zeitpunkt als sozusagen "Deutsches Eigentum". Dadurch beteiligte sich noch vor dem Kriegsende die Bayerische Vereinsbank AG mit 27,8 % am Bankhaus Kathrein.[9]

Weiters wurde am 17. März 1938 die damals kleine Privatbank Kathrein & Co Liquidator des in der Nähe angesiedelten Bankhauses Reitler. Dies war die Folge daraus, dass das Bankhaus Reitler zu diesem Zeitpunkt den Beschluss fasste, die Bank still zu liquidieren. Bis dahin war der Kundenkreis der Kathrein-Bank noch bescheiden gewesen und nicht lange vor März 1938 schien diese sogar vor dem „Aus“ gestanden zu sein.[10]

Der Privatbankensektor nach 1945

Nach Kriegsende stand fest, dass sich das gesamte Wirtschaftssystem, vor allem aber der Bankensektor, einer Reform unterziehen musste. Da es aber nicht das Ziel war, den Status der Banken wiederherzustellen, welcher bis zu dieser Zeit herrschte, sondern mithilfe einer Reform das System zu verbessern. Diese konnten zwar zurückkehren und ihre Tätigkeit wieder ausüben, jedoch wurde dies nicht gesondert gefördert.[11]

Nach Ende des Krieges wurden mehrere neue Gesetze erlassen, wie zum Beispiel im Jahr 1946 die „VEAV“ (Vermögensentziehungs-Anmeldungsverordnung). Dies bedeutete, dass die Eigentümer des entzogenen Vermögens dazu verpflichtet wurden, die Liegenschaften, Unternehmen oder sonstigen Werte bei den Behörden anzumelden. Wenn bekannt wurde, dass Eigentümer solch eine Anmeldung vorsätzlich unterließen, kam es zum Freiheitsentzug.[12]

Das Bankhaus Kathrein & Co meldete eine Übernahme an, welche aber nur das Mobiliar des Bankhauses Reitler & Co betraf. Aufgrund einer freiwilligen Liquidierung im Jahr 1938 galt es für das Bankhaus die eigenen Geschäftsräume aufzugeben und Räume des neuen Bankhauses zu übersiedeln. Dies geschah aber nicht um sich Vorteile herauszunehmen, wie zum Beispiel günstig an neues Inventar zu kommen, sondern war notwendig für einen reibungslosen Ablauf der Liquidierung.[13]

Nach der Konzessionierung im Jahr 1920 verringerte sich die Anzahl der Privatbanken immer weiter und während es im Jahr 1955 noch 18 gab, waren es 1986 nur noch sieben. Kathrein & Co war eine von vier übriggebliebenen Banken in Wien. Der Großteil entwickelte sich in dieser Zeit zu Aktienbanken.[14]

Das Rückstellungsverfahren des Bankhauses Reitler & Co zeichnete sich als ein besonderer Fall aus, weil dieser nicht von der formellen Arisierung betroffen war, sondern eine Liquidierung durch das Kathrein & Co Bankhaus darstellte. Im Jahr 1952 kam es schließlich zu einem Antrag für ein Rückstellungsverfahren, in welchem das Bankhaus selbst, der Kundenstock, deren Erträgnisse, sowie das Liquidationshonorar zurückverlangt wurden. Dieser Antrag wurde von der Rückstellungskommission abgewiesen. Erst 1955 kam es dann zu einem Vergleich zwischen den Bankhäusern, bei welchem die Eigentümer von Reitler & Co einer Löschung im Handelsregister zustimmten. Die Entschädigungssumme fiel, im Gegensatz zu den Forderungen von 1952, gering aus.[15]

Die Kathrein Privatbank aus heutiger Sicht

Die Kathrein Privatbank hat ihren Sitz bis heute in der Wiener Innenstadt und gilt als eine der führenden österreichischen Privatbanken. Neben ihren Tätigkeiten als Vermögensverwalter hat sich das Bankhaus auf den Sektor der österreichischen Privatstiftungen spezialisiert.[16]

Als Privatbank für Unternehmen und Privatstiftungen sind die Dienstleistungen auf Unternehmer, Unternehmerfamilien und Privatstiftungen für Vermögen ab einer Million Euro ausgerichtet.[17] Das Leistungsspektrum umfasst die Erarbeitung von Anlagestrategien, die Vermögensverwaltung, die Beratung bei Stiftungsgründung und deren Leitung sowie die Beratung bei Unternehmensweitergabe, -kauf und -verkauf, Vererbung und Schenkung.

Mit 1. Jänner 2013 trat Frau Dr. Susanne Höllinger ihre neue Funktion als Vorstandsvorsitzende in der Privatbank an und löste somit ihren 13 Jahre langen Vorgänger Dr. Christoph Kraus ab. Frau Dr. Höllinger war vorher bereits neun Jahre lang im Private Banking tätig und trug bereits maßgeblich zum Aufbau des Sektors bei.[18] Sie ist eine der ersten Frauen, die eine derartige Top-Position im Bankensektor besetzt. Nach ihrem Studium „Wirtschaftspädagogik“ in Wien, baute sie ihre Marktkenntnisse und Managementerfahrungen in der Finanzbranche durch verschiedenste Führungspositionen im Wertpapierbereich auf. Zudem war sie Leiterin der Privat Banking der Erste Sparkasse in Österreich. Die Kathrein Privatbank mit ihrer eher gehobenen Kundschaft wird auch unter der neuen Führung ihre bewährte konservative Veranlagungspolitik als wichtige Säule ihrer Strategien beibehalten.[19]

Das Produktportfolio der Kathrein Privatbank umfasst Geldmarktfonds, Anleihenfonds, Aktienfonds und Alternative Investments. Ergänzend wird noch der Fonds der Russell Investment Group angeboten.[3]

Ebenso besitzt die Privatbank eine eigene Stiftungshomepage, auf welcher Kunden und Interessierte alles Wissenswerte über die Privatstiftungen finden können und die Möglichkeit haben, sich als Privatperson oder Unternehmer zu informieren. Es sind Auskünfte zu steuerrechtlichen Themen, Veranlagungsvarianten, Publikationen sowie Literaturhinweise zu finden. Geleitet wird das Stiftungsoffice von Herrn Heinrich Weninger.[20]

Literatur

  • Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. Oldenbourg Verlag, Wien 2004.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Abfrage für BLZ 19150. In: SEPA-Zahlungsverkehrs-Verzeichnis der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). (Neuladen des Browsers erforderlich.)
  2. Angabe im Geschäftsbericht der RZB Group (PDF; 3,4 MB), S. 64.
  3. 1 2 Website Kathrein Privatbank, abgerufen am 16. November 2013.
  4. Geschäftsbericht 2012 der RZB (PDF; 3,4 MB), abgerufen am 19. November 2013.
  5. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 11f.
  6. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 112f.
  7. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 31f.
  8. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 66f.
  9. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 36f.
  10. Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdisches Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Oldenbourg Verlag, Wien 2004.
  11. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 144f.
  12. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 146f.
  13. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 146f.
  14. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 198.
  15. Peter Melichar: Neuordnung im Bankwesen: Die NS-Maßnahmen und die Problematik der Restitution. 2004, S. 154f.
  16. Das Bankenmagazin, abgerufen am 1. Dezember 2013.
  17. Homepage Raiffeisen Zentralbank Österreich, abgerufen am 16. November 2013.
  18. Raiffeisen International AG, abgerufen am 13. Dezember 2013.
  19. Kathrein Bank: Susanne Höllinger übernimmt. abgerufen am 17. Jänner 2014.
  20. StiftungsOffice, abgerufen am 17. Jänner 2014.