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vom 01.05.2018, aktuelle Version,

Marienlift

Der Marienlift in Graz war eine 2003 bis Oktober 2007 bestehende Kunstinstallation des steirischen Künstlers und Kulturbürokraten Richard Kriesche.

Der aus Anlass des Grazer Kulturhauptstadtjahrs 2003 wenig östlich der Mariensäule am Eisernen Tor in der Grazer Innenstadt errichtete 18 Meter hohe Seilaufzug mit verglastem Schacht und Glaskabine sollte es dem Besucher gegen Bezahlung eines kleinen Obolus (1 Euro) ermöglichen, der vergoldeten Madonna „auf Augenhöhe“ zu begegnen.[1] Es bot sich ein erhöhter Blick in die Sichtachse Herrengasse–Hauptplatz–Sackstraße. Die Höhe erreichte nur etwa die Firsthöhe der niedrigen Bauten südlich des Opernrings, der Blickpunkt war deutlich niedriger als alle näher umliegenden Häuser.

Der im unteren Bereich im Wesentlichen undurchsichtige Liftschacht bildete ein Sichthindernis zwischen Fußgängern, die im Begriff sind vom südseitigen Liftportal ostwärts etwa zwei Stufen vom Park um den Teich und die Mariensäule auf den nur etwa 50 cm östlich des Turms verlaufenden Radweg zu treten und den hier von links ankommenden und am Treppenfuß vorbeifahrenden Radfahrern. Der ausgeschilderte Radweg wird traditionell und bis heute auch von Fußgängern benutzt, sozial und polizeilich toleriert, während umgekehrt wiederholt Polizei Radfahrer in der nördlich ab der Hans-Sachsgasse anschließenden Fußgängerzone mitunter strikt abstraft. Jeglicher Hinweis etwa als Bodenmarkierung für die ankommenden Fußgänger fehlte

Erst die zweite Anregung – gemacht von einem Radaktivisten der Radlobby ARGUS gegenüber einem vor Ort befindlichen Polizeioffizier, der den Hinweis auf die Gefahrenstelle mit "Da muss man was machen" quittierte – bewirkte, dass binnen 2 Wochen ein Schutzgeländer (mit 2. Rohr auf halber Höhe) zur Sperre des Fußverkehrs am oberen Beginn der Treppe errichtet wurde. Mit der Demontage des Lifts wurde auch das Geländer entfernt und können Fußgänger den Radweg auch hier wieder betreten. Legal auf beiden hier anstoßenden Verkehrsflächen bewegen sich Inline-Skater.

Nach insgesamt 83.295 Fahrten[2] wurde der Personenaufzug wegen stark gesunkener Besucherzahlen und entsprechend gestiegener Defizite um 40.000 Euro an die 'Stadtwerke Hartberg' in der Steiermark verkauft. Der Verkauf des als „Kunstwerk auf Zeit“[3] vorgesehenen Lifts war von der Stadt Graz bereits 2006 beschlossen worden – dies ohne Rücksprache mit Richard Kriesche, der in der Folge die Veräußerung des Lifts als „Geringschätzung der Bürger und Bürgerinnen selbst“ brandmarkte[4] und statt eines Verkaufs für den Abbau des Artefakts sowie dessen Rückgabe an die Fahrstuhl-Herstellerfirma plädierte.[5]

Weltblicklift (ehem. Marienlift) im Ökopark in Hartberg (2011)

Kriesches Einkabinenaufzug wurde auf dem Gelände des Ökoparks der Stadtwerke Hartberg über einem 20 Meter hohen Basisgerüst aus Metall frei ragend montiert. Die 38 Meter hohe Struktur, welche vom Dachgeschoß des sogenannten Schiefen Büroturms (Büroturm II) zu betreten bzw. als Aussichtslift zu nutzen ist, trägt den Namen „Weltblicklift“.[6]

Einzelnachweise

  1. Gläserner Lift – Marienlift – Perspektivenwechsel, Archiv-Site www.graz03.at, abgerufen am 15. Juli 2010
  2. Umzug, steiermark.orf.at, 15. Oktober 2007, abgerufen am 15. Juli 2010
  3. Verkauft, steiermark.orf.at, 14. Dezember 2006, abgerufen am 15. Juli 2010
  4. Künstler R. Kriesche, steiermark.orf.at, 15. Dezember 2006, abgerufen am 15. Juli 2010
  5. Nach Verkauf, steiermark.orf.at, 1. August 2007, abgerufen am 15. Juli 2010
  6. „Blick in die Welt“ mit Weltblicklift, www.oekopark.at, abgerufen am 15. Juli 2010