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vom 10.02.2018, aktuelle Version,

Lajos Hatvany

Lajos Hatvany um 1910
Hatvany war Gründer der Zeitschrift Nyugat (1908)
Grab auf dem Farkasréti temető
Hatvany Lajos Múzeum in Hatvan

Lajos Hatvany; auch Lajos Hatvany-Deutsch; (geboren 28. Oktober 1880 in Budapest ; Österreich-Ungarn als Ludwig Deutsch; gestorben 12. Januar 1961 in Budapest) war ein ungarischer Schriftsteller und Literaturkritiker.

Leben

Ludwig Deutsch wurde in eine jüdische, ungarische, großbürgerliche Familie geboren. Sein Vater, der Zuckerindustrielle Alexander Deutsch (1852–1913), wurde 1908 zum Baron geadelt. Er erwarb standesgemäß Gut und Schloss in Hatvan und ungarisierte den Familiennamen nach seinem Wohnort in Hatvany-Deutsch, woraus schließlich Hatvany wurde. Die Kunstsammlung der Familie wurde vom jüngeren Bruder Ferenc von Hatvany bis in die Schlusstage des Zweiten Weltkriegs zusammengehalten, als sie von den Deutschen, Russen und Ungarn geplündert und konfisziert wurde. Amália Moskowitz (die spätere Schriftstellerin Anna Lesznai) war eine Cousine.

Lajos Hatvany konvertierte 1908 zum Katholizismus. Er studierte Philologie an der Universität Freiburg im Breisgau und promovierte an der Universität Budapest. Er betätigte sich als Journalist, Schriftsteller, Literaturkritiker und Literaturwissenschaftler. Er war ein Mäzen für die ungarische literarische Szene und der Geburtshelfer der Kulturzeitschrift Nyugat, deren Leitung Ignotus und Miksa Fenyő übernahmen. Hatvany publizierte über den ungarischen Nationaldichter Sándor Petőfi und über seinen Dichterfreund Endre Ady. Sein Briefwechsel ist eine wichtige Quelle über die intellektuelle Szenerie Ungarns in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. 1913 heiratete er die Tierbildhauerin Christa Winsloe, sie trennten sich 1922 und Hatvany heiratete 1924 die um 1900 geborene Jolan.

Als Demokrat war er nach der bürgerlich-demokratischen Revolution 1918 Mitglied der ungarischen Nationalversammlung und nahm als Dolmetscher an den Belgrader Waffenstillstandsverhandlungen teil. Mit dem Präsidenten Mihály Károlyi verließ er im Juli 1919 Ungarn, als die Räteregierung die Macht übernommen hatte und konnte als Demokrat auch nicht mehr zurückkehren, als diese durch Admiral Miklós Horthy gestürzt wurde. Als er 1927 das Horthy-Ungarn betrat, wurde er sogleich angeklagt und zu sieben Jahren Zuchthaus und einer hohen Geldstrafe verurteilt, da er die ungarische Nation in Zeitschriftenartikel geschmäht hatte.[1] Die Strafe wurde nach internationalen Protesten, unter anderem von Albert Einstein, Felix Salten und Franz Werfel, auf 18 Monate verringert und Hatvany wurde nach neun Monaten aus gesundheitlichen Gründen entlassen.

1938 wurden die antisemitischen Gesetze, die in Ungarn bereits 1920 ihren Anfang genommen hatten, verschärft, und Hatvany musste erneut aus Ungarn emigrieren. Über Paris ging er nach England, von wo er erst 1947 zurückkehren konnte. Er erhielt einen Lehrstuhl für Literaturgeschichte an der Universität Budapest, zog sich aber im stalinistischen Ungarn aus dem öffentlichen Leben zurück und schrieb an einer Petöfi-Biographie. 1959 wurde ihm der Kossuth-Preis verliehen und 1960 wurde er Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Hatvany hat Romane, Lyrik und Theaterstücke geschrieben. Sein Hauptwerk Urak és emberek (1927) steht unter dem Einfluss von Thomas Manns Buddenbrooks. Der Bildungsroman ist gleichzeitig eine sozialgeschichtliche Analyse der Emanzipation und Assimilierung der Juden in der Gesellschaft Ungarns im 19. Jahrhundert, es erhielt daher den Spottnamen Judenbrocks.[2] Auch dieser Roman enthält, wie sein literarisches Vorbild, autobiographische Bezüge. Hatvany schrieb auch unter den Pseudonymen Pilvax und Agricola.

Hatvanys Frau Erzsébet Marton Hatvany, die 1938 in Budapest geblieben war, konnte sich 1944 nur mit einem Schutzbrief, der von Raoul Wallenberg ausgestellt worden war, vor Zwangsarbeit und Deportation durch das Eichmann-Kommando und seine ungarischen Helfer retten.[3]

Die Straße „Hatvany Lajos utca“ im 3. Bezirk Budapests wurde nach ihm benannt.

Schriften (Auswahl)

  • Die Wissenschaft des nicht Wissenswerten : ein Kollegienheft, Leipzig : Zeitler, 1908
  • Ich und die Bücher (Selbstvorwürfe des Kritikers), 1910
  • Die Berühmten : Schauspiel in 3 Akten, München : G. Müller, 1913
  • Das verwundete Land, Leipzig : Tal, 1921
  • Urak és emberek, Budapest, 1927. Deutsch: Bondy jr., ein Roman. Eigene Übersetzung. München : Drei Masken Verlag, 1929
  • Ady: Cikkek, emlékezések, levelek,Budapest, 1959
  • Rodion Markovits: Sibirische Garnison. Roman unter Kriegsgefangenen. Aus dem Ungarischen von Lajos Hatvany, bearbeitet von Ernst Weiss. Propyläen, Berlin 1930. Abdruck in der Vossischen Zeitung unter dem Titel Das Lager am Ussuri.

Literatur

  Commons: Lajos Hatvany  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 10, 2002, S. 241
  2. Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, Band 10, 2002, S. 246
  3. Der Schutzbrief wurde von „Bauman rare books“ versteigert