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vom 16.04.2017, aktuelle Version,

Kuony von Stocken

Kuony von Stocken (auch manchmal als Hans Kuony) war ein Hofnarr des habsburgischen Herzogs Leopold I. und gilt traditionell als Urheber eines noch heute dargestellten Brauches in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.

Geschichte

Kuony von Stocken (links) im roten Narrengewand während der Schlacht am Morgarten ( Tschachtlanchronik 1483)

Kuony soll sich während der Schlacht am Morgarten (1315) als überaus weiser Warner eines Feldzuges hervorgetan haben und erbat sich im Anschluss an den negativen Ausgang das Privileg, jährlich in seiner Heimatstadt Stockach ein Gericht abhalten zu dürfen:

Während der Vorbereitungen zum Angriff gegen das Dorf Steinen (= "Land Schwyz") soll der Herzog spaßeshalber seinen Narren Kuony befragt haben, was er denn von der ganzen Angelegenheit halte. Der weise Narr antwortete:

Ihr geratet wohl, wie ihr wollt in das Land Schwyz hinein kommen, jedoch geratet keiner, wie ihr wieder wollt heraus kommen.

Der Rat, der darauf hinwies, was denn passieren würde, wenn man den Schwyzern unterliege, wurde, wie es heißt, lachend abgetan. Erst nach der vernichtenden Niederlage der Habsburger in der Schlacht am Morgarten 1315, nach der der Herzog nicht viel mehr als sein Leben retten konnte, erinnerte sich dieser angeblich an den weisen Rat seines Narren und gewährte ihm einen Wunsch. Kuony erbat sich, so die Legende, das Privileg, in seiner Heimatstadt Stockach alljährlich ein Gericht abhalten zu dürfen, aus dem sich viel später ein Narrengericht entwickelte.

Kuony von Stocken (links) standesgemäss in einer gelben Schellentracht mit Fiedel (Darstellung der Schlacht am Morgarten aus der Berner Chronik von Diebold Schilling)

Da Leopold aber bereits 1326 und damit vor der Regelung der Angelegenheit starb, wandte sich Kuony den Erzählungen nach an Herzog Albrecht den Weisen, der ihm schließlich 1351 das Privileg gewährt haben soll. Unter dem persönlichen Schutz des Stadtherrn von Stockach, dem Landgrafen Eberhard von Nellenburg, soll Kuony letztendlich die Urkunde in seine Heimatstadt verbracht haben, wo sie in der Säule eines Brunnens aufbewahrt wurde.

Die Historizität der Legende des Kuony von Stocken kann durchaus bezweifelt werden. Um 1415 erscheint die Figur erstmals in Heinrich Wittenwilers Dichtung Der Ring. Eine ganze Reihe von Chronisten der Schweiz greifen die Geschichte danach auf und behandelten sie als historische Tatsache, und so erscheint Kuony beispielsweise in der 1485 entstandenen Spiezer Chronik und in der etwa zehn Jahre älteren Berner Chronik. In der Spiezer Fassung erscheint der Narr als fiedelnder Geigenspieler, im hier abgebildeten Beispiel der Berner Chronik im typischen zweigeteilten Narrengewand mit Eselsohren und Glöckchen.

In Kuonys Heimatstadt Stockach wird zudem im Archiv des Narrengerichts eine Urkunde aus dem Jahr 1743 aufbewahrt, welche sich auf eine Vorlage von 1687 stützt, die ihrerseits auf das angebliche Originalprivileg verweist. Diese in der Säule des mittleren Brunnens gefundene Urkunde besagt, daß jhme Hans Kuene undt allen seinen Nach-Kommenden Burger von Stockhach, alle Jährl. in der Faßtnacht […] das Narren Gericht vergunet u. in Gnaden erteilt seye. Die Sprache der Urkunde verweist allerdings eher ins 17. Jahrhundert als ins Spätmittelalter.

Die Figur des Hans Kuony spielt in der heutigen schwäbisch-alemannischen Fastnacht immer noch eine zentrale Rolle. Im Stockacher Narrengericht, das alljährlich am Schmotzigen Donnerstag tagt, tritt er als unverlarvter Narr in einem schwarz-roten Narrenkostüm auf. Aufgrund seiner Legende erstellte ihm seine angebliche Heimatstadt Stockach einen Brunnen, auf dem man rundherum seinen weisen Rat an den Herzog von Habsburg lesen kann.

Kuony von Stocken stellt aufgrund seines Rates an den Herzog von Habsburg einen der beiden Hofnarrentypen dar. Während so genannte natürliche Narren wie beispielsweise Claus Narr mit allerlei Gebrechen am Hof eines Fürsten für dessen Erheiterung sorgte, aber auch an Sterblichkeit eines jeden Menschen und an die Vergänglichkeit allen Ruhms erinnerte, steht Kuony als künstlicher Narr für einen in Wahrheit sehr intelligenten Menschen, ähnlich wie es Kunz von der Rosen war, der Hofnarr Kaiser Maximilians.

Literatur

  • Journal der Schwäbisch Alemannischen Fastnacht 2015: Narrenbote Nr. 38 dold.verlag 2014, ISBN 3-927-67784-1, S. 36.